Rosenheim – „Wir“ ist das Wort, mit dem Hans Schussmann seine Sätze in der Regel einleitet. Zumindest dann, wenn er über den Aicherpark spricht. Die Entwicklung des Geländes sieht der gebürtige Münchner als Gemeinschaftsleistung. Einer allein schafft das gar nicht. Als Projektmanager der Interessengemeinschaft Aicherpark hat der 75-Jährige die Geschichte des Gewerbegebiets maßgeblich mitgestaltet. Am Samstag nahm er seinen Abschied.
Von München
nach Rosenheim
In den 80ern zog Schussmann mit seiner Familie von München nach Rosenheim, mit zwei Töchtern, einem Sohn und einer Rosenheimerin – seiner Frau. Er war 58, als es ihn 2004 in die Selbstständigkeit zog. Seine beruflichen Stationen zuvor reichen von der Handwerkskammer in seiner Heimatstadt München bis zur Hypovereinsbank, bei der er 17 Jahre als Projektentwickler im Immobilienbereich arbeitete. Bei der Handwerkskammer betreute er den Bereich Bau- und Kommunalpolitik. 2004 löste die Hypovereinsbank seine Abteilung auf. „Damals gab es nur die Möglichkeit, in Altersteilzeit zu gehen oder etwas Neues zu machen.“ Schussmann entschied sich für etwas Neues und arbeitet seither als sein eigener Chef. Dabei seien ihm seine alten Kontakte zupassgekommen. Er entwickelte das Campusgelände von Hugo Boss in Metzingen, bevor er sich dem Rosenheimer Aicherpark widmete. 2006 heuerte er als Projektmanager an und hat das Gelände seitdem geprägt.
„Das heutige Erscheinungsbild des Aicherparks trägt ganz wesentlich seine Handschrift“, findet Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl: „Wann immer im Aicherpark infrastrukturell, organisatorisch oder vom Unternehmensbesatz her etwas zu klären oder zu verbessern war, stand Hans Schussmann bereit.“ Bequem gewesen sei er bei seiner Arbeit nie. „Hat ihm etwas nicht gepasst, konnte der ansonsten immer verbindliche und konziliante Gesprächspartner sehr direkt, hartnäckig und fordernd werden.“ Aber auch bei Konflikten habe er am Ende immer den vernünftigen Konsens gesucht, findet Bugl.
Unterwegs in dem rund sechs Hektar großen Aicherpark zeigt Schussmann, wie sich das Areal entwickelt hat, seit er 2006 als Projektmanager anheuerte. Die jüngsten Zugänge dort: das Sportgeschäft Decathlon, das Kletterzentrum Stuntwerk und ein neurologisch-therapeutisches Fachzentrum (wir berichteten).
Die Corona-Pandemie verhinderte jedoch, dass die meisten der drei Neuen richtig durchstarten konnten. Auch die übrigen Anlieger im Aicherpark traf die Krise mehr oder weniger hart. „Wir sind sehr geräuscharm durch die Pandemiezeit gegangen“, sagt Schussmann. Vielleicht auch, weil im Aicherpark viele Lebensmittelgeschäfte vertreten sind. Den „Bauch von Rosenheim“ nennt er das Gewerbegebiet. Und diese Struktur habe dem Aicherpark natürlich gutgetan. Ebenso die eigens ausgearbeiteten Konzepte der Händler, um ihre Kunden trotz Kontaktbeschränkungen bedienen zu können.
Zwischen Media Markt und einem Matratzengeschäft deutet Schussmann auf ein Kleinod, wie er es nennt. Das Haus war einst die Kantine der Aicher Sägewerke, heute beherbergt es ein Trachtengeschäft. Dabei geht es dem Projektmanager weniger um die Trachten, als um das Gebäude selbst. Und um sein Innenleben. Alles wie einst: Die alten Kronleuchter hingen noch genauso wie die Wandgemälde aus jener Zeit, als die Aicher-Mitarbeiter dort zu Mittag aßen. „Eine Riesenstimmung für Trachten“, findet Schussmann.
Nie in Konkurrenz
zur Innenstadt
An der Ecke des Obi-Marktes nimmt Schussmann auf einem Thron Platz. Die Plastik mit rostfarbener Patina hat der Künstler Klaus Edelmann aus Schrott zusammengeschweißt. Und sie ist Teil der Kunstmeile im Aicherpark. Die Exponate entlang der Strecke sind Schussmann genauso wichtig wie das Grün der Bäume auf dem Gelände. Doch manchmal sind es schlicht praktische Dinge, auf die er ein Augenmerk legt: die Verbindungswege zwischen den Parkflächen zum Beispiel. „Rosenheim ist eine Einkaufsstadt“, betont er immer wieder. Dabei will und wollte er mit dem Aicherpark nie in Konkurrenz zur Innenstadt stehen, sondern diese ergänzen. Vielleicht kommt ihm auch deswegen das Wörtchen „Wir“ so oft über die Lippen, wenn er von Rosenheim spricht.