Aus Biomüll wird Blumenerde

von Redaktion

„Rosenheimer Erdenwerk“ macht aus dem Inhalt der Biotonne wertvollen Rohstoff

Rosenheim/Eiselfing – Für Michael Maier ist Biomüll ein Rohstoff mit Zukunft. Denn er stellt Erden her – also das Material das jeder Gärtner, egal ob Hobby- oder Großgärtnerei braucht. Und er weiß: Torf als Bestandteil dieser Erden ist ein Auslaufprodukt: Ab 2030 dürfen Erden für den nichtgewerblichen Bereich keinen Torf mehr enthalten, für Großgärtnereien ist der Anteil auf 50 Prozent beschränkt. Und einer der Rohstoffe aus dem Mix, mit dem man den natürlichen Torf in den Erden ersetzen kann, ist eben Kompost aus Biomüll.

Fakten sammeln
vor Entscheidung

Dies ist der Grund, warum sich in der vergangenen Woche der Arbeitskreis Umwelt der Rosenheimer Grünen – natürlich mit dem Fahrrad – auf den Weg zum „Rosenheimer Erdenwerk“ in Eiselfing machte. Im Juli soll im Stadtrat darüber entschieden werden, ob Rosenheim eine Biomülltonne einführen wird, und der Arbeitskreis möchte die grüne Stadtratsfraktion bis dahin mit möglichst vielen Fakten zum Thema versorgen. Über die Erfahrungen, die andere Städte mit der Einführung der Tonne gemacht haben, hatte man sich schon informiert, war dazu in Wasserburg gewesen (wir berichteten). Jetzt dreht es sich um die Frage: Wie geht es eigentlich weiter, wenn der Biomüll erst mal gesammelt ist?

Um es kurz zu machen: Im Rosenheimer Erdenwerk wird der Biomüll über mehrere Verarbeitungsschritte hinweg zu Kompost, entwickelt bei diesem Prozess Gase, vor allem Methan, das zwei Motoren antreibt, die Strom und Wärme liefern. Beides wird zum Teil im Werk selbst verbraucht, die Wärme komplett, nicht nur zum Heizen aller Gebäude und Hallen, sondern auch für den Kompostierprozess. Vom erzeugten Strom hingegen wird ein Großteil ins öffentliche Netz eingespeist. Für den Arbeitskreis Umwelt also eine ideale Verwertungskette: Das was bislang als Abfall einfach verbrannt wurde, wird zu einem neuen Rohstoff und liefert dabei noch Energie. Anbieten würde sich das Rosenheimer Erdenwerk in Eiselfing auch durch die relativ kurzen Transportwege. Die Frage aber: Wäre man dort in der Lage, auch den Biomüll aus der Stadt Rosenheim zu verarbeiten?

Die Antwort von Michael Maier fällt grundsätzlich positiv aus. Die rund 16000 Tonnen Biomüll, die er derzeit jährlich von den Landkreisen Berchtesgadener Land, Rottal-Inn, Dingolfing und der Stadt Wasserburg erhält, kann er in den vier vorhandenen Fermentern gut verarbeiten. Diese Fermenter stehen am Anfang des Kompostierprozesses und liefern dabei auch das Methan, das für das Blockheizkraftwerk verwendet wird. Auch die nachfolgende Verarbeitungskette ist im Gleichgewicht, denn der Kompost aus Biomüll ist ja nur eine Komponente von mehreren, die zur Herstellung von hochwertigen Erden verwendet wird. Kämen weiterer Biomüll hinzu, müsste er, wenn alle bislang vorhanden Lieferverträge immer wieder verlängert würden, zwei neue Fermenter bauen und die nachfolgende Verarbeitungskette anpassen.

Bereit dazu wäre er, wobei es einen Punkt gibt, mit dem man ihn besonders locken könnte: die „Sortenreinheit“ des Biomülls. Derzeit ist der Biomüll nämlich in einer Größenordnung von im Schnitt von rund drei Prozent verunreinigt. Essensreste dürfen sehr wohl hinein, nicht aber Plastik, Metall oder Glas. Drei Prozent Störstoffanteil hört sich nach wenig an, kosten bei der Weiterverarbeitung aber viel Aufwand und auch Geld: Sie müssen im Lauf des Produktionsprozesses mit viel Mühe so weit wie möglich herausgesiebt werden, denn keiner wäre begeistert, wenn er in der hochwertigen Erde, die er zum Umtopfen seiner Blumen erworben hat, Reste von Plastiktüten oder Kaffeekapseln fände.

Kontrollen
sind notwendig

Möglichst „reinen“ Biomüll zu erhalten aber ist, das weiß Michael Maier, keine leichte Aufgabe. Eine gute Aufklärung der Bevölkerung darüber, was in die Biotonne hineindarf, ist dafür die Grundvoraussetzung, aber, so sagt er „reicht leider alleine nicht“. Also müssten Kontrollen sein, die praktikabelste dabei wohl das Scannen der Tonnen auf Metall, „denn wo Metall drin ist, findet sich in der Regel auch anderes, was nicht hineingehört“. Beides, das Scannen der Tonnen wie auch die damit verbundenen aufklärenden Gespräche mit den Tonnenbesitzern würde in der Stadt zusätzliches Personal erfordern, wie Michael Maier einräumt.

Für den Arbeitskreis Umwelt der Grünen ein Weg, der dennoch überlegenswert wäre, „denn wenn wir es machen, dann sollten wir es von Anfang gleich richtig machen“, meint dazu beispielsweise Susanne Heunisch vom Vorstand der Grünen Rosenheim-Stadt. „Nachträglich festzustellen, dass man da ohne Kontrollen nicht auskommt, würde die Annahme der Tonnen in der Bevölkerung ganz sicher nicht erhöhen“.

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