Lieber Panzer als Homosexuelle?

von Redaktion

Kirchenvertreter nehmen zum Thema „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ Stellung

Rosenheim – Enttäuschung. Dieses Wort sagt Rasso Schwab immer wieder über die Entscheidung der katholischen Glaubenskongregation, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden könnten. Rasso Schwab lebt mit seinem Mann seit 23 Jahren zusammen, sie sind standesamtlich verheiratet und von einem evangelischen Pfarrer getraut – obwohl beide eigentlich überzeugte Katholiken sind.

„Wir hätten lieber katholisch geheiratet“

„Wir hätten lieber katholisch geheiratet“, sagt Rasso Schwab. „Damit hätten wir unsere Verbundenheit zur Kirche gezeigt.“ Weil das nicht möglich war, haben sie sich von einem evangelischen Pfarrer trauen lassen. Ihm selbst ist sein katholischer Glauben wichtig. „Grundsätzlich hätten wir uns auch gerne segnen lassen und vor Gott gezeigt, dass wir uns lieben“, sagt Schwab.

Doch laut der katholischen Glaubenskongregation ist das nicht möglich. Die Antwort auf das sogenannte „Dubium“, die Frage ob die Kirche homosexuelle Paare segnen dürfe, ist kurz und eindeutig: Nein. Es sei nicht erlaubt, „Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe einschließen“. Das sei bei gleichgeschlechtlichen Paaren der Fall – sie entsprächen nicht dem göttlichen Schöpfungsplan.

Da homosexuelle Paare miteinander keine Kinder bekommen können, sieht sie die Glaubenskongregation als nicht gleichwertig zu heterosexuellen Paaren an. Als der Vatikan diese Antwort am 15. März veröffentlichte, verschärfte das die Diskussion rund um die katholische Sexualmoral – auch in Rosenheim.

„Ich bin ehrlich gesagt über diese Antwort ziemlich erschrocken“, sagt Hannelore Maurer. „Eigentlich sind wir in der theologischen Diskussion doch schon weiter. Homosexualität ist nichts sündhaftes, es sind einfach zwei Menschen, die sich lieben.“ Die Gemeindereferentin der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn hat als Seelsorgerin schon einige homosexuelle Paare kennengelernt und sie auch gesegnet.

Sie kann die Begründung der Glaubenskongregation nicht nachvollziehen. „Es geht hier ja nicht um die Ehe, sondern um eine Segnung. Und eigentlich segnen gar nicht wir Seelsorger, der Segen kommt von Gott.“ Auf Facebook hat sie deshalb öffentlich gepostet, weiterhin homosexuelle Paare segnen zu wollen – eine Entscheidung „aus tiefsten Herzen“, wie Hannelore Maurer sagt.

Die Liebe unter
Gottes Schutz stellen

Ähnlich sieht das ihr Kollege Yunes Baccouche. Der Gemeindereferent in Rosenheim kann die Entscheidung der Glaubenskongregation nicht verstehen. „Ich glaube, wenn ich einen Panzer segnen darf, entspricht der auch nicht dem göttlichen Schöpfungsplan.“ Auch er sagt für sich, dass er homosexuelle Paare weiterhin segnen würde. „Es ist das eine, das Sakrament der Ehe zu verweigern, aber warum soll ich nicht mit einem Segen die Liebe zweier Menschen unter Schutz stellen?“

Nach der Stellungnahme der Glaubenskongregation haben sich viele katholische Pfarrer und pastorale Mitarbeitende offen dazu bekannt, weiter homosexuelle Paare zu segnen. Gemeinsam mit ihrem Team haben Maurer und Baccouche eine Petition eines Würzburger Pfarrers unterschrieben, mit der sie sich an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing wenden. Sie wollen, dass homosexuelle Paare nicht von der Segnung ausgeschlossen werden.

Pfarrer Helmut Kraus, Dekan für das Inntal, ist anderer Meinung. Laut ihm wird mit dem Segen für ein homosexuelles Paar eine Ehe imitiert. „Jeder Mensch hat eine Würde, die geachtet werden muss. Dazu gehört auch die sexuelle Orientierung“, sagt Kraus. Im Gottesdienst würde auch jeder Mensch einen Segen bekommen. „Aber wenn es darum geht, eine Pseudo-Ehe zu schließen, hätte ich ein Problem damit. Denn die Weitergabe des Lebens geht nur bei Mann und Frau, deshalb ist diese Verbindung besonders.“

Kaum Anfragen
im Dekanat

Außerdem gäbe es ohnehin kaum Fälle, in denen homosexuelle Paare um den Segen bäten, sagt Kraus. Weitere katholische Geistliche in Rosenheim waren in der vergangenen Woche für ein Statement nicht zu erreichen.

Rasso und Jürgen Schwab fühlen sich durch die Unterstützung von Hannelore Maurer gestärkt. „Zum Glück gibt es auch diese Menschen in der Kirche. Das gibt uns Kraft“, sagt Rasso Schwab. Obwohl er zugibt, mit der Kirche zu hadern, will er nicht austreten. „Die Basis ist ja der Glaube, nicht die Kirche, wir versuchen, in der Kirche etwas zu bewegen.“

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