Rosenheim – „Schlafmützig“, „verhandlungsfaul“ und „unflexibel“: Mit diesen Vorwürfen der Gewerkschaft Verdi sieht sich das Modegeschäft „H&M“ in Rosenheim konfrontiert. Mit einer Demonstration vor dem Bekleidungsgeschäft wollen die Betroffenen auf den geplanten Stellenabbau aufmerksam machen. Das Bekleidungsgeschäft verweist dagegen auf die aktuelle schwierige Corona-Situation und bleibt vorerst beim geplanten freiwilligen Personalabbau.
„Es ist ein Plan, der sich gezielt gegen Mütter und ältere Angestellte richtet“, meint Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer von Verdi. Unter dem Deckmantel eines freiwilligen Abbaus von Stellen sei man bei „H&M“ in Rosenheim darauf aus, Mitarbeiter ohne tarifliche Vereinbarung oder Sozialplan loszuwerden. Mit ausgelegter Kleidung, Roten Karten und Banner stellte er sich daher am Montagnachmittag zusammen mit dem „H&M“-Betriebsrat vor dem Bekleidungsgeschäft auf, um gegen die möglichen Entlassungen zu demonstrieren.
„Satte 957 Stunden pro Monat sollen hier abgebaut werden“, klagt die Rosenheimer Betriebsrätin Diana Bieberstein. Bei aktuell rund 50 Stellen sei dies ein ganzes Fünftel der Mitarbeiter. Sie wisse bei bestem Willen nicht, wie das funktionieren solle, zumal es trotz Pandemie mehr als genug Arbeit geben würde. Dann auch noch die Stellen loswerden zu wollen, die beispielsweise vormittags von in Teilzeit arbeitenden Beschäftigten – meist Müttern – besetzt sind, geht ihrer Meinung nach zu weit.
Die Firma bestätigt auf Nachfrage den geplanten Abbau von rund 800 Mitarbeitern in ganz Deutschland. Das Ziel des sogenannten „Freiwilligenprogramms“ ist laut Pressesprecherin Tanja Hußenether jedoch, Arbeitszeiten abzubauen, in denen der Arbeitsanfall seit mehreren Jahren rückläufig sei. Dies sei unabhängig davon, in welchem Umfang die Kollegen tätig seien. Da das Programm in Rosenheim noch nicht begonnen hat, wollte sich Hußenether zu keinen Details äußern.
Für Metzger und Bieberstein ist das kein Grund, von ihren Forderungen abzusehen. Sie erhoffen sich nach wie vor, Teil der Stellen zu erhalten oder zumindest eine tarifvertragliche Regelung außerhalb des Freiwilligenprogramms zu finden. „Auch, wenn wir dafür erst demonstrieren müssen“, unterstreicht die Betriebsrätin. Korbinian Sautter