Rosenheim – Ein bislang unbekannter Autofahrer hat den dreijährigen Kater Luca auf der Äußeren Münchener Straße angefahren und einfach liegengelassen. Zwar ist das Tier auf dem Weg der Besserung, die Empörung über das Geschehene aber bleibt.
So richtig fassen kann es Aleyna Tap (18) immer noch nicht. „Ich verstehe nicht, wie man einfach weiterfahren kann“, sagt die Besitzerin am Telefon. Noch genau erinnert sie sich an den Vorfall vor fünf Tagen. Sie habe ihren Kater – wie jeden Abend – um 19 Uhr rausgelassen. Als er auch zwei Stunden später noch nicht zurück war, habe sie begonnen, sich Sorgen zu machen. Um kurz vor Mitternacht erhält sie schließlich eine Nachricht von ihrer Nachbarin Ingeborg Dworaczek (65) mit einem Screenshot der Fundtier-Seite des Rosenheimer Tierschutzvereins.
Beckenfraktur
und eine Lähmung
Auf dem Bild zu sehen ist ihr Kater Luca. „Ich hab gleich gesehen, dass er in einem schlechten Zustand ist“, sagt Aleyna Tap. Sofort habe sie in sämtlichen Tierkliniken angerufen, wollte herausfinden, wo sich ihr Kater aufhält. Am nächsten Morgen habe sie einen Anruf von Dr. Katrin Plessmann von der gleichnamigen Tierarztpraxis in Bad Aibling erhalten. „Sie hat gesagt, dass Luca am Abend schwer verletzt bei ihr abgegeben wurde“, sagt Aleyna Tap. Von der Tierärztin erfährt die 18-Jährige, dass der Kater wohl gleich mehrere Male angefahren wurde. Sein Becken sei gebrochen, der hintere Teil des Körpers vorerst gelähmt. Hinzu kämen Verletzungen an der Leber.
Überlebt hat der dreijährige Kater trotzdem. Auch dank einer jungen Bad Aiblingerin und ihren beiden Freundinnen Maxie Demmel (22) und Caro Anhalt (22). „Wir haben den Vorfall beobachtet und sofort angehalten“, sagt Tamina Hahn (20). Sie habe das schwer verletzte Tier von der Straße geholt und auf den Gehsteig gelegt. „Wir waren noch nie in einer solchen Situation und wussten zuerst nicht, wen wir anrufen sollen“, sagt Hahn. Weil sie selbst Katzen hat und deshalb Tierärztin Katrin Plessmann in Bad Aibling kennt, habe sie es dort versucht. Mit Erfolg. „Solche Fälle kommen leider immer wieder vor“, sagt Katrin Plessmann. Ein- bis zweimal pro Woche habe sie es mit angefahrenen Katzen zu tun. Manche müssten operiert werden, bei anderen seien die Verletzungen so schlimm, dass jede Hilfe zu spät komme.
Kater Luca hatte mehr Glück. Eben auch weil Tamina Hahn und ihre beiden Freundinnen so schnell reagiert haben. Nachdem die drei Frauen das Tier in der Praxis abgeliefert haben, starten sie einen Aufruf in den sozialen Medien, um die Besitzerin zu finden.
Aufruf in
den sozialen Medien
Einen Aufruf, den eben auch Nachbarin Ingeborg Dworaczek gesehen und sofort weitergeleitet hat. „Es gibt doch noch Menschen mit Herz“, sagt die 65-Jährige, die Kater Luca an die Familie Tap vermittelt hat. Deswegen habe sie auch sofort gewusst, um wen es sich auf den Bildern handelt.
Mittlerweile befindet sich das Tier im Vet-Zentrum Rosenheim. „Weil seine Blutwerte so schlecht sind, konnte er bis jetzt noch nicht operiert werden“, sagt Aleyna Tap. Sie habe ihren Kater in den vergangenen Tagen immer wieder besucht, hatte sogar ihr Kaninchen dabei. „Die beiden sind enge Freunde“, sagt die 18-Jährige. Wann genau operiert werden kann, stehe im Moment noch nicht fest. Billig wird es jedenfalls nicht. „Ich rechne mit mindestens 2000 Euro“, sagt Aleyna Tap. Viel Geld für die junge Frau, die gerade eine Ausbildung zur Kinderpflegerin macht. Wie genau sie das Geld aufbringt, weiß sie im Moment noch nicht. „Eigentlich müsste der Autofahrer dafür aufkommen“, sagt sie. Doch die Chancen dafür sind gering. Zumal es laut Polizeihauptkommissar Robert Maurer keine Meldepflicht bei Unfällen mit Kleintieren gibt. Heißt: Wer eine Katze überfährt, muss die Polizei darüber nicht informieren. Es sei denn, das betroffene Tier wird zu einer Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer. „In den meisten Fällen rufen die Leute aber bei uns an“, sagt Robert Maurer. Ausnahmen gebe es trotzdem. Das zeigt eben auch das Beispiel von Aleyna Tap und ihrem Kater Luca.