Rosenheim – Ein verletzter Hirsch, mit Graffiti besprühte Dienstfahrzeuge und ein Ehestreit wegen einer Königspython: Die Rosenheimer Polizei hat in den vergangenen Monaten nicht nur coronabedingt alle Hände voll zu tun gehabt. Auch zu einigen kuriosen Fällen mussten die Beamten ausrücken. Ein Überblick.
Mit dem Luftgewehr in den Po geschossen
In seiner fast 20-jährigen Laufbahn bei der Polizei hat Hauptkommissar Robert Maurer schon Etliches erlebt, aber ein Einsatz im Oktober 2020 hat auch ihn kurz stutzen lassen. Schon seit Jahren habe es einen Streit zwischen einer 43-jährigen Rosenheimerin und ihrem 60-jährigen Nachbarn gegeben. „Im Oktober ist er dann eskaliert“, erinnert sich Maurer. Zunächst hätten sich die beiden nur beschimpft. Doch plötzlich habe der Mann sein Luftgewehr auf seine Nachbarin gerichtet, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit Gartenarbeit beschäftigt hat. „Er hat ihr ins Gesäß geschossen“, sagt Maurer. Seine Kollegen seien sofort ausgerückt und hätten den betrunkenen Mann festgenommen. Später wird im Polizeibericht stehen, dass gegen den 60-Jährigen wegen mehrerer begangener Straftaten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.
Ebenfalls kurios war ein Einsatz, der auch in den sozialen Medien für Aufregung gesorgt hatte. Im September ist es in der Prinzregentenstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Ehepaar gekommen. Ein Rosenheimer (45) würgte dabei seine 51-jährige Ehefrau. Sie wiederum schlug ihm eine Bierflasche auf den Kopf.
Danach erreichte der Streit dann wohl seinen Höhepunkt, als die Frau die zwei Meter lange Würgeschlange ihres Ehemannes aus dem Fenster warf. „Die Schlange verschwand über das Dach und blieb verschwunden“, erinnert sich Hauptkommissar Robert Maurer. Später habe die Rosenheimer Feuerwehr die Königsphyton in der Dachrinne ausfindig machen können. Die Polizei hat sowohl gegen die Frau als auch gegen den Mann ein Strafverfahren eingeleitet. Zudem musste das Paar die Kosten des Feuerwehreinsatzes tragen.
Nicht mit einer Schlange dafür aber mit einem Hirsch hatten es die Polizisten im Frühjahr 2020 zu tun. „Mehrere Anrufer haben sich bei uns gemeldet und gesagt, dass sich in der Innstraße ein verletzter Hirsch aufhalten soll“, sagt Maurer. Vor Ort hätte von dem Tier zunächst jede Spur gefehlt. Nach 30 Minuten erhielten die Polizisten einen weiteren Hinweis. Der Anrufer habe den Hirsch auf der Mangfallbrücke gesehen. Die Polizisten informierten einen Jagdpächter und trieben das leicht verletzte Tier in den Innenhof einer nahegelegenen Schule, wo es schließlich eingefangen werden konnte. Der Hirsch wurde behandelt und kurze Zeit später wieder ausgesetzt. „Für alle Beteiligten hat dieser nicht ganz alltägliche Einsatz ein gutes Ende genommen“, sagt Maurer.
Einige Monate später mussten die Beamten erneut zu einem „tierischen Einsatz“ ausrücken. Im August entschied sich eine Schwanen-Mutter dafür, mit ihren insgesamt sieben Küken einen Ausflug in die Endorfer Au zu unternehmen. „Der Ausflug war ziemlich entspannt, deswegen ist es in der Tannenbergstraße zu einem kleinen Stau gekommen“, sagt der Hauptkommissar mit einem Schmunzeln. Nachdem die Großfamilie unbeschadet die Straße passiert habe, hätten alle Zuschauer ihren Weg fortsetzen können.
Für kurze Aufregung hatte eine vermeintliche Entführung im Dezember in Happing gesorgt. Ein Mann hatte seiner Freundin die Augen verbunden und fuhr mit ihr, in bester Absicht, zu einem nahegelegenen Waldstück. Dort wollte er ihr seine Liebe gestehen und um ihre Hand anhalten. Währenddessen hatten Zeugen bereits die Polizei informiert und eine Geiselnahme gemeldet. Die Beamten vergewisserten sich vor Ort, dass es sich um kein Gewaltverbrechen handelte, und wünschten dem Paar viel Glück für die Zukunft.
10000 Euro Sachschaden
Ein nicht ganz so erfreulicher Einsatz ereignete sich einige Monate zuvor in der Klepperstraße. „Wir haben zwei Jugendliche (17 und 18) dabei erwischt, wie sie eine Wand vollgesprayt haben“, erinnert sich Robert Maurer. Doch damit nicht genug. Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass die Männer auch zwei dort abgestellte Polizeifahrzeuge besprüht hatten. Dadurch sei ein Schaden von rund 10000 Euro entstanden.
Es ist nur ein kleiner Einblick in die Einsätze, mit denen sich die Rosenheimer Polizei in den vergangenen Monaten beschäftigt hat. Eines ist jedenfalls sicher: Langweilig wird es Robert Maurer auch nach 20 Jahren bei der Polizei nicht.