Rosenheim – Ein Rosenheimer in Lansing: Schauspieler Florian Stadler hatte kürzlich Premiere in der Rolle des Investors Thomas Winkler in der BR-Serie „Dahoam is Dahoam“. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich mit dem Schauspieler zum Gespräch getroffen.
Handlung ist „mitten aus dem Leben“
Seit Dezember ist Stadler Teil des Teams der Kultserie im Bayerischen Fernsehen (BR). In dem frei erfundenen Dorf Lansing im fiktiven Landkreis Baierkofen entfaltet sich das Geschehen. „Mitten aus dem Leben“, so beschreibt Stadler die Handlung. Obwohl – aktuell ist die viermal pro Woche ausgestrahlte Soap vielleicht eher eine sichere Flucht aus dem Alltag.
Denn in der „Dahoam is Dahoam“-Welt gibt es keine Pandemie. Am Set dafür sehr wohl. Der Schauspieler stöhnt in Gedanken daran, wie kompliziert das Drehen geworden sei. Spielen mehrere Darsteller zusammen, so würde der Abstand von 1,5 Metern zwischen den Personen penibel mit einem Meterstab abgemessen.
Der 47-Jährige lässt sein Telenovela-Lächeln aufblitzen. Mit den grauen Strähnen im dunklen Haar und den Fältchen um die Augen ist er seiner bisher erfolgreichsten Rolle, dem Fitnesstrainer und Gigolo Nils Heinemann, entwachsen. Von 2008 bis 2018 spielte er diesen in der TV-Soap „Sturm der Liebe“ (SDL) – und eroberte die Frauenherzen nicht nur auf der Leinwand.
Ob er durch diese prägenden zehn Jahre in seinem Rollenprofil eingeengt sei? „Nein“, sagt Stadler, ganz loyaler Fanliebling. Seine Erfüllung finde er vor allem darin, Menschen mit seiner Arbeit Freude zu bereiten – ein hehres Ziel, das er mit SDL erreicht habe.
Vielleicht weil er eine so ruhige Ausstrahlung hat, vielleicht auch aufgrund der Vorprägung durch „Sturm der Liebe“, würden ihm vor allem Rollen mit freundlicher Natur zugeteilt. Selber finde Stadler auch Gefallen an Charakteren, die sich nicht sofort einordnen lassen. Dazu zähle unter anderem die Neuinterpretation des Griechen Jorgos in dem 1999 an der Münchner Schauburg aufgeführten Theaterstück „Katzelmacher“ von Rainer Werner Fassbinder.
Gerade erst hatte Stadler seinen Abschluss an der Schauspielschule gemacht und war festes Ensemblemitglied an der Münchner Schauburg geworden, schon durfte er in dem Stück die Hauptrolle übernehmen. Der bekannte Schauspieler Rolf Boysen – „der Rolf Boysen“ – unterstreicht Stadler, indem er seine Augen groß macht, habe ihm nach der Premiere über die Wange gestrichen und gesagt: „Das haben Sie gut gemacht.“
„Und dabei“, verrät Florian Stadler den OVB-Heimatzeitungen, „wollte ich eigentlich gar nicht Schauspieler werden.“ Eine Laufbahn als Jurist, das habe er als junger Mann angestrebt. Sein Glück auf der Bühne und vor der Kamera zu suchen, das sei eine „Spontanidee“ gewesen.
Die Aufnahme in der „Neuen Münchner Schauspielschule“ 1995 habe deshalb einen Wendepunkt in seinem Leben markiert. Eine neue Stadt, eine neue Welt – „ich habe damals alles in mich aufgesogen.“ Das Argument, dass seine beiden Karrierewünsche gar nicht so verschieden seien, da man sowohl als Verteidiger im Gerichtssaal, als auch als Darsteller auf der Bühne schauspielerisches Geschick beweisen müsse, will Stadler nicht gelten lassen. „Ich lüge ja nicht, wenn ich eine Rolle verkörpere“, meint er dazu.
Zu Gemeinsamkeiten zwischen seinem „Dahoam is Dahoam“-Charakter und seiner Person muss er dann doch überlegen. Ein Luxusressort und Skilifte besitze er jetzt nicht. Aber der Investor Thomas Winkler verfolge seine Ziele konsequent. „Und das“, sagt Stadler, „ist bei mir ähnlich“. Aktuell, so Stadler, sei das sein Leben in Rosenheim zusammen mit seiner Frau Martina, die er am 23. Dezember 2019 geheiratet hat. Hier genießt er in Nicht-Pandemie-Zeiten die Kaffeehauskultur und die kurze Anfahrt zu Sets, unter anderem auch bei seinen Gastauftritten bei den „Rosenheim Cops“.
So offensichtlich „dahoam“ Florian Stadler in seiner Wahlheimat ist, so exzessiv lebt er doch das Drama auf der Leinwand. „Ich liebe Dich“, dieser Satz habe zu den häufigsten Phrasen des Fitnesstrainers Nils Heinemann in der Telenovela „Sturm der Liebe“ gezählt. Auch in „Policie Modrava“, einer der momentan erfolgreichsten tschechischen Serien, in der Florian Stadler den wohlhabenden Besitzer einer Glasmanufaktur, Petr Gabriel, spielt, ist er in eine Romanze mit der Hauptkommissarin verwickelt.
Herzschmerz
und Verstrickungen
Und sicherlich wird er auch als Thomas Winkler in „Dahoam is Dahoam“ nicht an Herzschmerz und Verstrickungen vorbeikommen. Zwar gestehe er nicht pausenlos seine Liebe, wie es einst der „Sturm der Liebe“-Herzensbrecher Nils Heinemann tat. Passend zu der viel bodenständigeren Figur des Investors Winkler eröffnet er das unvermeidliche Drama gerne mit
dem Satz: „Des glab i gern,
aba…“