Rosenheim – Die Kurse an der Rosenheimer Volkshochschule (VHS) könnten ab dem Trimester-Beginn im Herbst 2021 teurer werden, damit unter anderem die Dozenten besser bezahlt werden können. Das hat die Leiterin Bianca Stein-Steffan in der jüngsten Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses bekannt gegeben. Eine endgültige Entscheidung fällt aber erst in zwei Wochen.
45 Euro für
fünf Termine
Helmut „Helli“ Resch (50) lebt für die Musik. Seit über zehn Jahren arbeitet er als Dozent an den Volkshochschulen in der Region, seit sieben Jahren unterrichtet er auch in Rosenheim. „Es gefällt mir sehr gut“, sagt er. Er bringt Teilnehmern erste Griffe an der Gitarre bei oder zeigt ihnen, wie man auf einer Ukulele spielt. Die Arbeit macht ihm so viel Spaß, dass er sogar seinen Job als Elektroniker gekündigt hat, den er 25 Jahre ausübte. Mittlerweile ist er selbstständiger Musiklehrer und arbeitet nebenbei als Dozent.
„Die Arbeit an der Volkshochschule sehe ich mehr als ein Ehrenamt“, sagt Resch. Auch weil „sich die Bezahlung mit Blick auf Anfahrt und Vorbereitung nicht rechnet“. Denn für fünf Termine an der Rosenheimer Volkshochschule, die jeweils anderthalb Stunden dauern, verdient er pro Teilnehmer gerade einmal 25 Euro. Zum Vergleich: Für 50 Minuten Einzelunterricht verlangt er als selbstständiger Musiklehrer zwischen 38 und 45 Euro.
Ein deutlicher Unterschied und für Bianca Stein-Steffan ein Grund, warum sie im Schul-, Kultur- und Sportausschuss eine zeitgemäßere Gebühren- und Honorarordnung vorgeschlagen hat. Nur so könne es beispielsweise gelingen, die Dozenten an ihr Haus zu binden. „Für uns als Volkshochschule ist es existenzwichtig, dass wir unsere Stammdozenten halten können“, sagt sie. Auch weil die Volkshochschule mit dem Katholischen Bildungswerk, der Technischen Hochschule und der Berlitz Sprachschule konkurriere.
An einem höheren Honorarsatz scheint auch deshalb kein Weg vorbeizuführen, weil sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für eine Erhöhung des Stundensatzes für die Integrationskurse von 35 auf 41 Euro eingesetzt hat. „Das führt zu einer noch größeren Schere in der aktuellen Honoraranordnung und ist kaum erklärbar“, sagt Bianca Stein-Steffan.
Sie hofft, dass es mit der Erhöhung auch gelingt, „den Pool an Lehrpersonal wieder aufzufüllen“. Ziel solle sein, die Gebühren „moderat zu erhöhen“. Das sei auch deshalb wichtig, weil die Volkshochschule seit Beginn der Corona-Krise stark gebeutelt ist. „Seit November ist die Volkshochschule geschlossen. Das sind extreme Verluste“, sagt Bianca Stein-Steffan.
Minigruppenpreis
könnte bald neu sein
Doch nicht nur bei den Gebühren und Honoraren könnte sich in Zukunft etwas ändern. So soll ab Herbst eine neue „Teilnehmerdecke“ eingezogen werden. „Bisher lag die Untergrenze bei den Teilnehmenden bei fünf Personen“, sagt die Leiterin. Zukünftig sollen auch Kurse mit vier Personen möglich sein. Dafür soll, so der Plan, ein sogenannter Minigruppenpreis eingeführt werden. Die Hoffnung ist, dass dadurch ein Teil des Verwaltungsaufwands reduziert wird. Denn in der Vergangenheit hätten immer wieder Preisnachverhandlungen stattfinden müssen, wenn der Kurs unter die Fünf-Personengrenze gefallen ist. „Zusätzlich erleichtert diese neue Preisgruppe die Wiederaufnahme des regulären Kursbetriebs nach Corona.“
Zustimmung
im Ausschuss
Ob es letztendlich zu höhren Kursgebühren und Honoraren kommt, wird sich in der Sitzung des Stadtrates am 28. April entscheiden. Die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Sportausschusses befürworteten den Vorschlag aber bereits einstimmig. „Es ist nachvollziehbar und plausibel“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU). Die Anhebung sei moderat für das, was geleistet werde, ergänzte Judith Kley-Stephan (Grüne).