Rosenheim – Das geplante Wohngebiet in Oberwöhr beschäftigt die Bewohner auch weiterhin. In den 303 Stellungnahmen, die bei der Verwaltung eingegangen sind, äußern die Bürger vor allem Bedenken über fehlende Kindergartenplätze, überlastete Straßen und Hochwasserschutz. Doch die Sorgen scheinen unbegründet. Zumindest wenn man bei der Verwaltung nachfragt. Die Anwohner sehen das jedoch anders.
Rege Beteiligung an Bauausschusssitzung
An den Sitzungen im Rathaus nehmen in der Regel nur wenige Zuschauer teil. Doch wann immer das Thema Oberwöhr auf der Tagesordnung steht, zeigt sich ein anderes Bild. So auch am vergangenen Donnerstag. Rund 30 Bürger hielten sich im und vor dem Sitzungssaal auf. Überrascht haben dürfte die rege Beteiligung nicht. Denn das Vorhaben hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder für Unmut gesorgt und die Anwohner sogar dazu veranlasst, die Bürgerinitiative „Rettet Oberwöhr“ zu gründen, die mittlerweile 400 eingetragene Mitglieder hat.
Wie berichtet, sollen auf dem 2,7 Hektar großen Grundstück an der Krainstraße 166 Wohneinheiten für knapp 400 Einwohner entstehen. Vorgesehen sind vier Gebäudegruppen mit jeweils drei bis fünf Mehrfamilienhäusern. Die Bebauung soll drei- beziehungsweise viergeschossig werden,wobei das vierte Geschoss meist als Staffelgeschoss zurückgesetzt ist. In der Wohngruppe 1 plant die Stadt gemeinsam mit der GRWS Mietwohnungen, die mit den Mitteln der sozialen Wohnraumförderung errichtet werden. In mindestens einer Erdgeschosswohnung ist zudem eine Großtagespflege für die Betreuung von bis zu zehn Kindern vorgesehen.
Wohngruppe 2 und 3 werden als frei finanzierte Wohnbauflächen realisiert. „Die Wohnungen der Wohngruppe 4 werden von der Stadt frei finanziert erstellt und nach den vom Stadtrat festzulegenden Kriterien verkauft“, heißt es aus dem Rathaus. Die Erschließung des Wohngebietes soll von der Krainstraße aus mit einer verkehrsberuhigten neuen Wohnstraße entlang dem Grünzug des Augrabens erfolgen. An dieser öffentlichen Straße liegen die Zufahrten zu den vier Tiefgaragen und den oberirdischen Besucherplätzen. Der zusätzliche Autoverkehr wird von den Gutachtern als „verkehrsverträglich eingestuft“. Ein zusätzlicher Ausbau im Zusammenhang mit den Planungen sei deshalb nicht erforderlich.
Die Befürchtungen der Bewohner, dass es durch die Bebauung zu einer Überlastung der Straßen kommen könnte und nicht an genügend Kita-Plätze gedacht worden sei, scheinen also vom Tisch. Doch die Anwohner bleiben skeptisch. „Aussagen, wie dass wir bei einer Zunahme um 300 Autos keine Veränderung bemerken sollen, sind für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Wilfried Heuschneider, Sprecher der Bürgerinitiative. Sein Gefühl jedenfalls habe sich nicht verbessert. Daran habe auch die Aussage einer Mitarbeiterin des Aquasoli Ingenieurbüros zum Hochwasserschutz nichts geändert. Sie gab an, dass durch die geplante Bebauung „keine Verschlechterung der Situation entsteht“. So hätten die Oberwöhrer weder eine Veränderung der Grundwasserstände zu befürchten, noch müssten sie sich Sorgen darüber machen, was mit den bestehenden Häusern passiert, wenn die Wiese, die jahrelang als Überflutungsfläche galt, bebaut wird.
Während die Bürger nach wie vor skeptisch sind, zeigten sich die Stadträte von den Gutachten überzeugt. „Die Dinge, die wir vorher infrage gestellt haben, sind beantwortet“, sagte Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Er halte die Bebauung für durchaus verträglich, sehe es als Chance, günstigen Wohnraum zu schaffen. Stadträtin Anna Rutz (Grüne) sagte, sie finde es wichtig, dass es für die bereits bestehende Bebauung keine Verschlechterung gebe. Genau das würden die jeweiligen Gutachten aussagen. Auch die Freien Wähler/UP stehen mehrheitlich hinter dem Projekt. „Der Entwurf ist gelungen und die Höhen sind angemessen“, sagte Stadträtin Beate Burkl. Die Gutachten würden zudem bestätigen, dass die Anwohner nichts zu befürchten hätten. Etwas anders äußerte sich die CSU. Zwar stelle man die grundsätzliche Bebauung nicht in- frage, dafür allerdings die „Art und Weise“ des Vorgehens. So sei es laut CSU-Fraktionsvorsitzendem Herbert Borrmann wichtig, die Bürger noch mehr einzubeziehen.
Moderierte Infoveranstaltung
Und genau das kritisieren eben auch die Anwohner. So sei die Einbindung in die Planungen „zu spät und nur bruchstückhaft erfolgt“. „Wir werden jede Möglichkeit ausschöpfen, uns weiter einzumischen“, sagt Heuschneider. Die nächste Möglichkeit bietet sich am Mittwoch, wenn der Stadtrat erneut über die weiteren Schritte diskutiert. Zudem soll, voraussichtlich am 15. Juli, eine moderierte Veranstaltung mit allen Gutachtern stattfinden, bei dem die Bürger nochmals die Möglichkeit haben, das Bauvorhaben zu hinterfragen.
Mit 7:4 haben die Stadträte den weiteren Verfahrensschritten zugestimmt. Eine endgültige Entscheidung fällt in der kommenden Woche im Stadtrat.