Rosenheim – Helmut Cybulska ist der neue Stadtheimatpfleger der Stadt Rosenheim – jedenfalls vorübergehend. Das haben die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Kritik gab es trotzdem. Nicht an Cybulska selbst, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie die Stadt die Stelle besetzt hat.
Für Karl Mair ist es ein Abschied auf Zeit. Seit 2009 ist er der Heimatpfleger der Stadt, interessiert sich seit vielen Jahren für die Rosenheimer Stadt- und Baugeschichte. Doch nachdem er seit einem Jahr auch Bürgermeister der Gemeinde Stephanskirchen ist, will er seine Funktion vorerst ruhen lassen. „Allein zeitlich ist die Ausübung des hauptamtlichen Bürgermeisteramts und des Ehrenamts des Heimatpflegers schwierig“, bestätigt Mair auf Nachfrage.
Keine einfache
Entscheidung
Doch ein einfacher Abschied scheint es nicht gewesen zu sein. Das merkt man auch, wenn er über die vergangenen elf Jahre spricht. Er habe sich in seiner Funktion als Heimatpfleger auch als „Lobbyist in Sachen Stadtbild“ gesehen, bemühte sich immer wieder um neue Einträge in die Denkmalliste. Gelungen sei ihm das beispielsweise mit der ehemaligen Papierwarenfabrik Niedermayr oder dem Gasthaus Fischküche. Er setzte sich zudem für die Erhaltung des Mosaiks mit den Innenstädten in der Bahnhofshalle ein und dokumentierte offene Fragen zur Bau- und Nutzungsgeschichte – beispielsweise der Kaltenmühle oder des ehemaligen Oberbahnamts am Südtiroler Platz. „Als Heimatpfleger war es mir außerdem stets ein Anliegen, die Rosenheimer Kulturgeschichte erlebbar zu machen“, sagt Mair. Aus diesem Grund habe er auch die Ausstellung „Made in Rosenheim“ initiiert, die im vergangenen Jahr in der Städtischen Galerie gezeigt worden war. „Als die Ausstellung am Nachmittag des 15. März 2020 wegen des ersten Lockdowns geschlossen werden musste, stand ich am Abend als Gewinner der Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Stephanskirchen fest – ein schicksalhafter Tag für mich.“
Nicht nur für ihn, sondern auch für die Stadt. Denn die ist seitdem auf der Suche nach einem Nachfolger. Statt die Stelle – wie eigentlich üblich – auszuschreiben, habe man sich intern für den ehemaligen Baudezernenten Helmut Cybulska entschieden. „Wir haben die Idee spontan für gut befunden“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Zuvor habe es ein Gespräch zwischen Cybulska und Mair gegeben. Daraus sei dann die Idee entstanden.
Es ist eine Idee, die in den vergangenen Wochen für viel Diskussionsstoff gesorgt hat. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass Helmut Cybulska die Tätigkeit perfekt ausführen wird“, sagte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. Ihn störe vielmehr die Art und Weise, wie die Stelle besetzt worden sei. „Ich habe keinen Zweifel an der Person, sondern an der Vorgehensweise“, beschrieb seine Fraktionskollegin Christine Degenhart ihr persönliches Dilemma, in das sie durch das Vorgehen der Stadt geraten sei.
Bereiche sollten neu
überdacht werden
Peter Rutz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schlug vor, die Stelle auszuschreiben, um für eine größtmögliche Transparenz zu sorgen. Stadtrat Markus Schmid (Republikaner) konnte die Kritik seiner Kollegen nicht verstehen: „Warum sollen wir die Stelle ausschreiben, wenn wir eine so kompetente Person wie Helmut Cybulska haben? Es muss doch nicht alles noch komplizierter werden.“ Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, sagte, dass man sich generell Gedanken über das Thema Heimatpflege machen müsse. So sei die Heimatpflege in Bayern auch eine kulturelle Aufgabe. Diesen Bereich übernehme im Moment aber allein das Kulturamt. Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, hatte sich mit seiner Fraktion kritisch über das Thema ausgetauscht. Weil es sich aber nur um eine Übergangslösung handelt, stimmte er dem Vorschlag zu.
Mit 28:15 sprach sich der Stadtrat schließlich dafür aus, dass Cybulska die Aufgaben des Stadtheimatpflegers übernimmt. Jedenfalls so lange, bis Karl Mair nach seiner Amtszeit als Bürgermeister zurückkehrt.