Nun doch Luftfilter für alle?

von Redaktion

Rosenheimer Stadtrat beauftragt Verwaltung mit Ausschreibung eines Rahmenvertrags

Rosenheim – Rosenheim soll den Kauf mobiler Luftfilter für alle städtischen Schulen und Kindertagesstätten vorbereiten. Hierzu hat der Stadtrat die Verwaltung in seiner jüngsten Sitzung einstimmig verpflichtet. Ursprung für die Entscheidung war ein Antrag der Christsozialen an die Stadt, die dieses Ansinnen bislang abgelehnt hat. Sie verwies auf Argumente des bayerischen Kultusministeriums wie auch des Umweltbundesamts.

Investition von
1,15 Millionen Euro

Beide Behörden betonen in entsprechenden Stellungnahmen, dass der Einsatz mobiler Luftfilter eine ausreichende Belüftung der Klassenräume nicht ersetze, sondern maximal ergänze. Entsprechend hatte die Stadt solche bislang nur für jene Räume angeschafft, bei denen keine ausreichende Belüftung gegeben war. Jetzt sollen diese Geräte möglichst in allen Räumen stehen.

In Rosenheims Schulen wären 450 der rund 530 Unterrichtsräume mit solchen Geräten auszustatten. Hinzu kämen 200 Gruppen- und Mehrzweckräume der städtischen Kindertagesstätten. Für die notwendigen 650 Geräte rechnet die Stadt mit Kosten von etwa 1,15 Millionen Euro – den Zuschuss des Freistaats Bayern schon abgezogen.

Der Landkreis Rosenheim hat sich inzwischen für den Kauf mobiler Luftfilter für alle Klassen- und Fachräume der Schulen in seiner Verantwortung als Sachaufwandsträger entschieden. Noch Anfang Juli hieß es hingegen aus dem Landratsamt, dass man vom Kauf solcher Geräte Abstand nehme (wir berichteten). Es lägen keine fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, die belegten, Luftfilter könnten das Lüften ersetzen. Auch andere Kommunen wollen nun nachziehen: Die Gemeinde Bruckmühl will ihre Grundschulen mit den Geräten ausstatten, nachdem der Gemeinderat dieses Ansinnen noch im Mai abgelehnt hatte (wir berichteten). Ebenso bereitet die Stadt Wasserburg eine Ausschreibung für den Kauf von Luftfiltern vor, nachdem der Stadtrat die Verwaltung damit beauftragt hat.

Den gleichen Weg will die Stadt Rosenheim indes nicht gehen. Auf Drängen der Stadträte konnte sich Bürgermeister Andreas März (CSU) dazu durchringen, dem Gremium die Ausschreibung eines Rahmenvertrages vorzuschlagen. Damit, lautet die Auffassung der Stadt, könne Rosenheim die Geräte je nach Bedarf flexibel vom Gewinner der Ausschreibung abrufen. Bei einer regulären Ausschreibung müsse sich die Stadt bereits im Vorfeld festlegen, wie viele Luftreiniger sie kaufen will und dann auch muss.

Der Auffassung des Umweltbundesamts, dass Luftfilter ausreichendes Lüften von Räumen im Blick auf die Aerosolbelastung nicht ersetzten, kann sich zumindest Harald Krause nicht vollends anschließen. Der Professor lehrt und forscht an der Technischen Hochschule in Rosenheim und leitet das Labor für Raumlufttechnik und Raumklimasysteme. Eine Lüftungsanlage, argumentiert er, sei vor allem im Winter besser geeignet, als lediglich die Fenster aufzureißen. Gerade bei erhöhten Infektionsrisiken könnten Luftfilter hinzugeschaltet werden und dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Dieses Vorgeben habe jedoch seine Grenzen. Bei höheren Inzidenzen indes empfehle sich eine Rückkehr zur Maskenpflicht während des Unterrichts.

Präsenzunterricht nicht gefährden

Auch unter Rosenheims Stadträten war zur jüngsten Sitzung des Gremiums weitestgehend Zustimmung zum Kauf von Luftfiltern zu hören. Auch, weil zu befürchten steht, dass Urlaubsrückkehrer verschiedene Varianten des Coronavirus zurück nach Hause einschleppen, wie Stadträtin Christine Degenhart (Freie Wähler/ UP) zu bedenken gab. Sie rechne ohnehin damit, dass mit Beginn des neuen Schuljahres wieder Maskenpflicht an den Schulen herrschen werde, um dieses Risiko abzupuffern. Um den Präsenzunterricht in Schulen nicht zu gefährdet, sei die Stadt aufgefordert zu handeln. Auch der Chef der antragstellenden CSU-Fraktion, Herbert Borrmann, mahnte, Rosenheim müsse jetzt alles Notwendige unternehmen, um einen Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten.

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