Rosenheim – Selbst für Laien ist es augenscheinlich: Die neuen Platten vor dem Gebäude B des Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrums liegen nicht gerade eben. Und wer sich derzeit mit Stöckelschuhen auf die Fläche wagt, muss fürchten, zu stürzen. Denn auch die Fugen zwischen den Steinplatten sind bisweilen breiter als zwei Zentimeter. So breit, dass sich Unrat zwischen den Steinen sammelt.
In der jüngsten Stadtratssitzung kritisierte Grünen-Fraktionschef Peter Rutz, dass die Steinplatten vor dem Gebäude eher schlecht als recht verlegt worden seien. Mehrere Handwerker hätten ihn bereits auf den Umstand angesprochen.
Architekt müsste
Mängel rügen
Rosenheims Liegenschaftsdezernent Heinz Bösl bestätigte dem Grünen-Stadtrat, dass die Verwaltung Kenntnis von der Situation habe. „Wir sehen das auch nicht als optimal an“, kommentierte er den Zustand des Platzes und versicherte, bei der ausführenden Baufirma darauf zu drängen, die Mängel beseitigen zu lassen.
Tatsächlich verrät schon ein grober Blick auf das Pflaster, dass hier nachgebessert werden muss. Mit welchem Aufwand, das bleibt offen. Zumindest ein Kran, um die Steine anzuheben, steht bereits vor dem Gebäude. Nach Einschätzung eines Gartenbauers, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, bleibt wohl nur, die Platten wieder anzuheben und neu zu verlegen – zumindest teilweise.
Er begutachtet die Situation vor Ort und legt eine Wasserwaage zwischen zwei Steinen an. Hochgerechnet auf vier Meter Länge, kommt er auf einen Höhenunterschied von 1,3 Zentimetern. Die übliche Norm für ebene Flächen lasse indes nur 0,8 Zentimeter an Spielraum zu. Eigentlich müsste der Architekt bei der Abnahme solche Mängel rügen und Nachbesserung fordern, sagt er.
Die Platten ruhen auf Betonsockeln. Um die Höhe anzugleichen, muss unter den Platten ein Widerlager verlegt werden. Eine Feinarbeit, bei der „gehudelt“ und „geschludert“ worden sei, wie der Grünen-Stadtrat Franz Opperer findet. Passieren solche Dinge an mehreren Stellen, wirke sich das irgendwann auf die gesamte Fläche aus. „Pfusch am Bau“, meint er.
Seit Mitte/Ende April hat die Stadt Kenntnis von den Mängeln, wie sie auf Anfrage antwortet. Sowohl die Fugenbreiten als auch die Höhenvorsprünge seien „nicht tolerierbar“.
Was die Konsequenzen hieraus betrifft, hält sich die Verwaltung indes bedeckt: „Aktuell wird von allen Planungs- und Baubeteiligten eine Lösung erarbeitet. Da der Prozess noch am Laufen ist, können im Moment keine konkreteren Aussagen getroffen werde“, heißt es vonseiten der Stadt.
Überschaubare
Anzahl an Firmen
Auch wenn das Gerücht wabere, das Fundament unter den Platten sei schlecht verarbeitet: Als Gartenbauer stehe man in der Pflicht, unter den Steinen entsprechendes Material zu verlegen. Spätestens, wenn die Höhenunterschiede so deutlich erkennbar seien, wie es derzeit vor dem Kuko der Fall sei. Dass die Stadt die Ausschreibung zu knapp kalkuliert habe, und der Gartenbauer deswegen an der Qualität seiner Arbeit sparen musste hält er für unwahrscheinlich. Die Anzahl der Firmen, die solche Platten verlegen könnten, sei überschaubar, entsprechend groß der Spielraum bei den Preisen, die jene Unternehmen bei Ausschreibungen solcher Aufträge aufrufen könnten.
Und gerade bei Projekten, deren Ausführung sich schwierig gestalte, gebiete es die Vernunft, diese Probleme auch bei der Kalkulation einzupreisen.
Noch habe der zuständige Architekt die Arbeit nicht abgenommen, schildert die Stadt. Zunächst wolle man von der für die Verlegung zuständigen Firma eine Nachbesserung einfordern.
Besagtes Unternehmen wiederum betont auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien. In Aussicht stellt die Firma eine Lösung, mit welcher die vorhandenen Mängel auch ohne größeren Aufwand beseitigt werden könnten.