Rosenheim – Nach der langen Corona-Pause ist das Nachtleben zurück in der Stadt. Neben den bekannten Clubs gibt es auch eine Neueröffnung in der Papinstraße 2. Ein Interview mit Inhaber Stephan Franz über seine Pläne und warum man mitten in der Pandemie eine Diskothek eröffnet.
Hand aufs Herz. Warum eröffnet man mitten in einer Pandemie einen Club?
Der Mietvertrag wurde Anfang 2020, also noch vor Beginn der Pandemie unterzeichnet, und natürlich mussten wir damals mehr oder weniger die Notbremse ziehen, um der aktuellen Situation auf der Welt gerecht zu werden. 18 Monate später ist es aber so weit, dass man dank eines sicheren und zugänglichen Öffnungskonzepts wieder ins Nachtleben eintauchen kann. Gleichzeitig gibt es durch die lange Zwangspause viel Enthusiasmus sowohl bei den Gästen als auch bei allen anderen Mitwirkenden, von den DJs zum Sicherheitspersonal und den Barkeepern.
Auf was können sich die Besucher freuen?
Das Kammerl soll eine ehrliche, ungezwungene Welt erschaffen, mit einem Fokus auf ungestörtes Feiern und Tanzen. Weniger Selbstdarstellung, dafür etwas dunkler und mit mehr Gefühl und Stimmung, um für einige Stunden nur im Moment und hier und jetzt zu leben.
Hört sich an, als ob Sie schon immer einen Club eröffnen wollten.
Durch langjährige Erfahrung in der Szene des Rosenheimer Nachtlebens als DJ habe ich aktiv in diversen lokalen Clubs mitwirken können, was mir oft Einblicke sowohl in die Bedürfnisse der Clubgänger ermöglichte, als auch eine gewisse Übersicht über den Markt und den damit verbundenen Herausforderungen für die Betreiber beschert hat. Mein Mitbegründer hat einen ähnlichen Hintergrund und früher viel in Clubs und auf Events fotografiert und dann auch Musik produziert und ein eigenes Plattenlabel gegründet. Somit gab es viele passende Voraussetzungen, es auch als Veranstalter selbst zu versuchen, und die neuen operativen Herausforderungen des Betriebs eines Clubs hatten einen starken Reiz für mich. Gleichzeitig sahen wir eine Lücke im Nachtleben der Stadt, welche sich gut mit unserer eigenen Herangehensweise und Philosophie abdeckte.
Also gibt es Ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf im Rosenheimer Nachtleben?
Ich denke, es gibt inzwischen wieder breit gestreute Optionen in Rosenheim, die viele Geschmacksrichtungen abdecken. Den Verbesserungsbedarf wollen wir mit dem Kammerl abdecken – ein etwas breiter gestreutes Programm, das für jeden zugänglich ist, mit einem Fokus auf Musik und Tanzen in einer lockeren Atmosphäre, in der man ungezwungen mit Freunden genießen kann, ohne dass das „Sehen und Gesehenwerden“ im Vordergrund steht.
Musste in den Räumen in der Papinstraße viel gemacht werden?
Da die Räumlichkeiten schon viele Jahre als Club fungierten, war natürlich eine gute Basis vorhanden. Nichtsdestotrotz mussten wir einige Renovierungsarbeiten vornehmen, um sowohl die typischen Aspekte, wie zum Beispiel Lautsprecheranlage und Bar, eines Clubs wieder auf Vordermann zu bringen als auch sicherzustellen, dass wir der Örtlichkeit eine eigene Atmosphäre geben, die dem ungezwungenen Charakter des „Kammerl’s“ gerecht wird.
Am Samstag war bereits große Eröffnung. Wie ist es gelaufen?
Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Es hat uns große Freude bereitet, zu sehen, wie die Gäste den Abend im Kammerl verbracht haben, zur Musik getanzt haben, einige Takte mit geschlossenen Augen begleitet haben. Die Räumlichkeiten nach so langer Zwangspause nun mit Leben gefüllt zu sehen, macht uns sehr stolz, und wir sind froh, den Weg bis hierher gegangen zu sein. Interview: Anna Heise