Verbot für Ponyreiten auf Herbstfest?

von Redaktion

„Die Partei“ stellt entsprechenden Antrag – Betreiber können Kritik nicht verstehen

Rosenheim – Das Ponyreiten auf Volksfesten steht in der Kritik. In München hat man sich deshalb darauf geeinigt, dass ab dem 1. Januar 2024 keine Reitgeschäfte mehr auf städtischen Flächen und Veranstaltungen zugelassen werden. Auch in Rosenheim gibt es Politiker, die sich für eine solche Regelung starkmachen.

Kindern ein Lächeln
aufs Gesicht zaubern

Seit zehn Jahren sind Virginia und Ronny Kaiser auf dem Rosenheimer Herbstfest zu Gast. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern betreibt das Paar die Pferdereitbahn. Die beiden stammen aus einer Schaustellerfamilie, haben schon immer mit Tieren zu tun gehabt. „Für uns sind die Pferde Familienmitglieder“, sagt Virginia Kaiser. Sie lebt für ihre Arbeit, freut sich, den „Kinder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Viele hätten, so sagt sie, weder das Geld noch die Möglichkeit, einmal auf einem Pferd zu sitzen. Die Pferdereitbahn, die das Paar auf insgesamt sechs Volksfesten anbietet, würde Kindern genau diese Möglichkeit bieten.

Doch in den vergangenen Jahren haben Virginia und Ronny Kaiser immer mehr Kritik für ihre Arbeit bekommen. In Rosenheim demonstrieren jedes Jahr Tierschützer vor ihrem Karussell und setzen sich für eine Abschaffung ein. Ende 2020 wurden in einer Petition zudem 2531 Unterschriften gegen Ponykarussells auf dem Rosenheimer Herbstfest gesammelt.

„So was macht mich wahnsinnig traurig“, sagt Virginia Kaiser. Unter anderem auch deshalb, weil sie die Kritik nicht nachvollziehen kann. „Wir erfüllen alle tierrechtlichen Auflagen“, sagt sie. Die 30 Pferde würden viele Pausen bekommen und zwischen den Auftritten auf einer großen Koppel beherbergt werden. „Wir haben nichts zu verbergen und bieten während der Volksfeste auch immer wieder die Möglichkeit an, hinter die Kulissen zu schauen“, sagt Kaiser.

Ein Blick nach München verrät, dass all diese Maßnahmen nicht auszureichen scheinen. Grüne, SPD und Linke hatten sich hier für ein Verbot ab 2024 ausgesprochen. In der Landeshauptstadt werden ab diesem Zeitpunkt weder auf dem Frühlings- noch auf dem Oktoberfest Manegen-Ausritte möglich sein.

Die Rosenheimer Stadträtin Ricarda Krüger (Die Partei) will genau so ein Verbot jetzt auch in Rosenheim durchsetzen. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) fordert sie die Verwaltung auf, Pony- und Pferdereiten auf dem Herbstfest und anderen Festen, die im Stadtgebiet stattfinden, ab 2022 zu untersagen. „Pferde sind Fluchttiere und leiden daher unter der permanenten Lärmbeschallung durch Musik, Lichter und Besucher auf Jahrmärkten“, sagt Krüger. Das „stupide Laufen im Kreis“ würde kein „zeitgemäßes Bild von Pferden als Lebewesen“ vermitteln, sondern vielmehr das „Bild eines Konsumgutes“. Krüger schlägt vor, dass die Kinder den Kontakt zu Pferden und Ponys auf einem der zahlreichen Höfe im Stadtgebiet suchen.

„Ich glaube nicht, dass ein fehlendes Ponykarussell zu einem Ausbleiben von Besuchern auf dem Herbstfest führen wird“, sagt Krüger. Im Gegenteil. Sie glaubt, dass der Ruf des Herbstfestes unter dem Ponykarussell leidet und „Rosenheim als rückschrittliche Stadt ohne Tierschutzbemühungen“ zeigt.

Ausschreibeverfahren
ab Mitte August

Ob das Ponyreiten in Rosenheim untersagt wird, liegt jetzt in den Händen der Stadt, die es rechtlich verbieten kann. Der andere Weg wäre, kein Reitgeschäft aufs Herbstfest einzuladen. Das wiederum liegt in der Verantwortung des Wirtschaftlichen Verbandes als Veranstalter. Das Ausschreibeverfahren für das Herbstfest 2022 läuft voraussichtlich von Mitte August bis Ende September 2021. „Der Wirtschaftliche Verband ist sich seiner Verantwortung gegenüber allen das Volksfest betreffenden Sachverhalten bewusst und der im Verband für die Zulassungsvergabe zuständige Festausschuss handelt und entscheidet dementsprechend nach festgelegten Kriterien“, teilt Geschäftsführer Klaus Hertreiter mit. Er weist zudem auf ein Positionspapier des Deutschen Schaustellerbundes hin. Darin heißt es, dass keinerlei Bedenken gegen den Betrieb eines Ponyreitgeschäfts bestehen, solange die tierschutzrechtlichen Bestimmungen beachtet werden.

Für Virginia und Ronny Kaiser heißt es jetzt abwarten. Eins wissen sie schon jetzt: „Ein Verbot würde für unsere Familie große finanzielle Verluste bedeuten.“

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