Ein Magnetfaktor für die Stadt

von Redaktion

Diskussion im Gremium über eine mögliche Erweiterung des Grünen Marktes

Rosenheim – Frisches Obst und Gemüse, Käse, Fleisch, Honig und Fischspezialitäten: Der Grüne Markt gehört zu den Attraktionen der Stadt. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates haben die Politiker darüber diskutiert, ob eine Ausweitung auf die Flächen vor der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus sinnvoll wäre. Ein Vorschlag, den es bereits in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat.

Immer mehr setzen
auf Regionalität

Bei Hubert Lohberger laufen die Fäden zusammen. Seit 20 Jahren ist der Metzgermeister der Vorsitzende des Fördervereins Markt am Ludwigsplatz. Er kümmert sich um die Belegung des Grünen Marktes, beantwortet die Anfragen von Fieranten und versucht, das Marktgeschehen für die Besucher so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Doch die Corona-Krise hat auch seine Arbeit erschwert. Veranstaltungen mussten abgesagt und Hygieneregeln eingeführt werden. Davon unterkriegen ließen sich Lohberger und seine Fieranten nicht. Auch weil viele Rosenheimer seit dem Beginn der Pandemie vermehrt zu regionalen Produkten greifen. „Der Markt ist sehr gut frequentiert“, sagt Lohberger.

Um das Angebot in Zukunft noch attraktiver zu gestalten, träumt er von einem Wochenmarkt mit „einem Angebot für alle“. Auch eine Erweiterung, wie sie in der jüngsten Sitzung des Stadtrates diskutiert wurde, sei vorstellbar. Dass sich der Platz vor der St.-Nikolaus- Kirche eignet, hätte sich bereits in der Vergangenheit gezeigt, als die Fieranten aufgrund des Stadtfestes umziehen mussten. „Es ist ein attraktiver Platz, der zentral und gut einsehbar ist“, sagt Lohberger.

Doch eine Ausweitung sei auch mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden. Man brauche eine Infrastruktur, Wasser- und Strom- anschlüsse. Auch ein „gewisser Wetterschutz“ wäre wünschenswert. Zudem müssten sich die Verantwortlichen darüber Gedanken machen, was angeboten werden soll. Er selbst wolle am Charakter eines klassischen Marktes festhalten, habe kein Interesse daran, dass Streetfood-Trucks neben regionalen Obst- und Gemüseverkäufern stehen.

Vor einigen Jahren hatte sich Lohberger bereits für die Erweiterung des Marktes eingesetzt, damals ohne Erfolg. Jetzt aber scheinen auch die Politiker an Bord zu sein. Während der Sitzung des Stadtrates wurde der Vorschlag, den Grünen Markt zu erweitern, fraktionsübergreifend befürwortet.

So könnte sich beispielsweise Stadtrat Daniel Artmann (CSU) vorstellen, dass einmal in der Woche ein großer Markttag angeboten wird, sowohl am Grünen Markt als auch am Gerinne. Ziel müsse sein, ein „attraktives Angebot zu schaffen“, das auch die Besucher aus dem Umland anlockt. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP Robert Multrus merkte noch einmal an, dass man auch „Rückzugsorte ohne Action“ brauche und nicht alles mit Aktionen belegen könne“. Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, widersprach, ein Wochenmarkt bringe kein „Action“ mit sich. Für ihn sei ein Markt eine „Ruheoase, durch die man durchschlendern kann und die die Aufenthaltsqualität erhöht“.

Natürliche
Aufenthaltsqualität

Eine ähnliche Meinung vertritt Sabrina Obermoser vom City-Management: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Grüne Markt erweitert wird.“ Einerseits werde damit der „nachhaltige Gedanke verstärkt gelebt“, andererseits seien Märkte auch „ein Frequenzbringer, die der Stadt guttun“. Obermoser habe bereits in diversen Sitzungen den „Stellenwert des Marktes unterstrichen“ und um eine „Erweiterung und Professionalisierung“ gebeten. Wichtig sei, dass das Angebot der Fieranten zwar saisonal abweicht, „aber der Kunde verlässlich seine Anbieter vorfindet“. Ihrer Meinung nach würde sich die Fläche vor der St.-Nikolaus-Kirche für eine Erweiterung „bestens anbieten“, da durch die örtlichen Gegebenheiten „ohnehin schon eine natürliche Aufenthaltsqualität vorhanden ist“. Ob der Grüne Markt erweitert werden kann, will die Stadtverwaltung jetzt prüfen.

Vorerst keine Sperrung des Ludwigsplatzes

Anlass für die Diskussion über eine Erweiterung des Grünen Marktes war ein gemeinsamer Antrag von SPD und „Die Partei“. Darin hatten sie die Sperrung des gesamten Ludwigsplatzes sowie der Weinstraße für den Autoverkehr gefordert. Das Ganze testweise von Freitagnachmittag bis Samstag und für den Zeitraum April bis Oktober 2021 und 2022. Der gesamte öffentliche Raum sollte für Handelsstände, Künstler und Musiker zur Verfügung gestellt werden. Laut Verwaltung würde die beantragte temporäre Sperrung dazu führen, dass die Verkehrsanbindung über den Ludwigsplatz „vom motorisierten Verkehr nicht mehr genutzt werden könnte“. Gleiches gelte für die sich dort befindenden Parkmöglichkeiten. Auch die Polizei steht dem Antrag kritisch gegenüber. Sie verweist darauf, dass es am Freitagnachmittag und am Samstag ein erhöhtes Einsatzaufkommen für Polizei und Rettungsdienst gebe. Eine Verkehrssperrung und ein dadurch notwendiges Umfahren des Ludwigsplatzes würden zu „unnötigen Verzögerungen beim Eintreffen am Einsatzort führen“. Auch würde die direkte und somit schnellste Zufahrt zum Romed-Klinikum für Rettungswagen aus Fahrtrichtung Süden verhindert. Eine Sperrung der Durchfahrt Ludwigsplatz würde unter anderem auch zu einer höheren Verkehrsbelastung führen, beispielsweise in der Ellmaierstraße. Das wiederum hätte laut Verwaltung Probleme in der Verkehrsabwicklung an der Einmündung Pettenkoferstraße zur Folge. Die Feuerwehr gibt außerdem zu bedenken, dass die Altstadtbebauung im Bereich des Ludwigsplatzes „eng und mit erheblichen Anforderungen an den vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutz versehen ist“. Eine durchgehende Befahrung der Abschnitte sei deshalb „unbedingt notwendig“.

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