Samuel Zajac (7) wartet zu Hause darauf, dass seine Online- Taekwondo-Prüfung beginnt. Foto privat
Rosenheim – Dass Samuel Zajac (7) einen handfesten Schlag besitzt, hat er erst neulich bewiesen. Dieser hat ihm seinen nächsten Taekwondo-Gürtel eingebracht, in der Farbe Orange. Fehlt nur noch der grüne Gürtel, dann ist Samuel sozusagen Meister. In der Tiger-Kids-Gruppe jedenfalls, die der Siebenjährige aus Stephanskirchen in der KwonRo-Sportschule in Rosenheim besucht.
Als Vierjähriger mit
Taekwondo begonnen
Seit vier Jahren macht er Taekwondo, jetzt hat er erneut eine Prüfung erfolgreich bestanden. Dieses Mal war alles ein bisschen anders als sonst, aber mindestens genauso aufregend. Denn am großen Tag stand er nicht in der Sportschule, sondern in seinem Wohnzimmer, neben ihm seine Mama Nicola und vor ihnen ein Tablet mit eingeschalteter Videokamera. Wegen des Lockdowns müssen auch die Taekwondo-Prüfungen online stattfinden. Samuel stört das kaum. Er kann schließlich auch zu Hause für den sogenannten Bruchtest ein Brett mit der Handkante zerschlagen. Tut das nicht weh? „Nein, wenn man die Technik richtig macht, dann nicht“, erklärt er fachmännisch. Dass er stolz ist, hört man auch durch die Telefonleitung. Mama Nicola Zajac hat das Brett für die Übung gehalten. Sie hat es mit der Post bekommen, so wie alle anderen Eltern der „Tiger Kids“ auch. Verschickt haben die Bretter Stefan Roitner, Leiter der KwonRo-Sportschule, und seine Mitarbeiter. „Wir wollen die Eltern einbinden“, sagt er.
Für ihn und sein Team ist der Corona-Ausnahmezustand längst zur Normalität geworden. Die Räume seines Studios sind nicht mehr voller Kindern in KwonRo-T-Shirts, so wie in den Sommermonaten, als der Oktober-Lockdown noch weit entfernt war. Damals haben die jungen Sportler noch vor Ort auf Schlagpolstern Gleichgewichtsübungen absolvieren oder geprobt, wie man sich gegenüber Fremden verhält. „Auf alle Fälle immer siezen“, rät Roitner.
In dieser Zeiten hätten sie 100 neue Mitglieder dazugewonnen, sagt er. Jetzt kündigten viele – ein Problem, das in Sportvereinen deutschlandweit bekannt ist. „Die Open-End-Verlängerung des Lockdowns ist frustrierend“, sagt Roitner. „Wir können den Leuten nicht genau sagen, wie es weitergeht, weil wir es selbst nicht wissen.“
60 Prozent der Kinder trainierten jedoch weiter – online eben. Dabei müssten die Mamas und Papas für den „Packgriff“ beim Selbstverteidigungsprogramm herhalten, nicht wie sonst die Trainer in der Sportschule. Die Eltern greifen laut Roitner die Kinder an den Schultern und diese sollen sich schreiend daraus befreien – damit sie im Ernstfall wissen, wie man sich verhält. Auch das Trainieren des Gleichgewichtssinns geht im Wohn- oder Kinderzimmer.
Dass das Training weiterhin möglich ist, findet er wichtig. „Kinder brauchen gesunde Bewegung“, sagt er. Deswegen könnten Mädchen und Jungen, die jetzt mit Kampfsport beginnen wollen, auch Online-Mitglied werden. Oder per Videokonferenz das Training ausprobieren – gemeinsam mit Samuel Zajac zum Beispiel. Er wird weiterhin daheim an seinen Taekwondo-Künsten arbeiten. So lange, bis er seine Bretter wieder in der Sportschule zerbrechen kann.