Gelbe Wände, Tonstudio oder Sitzsäcke?

von Redaktion

Architekturstudenten der TH gestalten mit jungen Rosenheimern das Jugendzentrum Jump neu

Rosenheim – Die Innenräume des Jugendzentrums Jump in der Prinzregentenstraße in Rosenheim bekommen ein neues Design. Jugendliche und Architekturstudenten der Technischen Hochschule arbeiten daran zusammen. Ein erster Blick in die Pläne.

Der Tisch, vor dem Johannes Wühr (33) sitzt, ist übersät mit bunten Gestaltungskonzepten. „Rebel“, „Farbrausch“ und „Lebensfreude“ prangen in großen Buchstaben auf den Vorderseiten. Mithilfe dieser Konzepte soll das Jugendzentrum Jump in der Prinzregentenstraße umgestaltet werden. Im Laufe der Jahre hätten sich die Räume zu einem „Flickenteppich“ entwickelt, sagt Betreuer Wühr. Zusammengewürfelte Einrichtungsgegenstände, verschiedene Farben an den Wänden, nichts passte mehr richtig zusammen. „Es soll alles ein bisschen einheitlicher werden“, sagt Wühr.

Fotos gemacht und
Räume vermessen

Er habe gewusst, dass die Architekturstudenten an der Technischen Hochschule Rosenheim immer auf der Suche nach Übungsmöglichkeiten seien. Er wandte sich an den Dekan der Architekturfakultät. Der kam vorbei, sah sich die Räume des Jugendtreffs an – und sagte zu.

Das Projekt mit dem Jugendzentrum ist für die Studenten laut Wühr ein Wahlfach. Sie seien einmal ins Zentrum gekommen, hätten sich alles angeschaut, Fotos gemacht und Räume vermessen. Ein paar Jugendliche seien auch dabei gewesen, hätten Wünsche und Vorschläge geäußert.

Für Wühr ein ganz zentraler Punkt. Denn das Projekt soll vor allem eins von Jugendlichen für Jugendliche sein. Das Ziel: Eigene Entscheidungen treffen und diese dann auch umsetzen. Das sei das Konzept der „offenen Jugendarbeit“. Eine Sache, die seine Schützlinge laut Wühr schätzen. „Sie wissen, dass wir hier nicht das Elternhaus, die Polizei oder die Lehrer in der Schule sind.“ Das Jugendzentrum sei ein Ort, wo man etwas kann, aber nicht muss.

So sei auch der Besuch in der Technischen Hochschule freiwillig gewesen. Mit ein paar Jugendlichen war Wühr dort, um sich Erstentwürfe der Studenten anzusehen. Jetzt liegen die fertigen Konzepte schon vor. Er zeigt auf einen der neun Papierpacken vor ihm. Der Plan mit dem Namen „Juze Jump – Fresh it up!“ habe es vielen der jungen Leute besonders angetan.

Die Farbpalette: helles Grau und knalliges Gelb. Die Räume sehen auf dem Papier hell, modern und hochwertig aus. Glatte Oberflächen und große Fenster, die viel Licht hereinlassen. Es soll eine Bar, einen Gamingroom mit Sitzsäcken und ein Tonstudio geben. „Das fanden sie natürlich alles sehr cool“, sagt Wühr.

Ein anderes Konzept sieht Neonfarben vor. Bei einem dritten ist eine detaillierte Bauanleitung für den sogenannten Berliner Hocker dabei. Diesen könne man sowohl als Hocker als auch als Regal einsetzen, erklärt Wühr. Außerdem sei er leicht zu bauen. Für ihn besonders wichtig. Die Jugendlichen sollen „selbst Hand anlegen“ können. So, wie sie „Bock drauf haben“.

Bock hat vor allem der 18-jährige Ahmed. „Ich finde es total super, dass so was gemacht wird. Es ist eine schöne Abwechslung“, sagt er. Auch Oli (16) freut sich. Vor allem darauf, mit anderen Jugendlichen beim Umbau eine gute Zeit zu haben.

Sobald sich Ahmed, Oli und die anderen Jugendlichen für ein Konzept entschieden haben, beginnen sie mit Handwerkern die Arbeiten. Auch ein paar der Studenten hätten ihre Hilfe angeboten, sagt Wühr. Zum Beispiel Tugce Kücük. Sie fände es „cool“, ihr eigenes Design selbst umzusetzen, sagt sie.

Wühr hofft, dass es im Sommer so weit ist. Ob das klappt, ist wegen der Corona-Pandemie ungewiss. Eins steht aber fest: Ende des Jahres wird das Jugendzentrum Jump von innen nicht mehr wiederzuerkennen sein.

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