Rosenheim – Der bekannte Kirchenmusiker Helmut Michalek, der 60 Jahre lang die Orgel in St. Nikolaus gespielt hat, ist tot. Er ist am Samstag im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Ein Nachruf auf einen Mann, der für die Musik gelebt hat.
Zurückhaltend als Mensch, präsent als Musiker. So beschreibt Markus Michalek seinen Vater Helmut. Er sei ein sehr akribischer Mensch gewesen, jemand, der von sich selbst viel verlangt hat. „Sein ganzes Leben war auf die Musik ausgerichtet.“ Geboren am 25. Mai 1932 in Neutitschein, drückt er im Alter von sechs Jahren in der dortigen Kapelle zum ersten Mal die Tasten und Pedale einer Orgel. Es ist der Beginn einer Leidenschaft, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht.
Mitglied im Ackermann-Chor
Nach der Ankunft im Flüchtlingslager 1945 in Passau beginnt er zwei Jahre später seine Ausbildung zum Musiker. Er nimmt Unterricht bei Professor Karl Richter an der Musikschule München. Von seinem Vorbild lernt er die Kunst, ein Stück zu analysieren. „Er hat einmal gesagt, dass er gelernt hat, die Architektur eines Stückes so zu begreifen, dass man dessen musikalische Seele erkennt und dieses Stück somit wirklich spielen kann“, sagt Markus Michalek. Weil Karl Richter evangelische Kirchenmusik lehrt und für Helmut Michalek als überzeugter Katholik ein Abschluss in evangelischer Kirchenmusik eine berufliche Sackgasse gewesen wäre, wechselt er zum Studiengang der katholischen Kirchenmusik. Nach dem Umzug nach Rosenheim im Jahr 1958 tritt er in den von Professor Fritz Kernich gegründeten und geleiteten Ackermann-Chor in der Chor-Singschule Rosenheim ein. Im gleichen Jahr beginnt er seine Tätigkeit als Organist der Nikolauskirche in Rosenheim. 60 Jahre lang ist er hier tätig, spielt sich in die Herzen der Besucher. „Er war ein sehr exakter und genauer Mensch“, erinnert sich Pfarrer Andreas Zach, der Helmut Michalek vor 13 Jahren kennengelernt hat. Wie gut der Kirchenmusiker in seiner Tätigkeit war, belegen zahlreiche Auszeichnungen. So hat er 1967 den Förderpreis der Stadt erhalten, 1995 folgt die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2018 bekommt er die Ehrenurkunde für den 60 Jahre langen Dienst als Kirchenmusiker.
Doch es ist nicht nur das reine Musizieren, das Helmut Michalek begeistert. 1974 beginnt er seine berufliche Laufbahn als Lehrer. Er unterrichtet Instrumentalunterricht am Ignaz-Günther-Gymnasium und Musikerziehung am Gymnasium in Bad Aibling. Zu seinen Schülern zählen die Dirigenten Felix Spring und Frank Obermaier. Berufsbegleitend studiert er außerdem Philosophie, Psychologie, Musikerziehung und Pädagogik an der Universität Innsbruck. Dort lernt er Klavier und Violine, Kontrabass und Cello. Vollgepackte Jahre, in denen er sich trotz allem immer Zeit für seine Frau Marianne und die beiden Kinder Markus und Susanne nimmt. „Die Familie war ihm unheimlich wichtig“, sagt seine Frau. Sohn Markus fügt hinzu: „Er hat immer Verständnis für jeden Irrweg gehabt.“
Schlaganfall im Nachmittagsunterricht
Es ist ein erfülltes Leben. Voller Glück, aber auch mit viel Leid. „Ein Lebenskonzert, das seinesgleichen sucht“, wie es Markus Michalek in seiner Trauerrede treffender nicht hätte ausdrücken können. Mit 66 Jahren erleidet Helmut Michalek im Nachmittagsunterricht einen Schlaganfall. Damit zerplatzt der Traum von der angestrebten Dissertation für den Doktorgrad der Philosophie, die er im Ruhestand angehen wollte. Gesundheitlich fortan angeschlagen habe er mit demselben Willen weitergekämpft, mit dem er sich in seiner Kindheit und Jugend nicht unterkriegen hat lassen. „Sein Spiel war nicht mehr, was es einmal war, aber er hat weitergekämpft“, sagt sein Sohn. Doch die Namen der Medikamente werden komplizierter und die Befunde beunruhigender. Schließlich folgt die Diagnose Parkinson. Eine Krankheit, die ihm die Fähigkeit nimmt, zu musizieren. Am 13. März stirbt er im Alter von 88 Jahren.
Das Requiem findet am Donnerstag, 18. März, um 8.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus statt. Anmeldung im Pfarrbüro Rosenheim unter Telefon 08031/210522. hei