Leserforum

Neubau in der Küpferlingstraße – Baukultur ade!

von Redaktion

Zum Bericht „In die Höhe statt in die Breite“ (Lokalteil):

An der Kreuzung zur Hubertusstraße sollen zwei lang vernachlässigte Gebäude durch einen Neubau ersetzt werden. Sicher, die Gebäude sind in die Jahre gekommen und die Wohnungen nicht mehr zeitgemäß. Aber die Altbauten selbst sind – oder waren – Teil der charakteristischen genossenschaftlichen Siedlungstätigkeit der 1920er-Jahre zur Behebung der Wohnungsnot. In den vergangenen Jahren wurden auch mehrmals Teile dieser Siedlung abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Dabei wurde aber immer die Charakteristik des Straßenraums und der Gesamtanlage in der Gestaltung berücksichtigt. Es entstand dabei auch mehr Wohnraum. Nun soll aber an der Kreuzung ein unmaßstäblicher und nur auf sich bezogener Entwurf aufgeführt werden, laut schreiend „Ich, Ich und nur Ich!“ Ein modernistischer „Allerorts-Klotz“, wie er vielleicht in Neubaugebiete und die Großstadt passt. In der Küpferlingstraße nimmt er keinerlei Rücksicht und Bezug auf den Ort, den Genius Loci, wie es so schön in der Architekturtheorie heißt. Höher und dichter als der Vorgänger soll er werden. Mit dem Wohnungsmangel als Argument lässt er alle Baukultur fallen, ein wohlfeiles Argument für den Investor mehr zu bauen. Was hat das mit bezahlbarem Wohnraum zu tun? Verdichtung um jeden Preis zulasten des gewachsenen Umfelds? Der Klotz passt zu den Neubauten der letzten Jahre, siehe beispielsweise am Wiesentor, in der Heilig-Geist-Straße und dem Hochhaus in der Bahnhofstraße, wo nur der Baugrund Schlimmeres verhindert hat. Der Klotz ist ein Stilbruch, beschämend für unser Stadtbild und die Identität des Quartiers. Unsere Stadt hat Besseres und Rücksichtsvolleres verdient. Aber es gibt es ja den Stadtkalender „ Bilder aus Alt-Rosenheim“ mit den Idyllen der Vergangenheit!

Rainer Heinz

Rosenheim

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