Nicht auf dem Erreichten ausruhen

von Redaktion

Buch des Gewerkschaftsbunds dokumentiert Lebensentwürfe selbstbewusster Frauen

Rosenheim – Auch das Private ist politisch, sagt die 63- jährige Wilma Waldt, die seit 43 Jahren im DGB aktiv ist. Dies schon allein wegen der Forderung, dass Frauen wie Männer wirklich frei und selbstbestimmt über die Art entscheiden können müssten, wie sie ihr Leben führen wollen.  Und insofern ist auch das Buch „365 Tage – 365 starke Frauen“ am Ende ein politisches. In diesem stellen sich 365 DGB-Frauen vor, meist nur mit einem Schlagwort, das ihre Vorlieben aber auch ihre Wünsche auf den Punkt bringt. Das Buch ist deshalb ein Beispiel dafür, wie vielfältig die Lebensentwürfe selbstbewusster Frauen sein können.

Wilma Waldt, die ebenfalls in diesem Buch abgebildet ist, wünscht sich, dass möglichst viele Frauen sich kritisch mit ihrem Willen auseinandersetzen. Nach ihrer Ansicht sei hingegen in jüngster Zeit so etwas wie ein „Ausruhen auf dem Erreichten“ zu spüren. Zu viele junge Frauen fänden sich wieder mit der Rolle als Hausfrau und Mutter ab. Sie hielten den bisher erreichten Stand der Gleichberechtigung vielleicht nicht hundertprozentig zufriedenstellend, fänden diesen aber doch im Großen und Ganzen akzeptabel. Warum also für mehr kämpfen? Für Wilma Waldt ist das eine gefährliche Einstellung. Mit den Frauenrechten sei es nicht anders als mit der Demokratie: Werde nicht ständig versucht, weiter voranzukommen, verbessere sich  nichts und das bislang Erreichte drohe, verloren zu gehen.

Die 22-jährige Simone Görges  ist seit sechs Jahren in der IG Metall aktiv. Auch sie teilt die Meinung,  privates Leben und gesellschaftliches Engagement seien nicht wirklich zu trennen. Wer sich als Frau für Gleichberechtigung in der Gesellschaft einsetzen wolle, brauche ein heimisches Umfeld, in dem diese  schon weitgehend verwirklicht ist. Dies aber setze wiederum politische Rahmenbedingungen voraus. Zum Beispiel eine Elternzeit für Männer,  ohne dass diese einen Karriereknick fürchten müssten. „Nur, wenn keiner etwas tut, ändert sich nie etwas“, lautet ihr Credo.

Das Buch selbst sei Beweis, dass sich schon einiges getan habe, findet die 64-jährige Ingrid Meindl-Winkler. Auch sie ist langjähriges Gewerkschaftsmitglied. Ein Band, in dem sich Gewerkschaftsfrauen in ihrer ganzen Vielfalt und voller fraulichem Selbstbewusstsein darstellen, sei vor 20 Jahren wohl in dieser Art noch nicht möglich gewesen. Wilma Waldt erinnert sich an Zeiten, während der sie bei Informationsständen zum Weltfrauentag als „Emanze“ beschimpft wurde. Sie will deshalb das Buch an Alice Schwarzer schicken, „denn ohne den Einsatz solcher Frauen wären wir heute immer noch nicht da, wo wir sind“.

Das Buch gibt es für 25Euro bei Jürgen

Bogner, (Am Anger 5a, 84508 Burgkirchen) wie auch per E-Mail an J.Bogner@kabelmail.de zu bestellen. Der Erlös kommt zu 100 Prozent zwei

Hilfsprojekten für

Frauen zugute.

Artikel 7 von 9