Rosenheim – Die Schulen in Rosenheim sind zu, die jenseits des Inns, nur einen Steinwurf entfernt, am Schloßberg, haben offen. Für den Rosenheimer Verein „Initiative Familien“ ein klares Zeichen, dass die Regelung über die reinen Inzidenzzahlen nicht funktioniert. Sie fordert eine einheitliche Lösung für den Präsenzunterricht und baut auf das Konzept von regelmäßigen Schnelltests. Andernfalls wird, so die Befürchtung, die Belastung für Lehrer, Schüler und Eltern immer weiter steigen.
Distanzunterricht sorgt für Frust
„Wir sind seit rund einem Jahr an der Sache dran und nichts hat sich geändert“, klagt Sabine Kohwagner aus Rosenheim, eine der Initiatorinnen des Familienvereins. Als zweifache Mutter erfährt sie seit Beginn der Pandemie am eigenen Leib, wie sich die Beschränkungen auf die Kinder auswirken. Nachdem die Schüler in den Rosenheimer Grundschulen und den Abschlussklassen zumindest wechselweise wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren konnten, sind sie nun aufgrund eines Inzidenzwertes über 100 wieder zu Hause. Für Kohwagner eine „einfach nur frustrierende Situation.“
Bereits im Oktober entwickelte die Initiative daher einen Vorschlag, wie man eine dauerhafte Präsenz in den Schulen gewährleisten könnte. Mit zwei freiwilligen Schnelltests pro Woche, sollen Corona-Erkrankungen zügig erkannt werden, um eine Ansteckung einer gesamten Klasse zu vermeiden. Zusammen mit den gängigen Abstandsregeln und Maskenpflicht soll so auch bei hoher Inzidenz ein kontrollierter Unterricht möglich ein.
Für die Stadt Rosenheim wurden laut Pressesprecher Christian Schwalm 23000 Einzeltests angeliefert, die am Donnerstag, 11. März, an die Schulen verteilt wurden. Für Kohwagners regelmäßigen Testvorschlag wäre das allerdings zu wenig. Hinzu kommen außerdem die Ängste und Sorgen der Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollen. Wissenschaftliche Studien hätten jedoch gezeigt, dass die Inzidenzzahlen mithilfe von Schnelltests gesenkt werden können, selbst wenn ungetestete Kinder im Unterricht dabei sind.
Die Sorgen der Eltern kennt auch Martin Löwe aus Rosenheim, gleichzeitig Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbandes. Aus diesem Grund formulierte er einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo, in dem er die zahlreichen Fragen der Familien bündelte.
Laut Löwe nehmen die Eltern derzeit nur wenig zielführende Korrekturen an den Schulen war und wünschen sich daher eine dauerhafte Lösung.
So müssen auch die Schulen im Landkreis, die noch geöffnet sind, an eigenen Konzepten arbeiten, wie Florian Burggraf, Rektor der Otfried-Preußler-Grund- und Mittelschule in Stephanskirchen, verdeutlicht: „Natürlich sind wir froh, die Kinder wieder hier zu haben. Andererseits sind wir kaum darauf vorbereitet worden, was in der derzeitigen Lage auch Ängste bei allen Beteiligten hervorruft.“ Die Rückkehr in den Präsenzunterricht sei daher nach wie vor ein Tanz auf der Rasierklinge.
Rund fünf Kilometer entfernt, in der Happinger Grundschule, musste Schulleiterin Andrea Ostermann dagegen wieder auf die reine Notbetreuung zurückkehren. Sie findet es schade, dass die Zahlen so schnell gestiegen sind und man wieder auf Homeschooling umstellen musste. Zumal die Kinder die Vorgaben in der Schule mittlerweile weitestgehend verinnerlicht hätten und selbstständig auf Abstand und das Tragen der Maske achten würden.
Schnelltests sollen
die Lösung bringen
Einen ähnlichen Lernprozess erhofft sich Kohwagner auch beim Thema Schnelltests. „Meine Kinder können das bereits selbst, bevor sie zum Beispiel die Oma besuchen“, berichtet sie stolz. Mit der Unterstützung von zu Hause und den Lehrern wäre die Einführung von zwei Testungen pro Woche demnach auch kein großer Mehraufwand mehr. Die Rosenheimerin hofft daher sehr, dass der Vorschlag der Familieninitiative auch Gehör findet. Sie werde jedenfalls nicht aufgeben, für eine inzidenzunabhängige Öffnung der Schulen zu kämpfen.