Rosenheim – Um die Impfungen gegen das Coronavirus voranzutreiben, könnte es in Rosenheim bald einen Astrazeneca-Impftag geben. Nachdem SPD und CSU einen solchen Sondertag per Eilantrag gefordert hatten, gab es in der jüngsten Sitzung des Stadtrates eine längere Diskussion. Jetzt soll Fritz Ihler, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim, die Planungen vorantreiben.
Zurück
zur Normalität
In Ebersberg hat es funktioniert, in Dachau ebenfalls. Jetzt soll es auch in Rosenheim einen Tag geben, an dem sich jeder, ganz ohne Priorisierung, mit Astrazeneca impfen lassen kann. „Viele Menschen in der Region haben das Bedürfnis schnell geimpft zu werden, ganz gleich mit welchem Impfstoff“, teilen SPD und CSU mit. Aus diesem Grund soll – in Abstimmung mit den Hausärzten und unter Berücksichtigung der vorhandenen Kapazitäten – eine Astrazeneca-Sonderaktion zur Corona-Impfung vorgenommen werden. „Grundsätzlich begrüßen wir Sonderimpfaktionen immer. Sie sind die Grundlage dafür, die Pandemie einzuschränken und in Schach zu halten und zu einer – wie immer gearteten – Normalität zurückkehren zu können“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU). Er machte aber auch deutlich, dass die Stadt einen solchen Sonderimpftag nicht organisieren könne.
So sei zum einen nicht genügend zusätzlicher Impfstoff vorhanden, zum anderen dürfe Astrazeneca seit Mitte April in den bayerischen Impfzentren nicht mehr für Erstdosen verwendet werden.
Ein „Astra-Impftag“ könnte also nur dann stattfinden, wenn sich die Haus- und Fachärzte der Sache annehmen. Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel aus Ebersberg. Dort verabreichten Haus- und Fachärzte, wie berichtet, rund 1500 Impfdosen ohne Priorisierung und terminliche Anmeldung. Initiiert hatte die Impf-Sonderaktion Dr. Marc Block (52). Der Zornedinger Mediziner ist der Koordinierungsarzt der niedergelassenen Arztpraxen im Kreis Ebersberg. In Absprache mit dem Bürgermeister und dem Landratsamt organisierte er innerhalb eines halben Tages den Aufbau eines provisorischen Impfzentrums mit sieben Spuren auf dem Ebersberger Volksfestplatz. Um dem Andrang gerecht zu werden, richtete das Landratsamt zudem weitere zehn Impfzimmer in der Tiefgarage des Impfzentrums ein. Insgesamt konnten laut Block so rund 2750 Impfdosen verabreicht werden.
„Das was in anderen Landkreisen möglich ist, sollte auch bei uns möglich sein“, mahnte deshalb Stadtrat Florian Ludwig (CSU). Fritz Ihler (SPD), Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim, stimmte zu, sagte aber auch, dass eine Sonderimpfaktion nur dann Sinn ergebe, wenn sie im Impfzentrum stattfinden könne und nicht in den jeweiligen Praxen. Zudem müsse man schauen, ob sich genügend Ärzte finden. „Wenn der Wunsch besteht, versuche ich es zu organisieren“, sagte Ihler und erntete dafür klopfenden Beifall.
Oberbürgermeister März schlug deshalb vor, einen Tag zu nutzen, an dem der Betrieb des Impfzentrums ruhe. Dann könne die Stadt die Infrastruktur zur Verfügung stellen, um alles Weitere müssten sich anschließend die niedergelassenen Ärzte kümmern.
CSU-Stadtrat Florian Ludwig machte noch einmal deutlich, dass man keinesfalls in Konkurrenz zum Impfzentrum treten will. „Uns geht es mehr darum, dass vom Astrazeneca nichts übrig bleibt.“ Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, sagte, dass die Sonderaktion für all diejenigen gelte, die sich „schnell impfen lassen wollen“. Er selbst habe sich mit Astrazeneca impfen lassen und keinerlei Nebenwirkungen verspürt. Gleiches bestätigte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. Judith Kley-Stephan (Grüne) appellierte an die ältere Generation, sich für den Astrazeneca-Impfstoff zu entscheiden. Die Jüngeren hätten ein Jahr lang auf vieles verzichtet. Jetzt sei es an der älteren Generation, etwas an sie zurückzugeben.
Viel Lob für das
Impfzentrum
Nach viel Lob für die „sehr gute Arbeit des Impfzentrums“ – unter anderem für die laut März „saumäßig gute Organisation“ – gab die Verwaltung Fritz Ihler den Auftrag, zu prüfen, ob ein Astrazeneca-Tag in Rosenheim überhaupt umsetzbar wäre. Zudem will die Stadt herausfinden, wann der nächste Ruhetag des Impfzentrums ist.