Rosenheim – In Rosenheim sind Kita-Plätze Mangelware. Und das schon seit Jahren. Jetzt soll ein neues Gutachten für mehr Planungssicherheit sorgen. Wie wichtig das ist, zeigt die Tatsache, dass es in den kommenden neun Jahren insgesamt 826 zusätzliche Kindergarten- und 113 Krippenplätze braucht.
Planung basierte
auf ungenauen Zahlen
Rosenheim ist eine familienfreundliche Kommune. Das sagte der Zweite Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) gleich zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugendliche und Familien. Und wie es sich für eine familienfreundliche Kommune gehört, braucht sie zahlreiche Kindergartenplätze. Genau hier fangen die Probleme an.
Und das trotz eines Gutachtens, das bereits 2017 behandelt worden ist. Damals haben die Stadträte festgelegt, dass 40 Prozent der Ein- bis Dreijährigen, die einen Bedarf an Betreuung haben, auch betreut werden sollen. Im Kindergartenalter sollen es 100 Prozent sein. Aktuell haben 76 Prozent der Dreijährigen, 90 Prozent der Vierjährigen und 95 Prozent der Fünfjährigen einen Platz.
Der notwendige Bedarf an Plätzen habe sich 2017 aus den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik ergeben. Doch so richtig zu funktionieren schien das nicht. Denn: „In den Folgejahren wurden Platzdefizite deutlich“, teilte die Verwaltung während der Sitzung mit. Eine Überprüfung habe dann ergeben, dass die Zahlen deutlich zu niedrig gewesen seien. Aus diesem Grund hat die Stadt das Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) beauftragt, ein neues Gutachten zu erstellen, an dem sich in Zukunft orientiert werden soll.
Nachholbedarf
auch in Sachen Krippe
Das Gutachten wiederum hat gezeigt, dass es dringend Handlungsbedarf gibt. „Die Hochrechnung des Instituts prognostiziert für die Stadt einen Bevölkerungsanstieg, der die Neuschaffung von Betreuungsplätzen dringend erforderlich macht“, heißt es aus dem Rathaus. Bereits 2026 würde die Gesamtzahl der Kindergartenkinder von 2080 um 243 auf 2323 Kinder ansteigen. Unter Berücksichtigung des Mehrbedarfs an Betreuung für Integrationskinder ergibt sich somit ein Bedarf von 2545 Kindergartenplätzen. Im Jahr 2030 sind es bereits 2743 Plätze. In anderen Worten: In den kommenden neun Jahren muss die Stadt 826 zusätzliche Betreuungsplätze in Kindergärten schaffen.
Denn aktuell gibt es in der Stadt 1917 Plätze. Davon sind 80 zeitlich befristete Übergangslösungen, die mit dem Ende des Kindergartenjahrs 2022/2023 wegfallen. „Aufgrund der stark angestiegenen Anmeldezahlen im April dieses Jahres werden jedoch weitere 100 Plätze als Übergangslösungen für das kommende Jahr eingerichtet“, teilte die Verwaltung bereits mit. Weitere 21 Plätze könnten laut Stadt durch die Umwidmung von Hort- in Kindergartenplätze in der Kita St. Quirin dauerhaft eingerichtet werden.
Zudem sollen in den kommenden Jahren 400 zusätzliche Plätze in Pang, im Kinderhaus an der BayWa-Wiese, in der Goethestraße sowie im Georg-Queri-Weg entstehen (wie berichtet). Ebenfalls geprüft wird der Neubau eines Kinderhauses an der Pürstlingstraße, der Platz für sechs Kindergartengruppen bieten soll. Lösungsvorschläge also gibt es viele.
Und auch in Sachen Krippe muss sich einiges tun. Die jüngsten Anmeldezahlen zeigten, dass immer mehr Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Sprösslinge unter drei Jahren suchen, teilt die Verwaltung mit. Derzeit gibt es in der Stadt 499 Krippenplätze. Aktuell kommen die Ein- bis Dreijährigen zudem in Großtages- und Tagespflegestellen unter, wo derzeit 120 Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.
Schon mit der beschlossenen Betreuungsquote von 40 Prozent in dieser Altersgruppe wird bis 2026 der Platz knapp. Aufgrund der Nachfrage sollte die Betreuungsquote auf 45 Prozent angehoben werden, so die Verwaltung. Das wiederum bedeutet, dass bis 2026 686 Plätze vorhanden sein müssten. „Bei dem aktuell vorhandenen Angebot müssten bis dahin 67 Krippenplätze neu geschaffen werden“, teilt die Verwaltung mit. Bis in das Jahr 2030 wird die Schaffung von insgesamt 113 Krippenplätzen notwendig sein.
Einstimmig haben sich die Stadträte des Gremiums darauf geeinigt, die Schaffung der notwendigen Betreuungsplätze anzugehen und die Bevölkerungsentwicklung, speziell für den Krippenbereich, halbjährlich zu überprüfen. Damit Rosenheim auch weiterhin eine familienfreundliche Kommune bleibt.