Projektarbeit schmückt Gotteshaus

von Redaktion

Schüler der Holzfachschule fertigen Möbel für den Eingang der Hedwigskirche

Rosenheim – Etwas ganz Besonderes war jüngst der Gottesdienst in der Rosenheimer Hedwigskirche: Denn dort wurde jetzt offiziell der neue Eingangsbereich der Kirche eingeweiht. Ein Projekt, über das sich nicht nur der Pfarrer freut.

„Der Baustil war natürlich eingeschränkt“, sagt Clemens Sander. Gemeinsam mit Max Westenthanner hat er den Entwurf der Umgestaltung gemacht und diese dann umgesetzt. „Die Hedwigskirche ist vor allem durch klare Linien bestimmt, daran haben wir uns gehalten.“ Sander ist 26, Westenthanner 24 Jahre alt – lange im Geschäft ist keiner von beiden. Der Eingangsbereich der Hedwigskirche war ihre Projektarbeit an der staatlichen Fachschule für Holztechnik in Rosenheim. „Meistens ist so eine Projektarbeit nur Planung, aber wir haben alles selbst gebaut und dann auch installiert“, sagt Westenthanner.

Konkret haben sie zwei Möbel entworfen: einen kleineren Ständer für Prospekte auf der linken Seite des Eingangs und einen größeren Schrank auf der rechten Seite. Beide sollen sich in die Kirche einfügen, sind unten optisch an den Steinboden angepasst und durch klare Holzlinien bestimmt.

Die weißen Schränke, die zuvor im Eingangsbereich standen, sowie die bisherige Jahreskrippe mussten weichen. Wobei auch noch zwei Fenster freigelegt wurden, die zuvor dahinter versteckt waren. Bei dem Projekt sei es jedoch um mehr als nur Möbelbau gegangen, sagt Westenthanner. Die Umgestaltung musste auch von Sachverständigen des erzbischöflichen Ordinariats abgesegnet werden.

Dass diese die Entwürfe der beiden Holztechniker sofort überzeugt haben, freut Pfarrer Andreas Maria Zach besonders. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagt er. Der Pfarrer, der vom Altar aus den besten Blick darauf hat, ist von dem neuen Ensemble begeistert. „Es ist wirklich hervorragende Arbeit und eine ungleiche Verbesserung zu vorher.“ Ein zusätzlicher Pluspunkt: Die Statue der heiligen Hedwig hat nun im Eingangsbereich ebenfalls einen neuen Platz.

In Nachbarschaft
zur Statue

Denn diese ist gewissermaßen der Grund für den Umbau. Als die Pfarrei vor zwei Jahren eine neue Lautsprecheranlage installieren ließ, musste einer der Lautsprecher genau an den Ort des Altarbereichs, wo die Statue bislang stand. Da aber eine Hedwigskirche nicht ohne Hedwigsstatue geht, mussten Zach und sein Team einen neuen Platz suchen – und fanden ihn links vom Eingang. Dort stand aber ursprünglich ein Schrank, sodass ein kompletter Umbau nötig wurde – dessen Kosten sich laut Zach zwischen 35000 und 40000 Euro belaufen.

Auf der anderen Seite der Hedwigsstatue, im Schrank rechts des Eingangs, ist ein großes Fenster installiert. Dort soll bald die neue Jahreskrippe zu sehen sein, in der Bibelgeschichten für Kinder nachgestellt sind. Dahinter steht ein Quartett, das neu dabei ist: Kerstin und Martin Dermberger und Reinhard und Katharina Wallner. Die beiden Familien treffen sich regelmäßig, um gemeinsam ein Bild zu gestalten: Sie nähen Kleider für die Figuren, bauen Gebäude und Hintergrundkulissen auf oder konstruieren andere Requisiten.

Dabei schöpfen sie aus einem Fundus, den ihre Vorgängerinnen angesammelt haben. Teilweise stehen sie bis zu sechs Stunden in der Kirche und arbeiten an einem Bild. „Wenn die Kinder am Ende das Bild sehen, ist dies das Schönste daran“, sagt Kerstin Demberger. Die beiden Familien haben sich erst durch die gemeinsame Krippe kennengelernt, harmonieren aber gut miteinander. „So können wir kindergerecht an den Glauben heranführen“, sagt Katharina Wallner.

Da es ein Projekt an der Fachschule für Holztechnik war, konnten Sander und Westenthanner für den Umbau kein Geld verlangen. Für die Abschlussnote könnte sich die Arbeit dennoch gelohnt haben. So klingt jedenfalls Horst Oster. Er hat das Projekt der beiden an der Fachschule betreut. „Zeichnen kann man vieles. Aber dass zwei junge Menschen das dann auch wirklich realisieren, da gibt es oft noch hohe Hürden“, sagt Oster. Die beiden hätten gut als Team harmoniert, jeder hätte seine Stärken ausspielen können. „Ich bin sehr zufrieden.“

Nach der Messe ins
Gespräch gekommen

Die Kirchenbesucher freuten sich ebenfalls über den neuen Eingangsbereich. Schon bald nach Gottesdienstende strömten zahlreiche Personen zu den jungen Architekten, um sich die Konstruktionen erklären zu lassen, oder kamen mit dem Team hinter der Jahreskrippe ins Gespräch. Und auch wenn der nächste Gottesdienst wieder ein gewöhnlicher ist – der Eingangsbereich, durch den alle in die Kirche strömen, ist es jetzt nicht mehr.

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