Rosenheim – „Es ist mal etwas Besonderes“, sagt Agnes Benda. Mit „Besonderes“ meint die Mesnerin die vielen Tauben aus Papier, die derzeit in der Kirche St. Hedwig in Rosenheim von der Decke hängen. Als Symbol für den Heiligen Geist schmücken sie die Kirche rund um das Pfingstfest und die anstehenden Firmungen. In einer Zeit, in der Gottesdienste nur eingeschränkt möglich sind, sollen sie die Besucher besonders ansprechen.
Sohn zeichnet,
Mann faltet
Die Idee, Tauben an die Decke der Kirche zu hängen, ist nicht neu. „Ich hatte das schon öfter in Zeitschriften gesehen und mir gedacht: So etwas könnten wir doch auch mal machen“, sagt Agnes Benda.
Ursprünglich hatte sie über Origami-Tauben nachgedacht, doch die zu falten, sei zu schwierig gewesen. Ihr Sohn zeichnete deshalb den Grundriss einer Taube auf Papier, Benda verteilte die Kopien an Mitstreiter nach dem Gottesdienst. Ihr Mann faltete währenddessen die Flügel. „Es war eine Gemeinschaftsarbeit“, sagt Benda
Insgesamt elf Gemeindemitglieder haben am Ende mitgeholfen. „Ich fand das gleich eine super Idee“, sagt Gisela Zeilhofer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Hedwig. „Wir haben denn ein bisschen rumprobieren müssen, aber jetzt gefällt mir das Ergebnis sehr gut.“
Am Samstag vor Pfingsten haben sie gemeinsam die insgesamt 242 Tauben mit Schnüren an der Decke festgemacht – jetzt „fliegen“ sie sowohl um den Altar herum als auch von der Empore herunter. Für Zeilhofer gerade während der pandemiebedingt eingeschränkten Gottesdienste etwas besonderes: „Es macht den Gottesdienst etwas erfüllender. Vielleicht ist man derzeit noch mal dankbarer für solche Aktionen.“
Die Taube ist im christlichen Glauben nicht nur ein Symbol des Friedens, sondern auch für den Heiligen Geist, an den gerade während des Pfingstfestes gedacht wird. Dass die Tauben die Kirchengemeinde in St. Hedwig in etwa umschließen, soll dafür stehen, wie jeder im Heiligen Geist aufgehoben sei. Auch in der Bibel spielt die Taube eine tragende Rolle: „Nach der Sintflut hat zuerst eine Taube Noah gezeigt, dass Land in Sicht ist. Vielleicht kann man sie also auch als Bote für das Ende einer schweren Zeit deuten“, sagt Yunes Baccouche, Gemeindereferent der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn.
Viele positive
Rückmeldungen
Zuallererst sollen sich aber die Kirchenbesucher angesprochen fühlen – vor allem auch, wenn sie nur selten in die Kirche kommen. „Vielleicht kann man die Menschen damit etwas begeistern, dass wir extra für sie die Kirche so geschmückt haben“, sagt Benda. Die ersten Rückmeldungen aus dem Pfingstgottesdienst seien sehr positiv gewesen. Baccouche hofft, dass vielleicht auch eine tiefere Botschaft ankommt: „Wir Menschen sind ja auch gemeinsam in einem Schwarm unterwegs“, sagt er. Die Tauben sind noch bis Anfang Juli in St. Hedwig zu sehen.