Rosenheim – Der Ausbau der Mangfallstraße sorgt auch weiterhin für Diskussionen. Jetzt scheint eine Kompromisslösung gefunden. Doch Kritik gibt es auch weiterhin. Und zwar nicht an der Stadt, sondern an der Regierung von Oberbayern – der zuständigen Aufsichts- und Förderbehörde.
Seit zehn Jahren
ein Dauerthema
Seit zehn Jahren sitzt Franz Opperer im Verkehrsausschuss, mindestens genauso lange beschäftigt sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen mit dem Ausbau der Mangfallstraße. Er war es auch, der in einer Sitzung des Stadtrates auf die Entwurfsplanung aufmerksam gemacht hatte, der man entnehmen kann, dass ein Teil des Gehwegs im Bereich der Agilofingerstraße gerade einmal eine Breite von 70 Zentimetern hat. Eine Verbreiterung war – wie berichtet – nicht möglich, weil die Grundeigentümer eine Abtretung von Flächen von temporeduzierenden baulichen Maßnahmen abhängig machten.
Nach der Sitzung des Stadtrates hatte die Verwaltung Kontakt mit der Regierung von Oberbayern aufgenommen, um die Situation zu besprechen. Die Regierung habe darauf hingewiesen, dass „Bereiche, die keinen barrierefreien Abschnitt bilden, als nicht zuwendungsfähig“ gesehen werden. Um die Förderung in Höhe von knapp einer Million Euro nicht zu verlieren, musste die Stadt also nachjustieren.
Die neuen Planungen sehen in dem Abschnitt zwischen Tassilostraße und Blumenweg jetzt einen einseitigen Gehweg mit einer Breite von 1,80 Metern auf der Ostseite vor. „Das konnte durch eine Umplanung mit Fahrbahnverschiebung auf die Westseite erzielt werden“, teilt die Verwaltung mit. Außerdem habe man „zur Sicherstellung der sicheren und barrierefreien Fußgängerführung“ bei der Regierung von Oberbayern zwei Fußgängerüberwege vorgeschlagen. Angeregt worden sei außerdem, dass die beiden Überwege mit Plateaus angelegt werden, „um die Verkehrssicherheit für mobilitätseingeschränkte Personen zu unterstreichen.“
Es ist ein Vorschlag, dem auch die Anwohner der Mangfallstraße einiges hätten abgewinnen können. Denn die Plateaus würden Autofahrer zwingen, langsamer zu fahren – Temposchwellen durch die Hintertür gewissermaßen. Eine Einigung zwischen Stadt und Anwohnern war quasi zum Greifen nah. Doch die Regierung von Oberbayern machte diese Hoffnungen zunichte. Zwar stimmte sie den Fußgängerüberwegen zu – allerdings ohne Plateaus. „Die Realisierung von Fußgängerüberwegen mit Plateaus wäre förderschädlich“, bestätigt Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. Nicht notwendige verkehrsberuhigende Maßnahmen würden der Funktion der Mangfallstraße als Hauptverkehrsstraße mit gleichzeitigem Linienbusverkehr nicht entsprechen, so Rupp weiter.
Eine Aussage, für die auch in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses nicht alle Verständnis hatten. „Ich verstehe, dass man für drei Plateaus nicht auf eine Million Euro verzichten will“, sagte beispielsweise Franz Opperer. Trotzdem stelle sich für ihn die Frage „nach welchen Kriterien die Förderbehörde agiert“. Dass die Forderungen der Anwohner nicht umgesetzt werden können, liege nicht am „Willen der Verwaltung“, sondern scheitere an der Regierung von Oberbayern.
Oberbürgermeister Andreas März (CSU) sprach dennoch von einer „deutlichen Verbesserung“. Daniel Artmann (CSU) erinnerte sowohl an die Tempo-30-Regelung als auch die Tonnagen-Beschränkung – Regelungen, die bereits heute in der Mangfallstraße gelten. Er schlug vor, einen elektronischen Zeigefinger aufzustellen, um die Autofahrer auf Geschwindigkeitsübertretungen aufmerksam zu machen. Herbert Hoch, Dezernent für Recht, Sicherheit und Ordnung, regte an, „die temporäre Verkehrsüberwachung deutlich zu verstärken“. Laut Robert Metzger (SPD) würde das nur Sinn machen, wenn ein Blitzer an mehr als drei Tagen im Monat an der Mangfallstraße stehen würde. Ansonsten wäre es „kein signifikanter Ersatz für Plateaus.“
Mehrheit stimmt für die neuen Planungen
Und auch die Anwohner haben für die Vorschläge nur wenig übrig. „Das sind Alibi-Maßnahmen zur Kompensation. Wünschenswert wäre eine verbindliche Festlegung zur Sicherstellung von Tempo 30“, meint Anwohner Mattias Roser. Stadträte und Verwaltung hätten sich zwar bemüht, trotzdem solle nun eine „gefährliche und nicht zufriedenstellende Lösung gebaut werden.“ Mit 8:2 Stimmen haben die Stadträte den überarbeiteten Planungen zugestimmt. Zudem sollen ein Zeigefinger aufgestellt und die Verkehrsüberwachung intensiviert werden.