Street-Art mit Anspruch

von Redaktion

Mr. Woodland und die ATE-Crew schaffen vielschichtige Wand-Kunstwerke

Rosenheim – Gute äußere Bedingungen hatten drei der von der Städtischen Galerie im Rahmen des Transit Art Festivals eingeladenen „Mural-“ oder Fassadenkünstler. Vergangenes Jahr war die Startveranstaltung noch wegen der Corona-Pandemie ausgefallen, doch dieses Mal herrschte bereits am Vorabend zur Eröffnungsveranstaltung beste Laune (wir berichteten) und zumindest trockenes Wetter als Grundvoraussetzung für Außengestaltungen.

Knalliges Rot auf der
sonst grauen Fassade

Schon von Weitem knallen die roten Farbtöne am Modepark Röther dem Betrachter entgegen. An der sonst grauen Fassade des Blocks an der Kufsteiner Straße hinterlässt gerade „Mr Woodland“ alias Daniel Westermeier seine großformatige Spur in Form eines Porträts.

Er hatte bereits im Alter von zwölf Jahren mit Wandgemälden begonnen und lebt als studierter Grafik-Designer von Street Art. In Kooperation mit der Galerie seien die Inhaber des Modeparks auf ihn zugegangen, erklärt der Künstler, dessen im vergangenen Jahr entstandener „Astronaut“ in der Gillitzerstraße nach wie vor gewisses Aufsehen erregt.

Sein Motiv am Modepark Röther zeigt ein Paar in längerer Beziehung – jeweils mit zwei Gesichtern und unterschiedlicher Mimik und Gestik. Es geht um Nähe und Distanz, um Zuneigung und Sich-Auseinanderleben. Dies kann man bereits in der Entstehungsphase anhand bereits fertiger Elemente und Skizzen gut nachvollziehen.

Professionelle Vorbereitung und Durchführung gehören zur Arbeitsweise von Mr. Woodland: Die Wand habe er für eine bessere Planung und Strukturierung mit Lasertechnik vermessen, so der Street-Art-Protagonist. Außerdem seien die Farben qualitativ sehr hochwertig, weisen einen hohen UV-Schutz auf und seien auf eine Dauer von mindestens 15 Jahren ausgelegt. „Jetzt muss ich weiter machen“, bemerkt Mr. Woodland, schwingt sich wieder auf seine Hydraulikplattform und schraubt sich in die Höhe an „seine“ Wand – einen Tag später will er fertig werden.

Ein paar 100 Meter weiter werkeln Simon Schacht und Christian Schlosser, die aus Würzburg stammende „ATE Crew“. Seit 2015 arbeiten die beiden künstlerischen Vollprofis miteinander, die sich im Studium von Kommunikationsdesign und Illustration kennengelernt hatten. Sie können gut miteinander, „jeder kann alles zeichnen“ und die derzeit hervorragende Auftragslage trägt zu einer guten Stimmung im Zweier-Team bei.

Über einen guten Draht zum Würzburger Kulturamt und zum aufgeschlossenen Oberbürgermeister konnten sie sich örtlich einen sehr guten Namen machen unter anderem als Preisträger für „Junge Kultur“. Hier in Rosenheim arbeiten sie an zwei Seiten der Fassade des Sozialrathauses in der Reichenbachstraße.

Das Motiv sind eine ältere und eine jüngere Frau, die jeweils einen altersspezifisch und individuell unterschiedlichen Umgang mit einem „Smiley“ pflegen. Die Geschichte erschließt sich, wenn man auf beide Seiten des Gebäudes geht – so ist die Idee zudem auf die Architektur verteilt und bezieht die bauliche Situation mit ein. „Es geht um Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen“ – so lautet die Erklärung.

Starke
Kontraste

Farblich fügen sich die Bilder mit ihren Grüntönen und den starken Farbkontrasten harmonisch in die Baumbepflanzung und Vorbeete der Umgebung ein, im Motiv gibt es florale Elemente. Die beiden erklären, dass es bei dieser Art von Kunstproduktion viele äußere Faktoren gebe, die für eine zügige und stringente Produktion passen sollten – beginnend von der Lieferung der passenden Farben bis hin zu technischen Details beim Umgang mit der hydraulischen Hebebühne. „Rosenheim gefällt uns gut“, ist das Echo der Künstler auf die freundliche Aufnahme und die Atmosphäre in der Stadt.

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