Rosenheim – Um die Aufenthaltsqualität in der Wein- und Adlzreiterstraße zu verbessern, sollen die Bereiche als Fußgängerzonen ausgewiesen werden. Das hatten sowohl FDP als auch SPD und „Die Partei“ gefordert. Jetzt soll eine Anliegerbeteiligung über das weitere Vorgehen entscheiden.
Franz Kroiss kämpft seit mehr als 20 Jahren für eine Fußgängerzone. Er wohnt in der Weinstraße, hat viele Jahre das „Arte vino“ betrieben und vermietet dort zudem Wohnraum. Der viele Verkehr ist ihm schon lange ein Dorn im Auge. Doch genau das könnte bald ein Ende haben. Denn die Fußgängerzone soll kommen.
Festlegung
einer Lieferzeit
Nur mit der Umsetzung tun sich die Stadträte im Moment noch schwer. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehrsfragen und ÖPNV deutlich. So sei im Moment noch nicht vollständig geklärt, ob nur die Weinstraße als Fußgängerzone ausgewiesen werden solle oder der Gesamtbereich der Adlzreiter- und Weinstraße.
„Die Einrichtung einer Fußgängerzone bedeutet, dass alle Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum entfallen und das Befahren grundsätzlich unzulässig ist“, teilt die Verwaltung mit. Zur Belieferung der Anlieger könne – ähnlich der Regelung für die bereits bestehenden Fußgängerzonen im Stadtgebiet – eine allgemeine Lieferzeit festgelegt werden. Anlieger, die private Stellplätze in Hinterhöfen oder Garagen erreichen müssten, könne dies durch die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen ermöglicht werden. Zudem müsse das Befahren für Rettungsdienst, Ver- und Entsorgungsfahrzeuge sowie die Feuerwehr gewährleistet werden.
In den vergangenen Monaten hat die Stadt die Einrichtung einer Fußgängerzone für den Einbahnstraßenabschnitt der Weinstraße zwischen Anwesen 10 und 2 untersucht. „Durch die Ausweisung einer Fußgängerzone in diesem Teilbereich kann der Bereich der Weinstraße zwischen Kaiserstraße und Adlzreiterstraße nicht mehr in beiden Richtungen geführt werden“, heißt es aus dem Rathaus. Dadurch würde eine Sackgasse entstehen, und größere Fahrzeuge, die beispielsweise den Hofbräu-Komplex beliefern, hätten keine Wendemöglichkeit. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, sowohl die Adlzreiter- als auch die Weinstraße als Fußgängerzone auszuweisen.
Doch geht es nach Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) sei auch eine weitere Lösung vorstellbar. Er regte an, jeweils einen Poller in der Färber- und Weinstraße sowie am Ludwigsplatz aufzustellen. Franz Baumann (Freie Wähler/UP) erinnerte daran, dass ein Poller bereits in der Vergangenheit auf Widerstand bei den Anwohnern gestoßen sei, weil sich die Hausbesitzer damals finanziell hätten beteiligen sollen. Eine Situation, an die sich auch Franz Kroiss nur zu gut erinnern kann. „Der Poller ist ein Verkehrszeichen. Ich habe noch nie gehört, dass Hausbesitzer dafür aufkommen müssen“, sagt er. Auch weil die gesamte Stadt von der Aufstellung profitieren würde. Ob sich die Hausbesitzer diesmal für den Poller aussprechen, bleibt abzuwarten. Zumal die Finanzierungsfrage nach wie vor im Raum steht.
Dem Vorschlag kritisch gegenüber steht schon jetzt Stadträtin Maria Knott-Klausner (FDP). „Bereits vor zehn Jahren ist die Maßnahme an den Pollern gescheitert“, sagt sie. Stattdessen sollte man lieber darüber nachdenken, ob man den Anliegern vergünstigte Stellplätze im Parkhaus anbieten könnte.
Um die Situation der Radfahrer sorgte sich hingegen Franz Opperer (Grüne). Seiner Meinung nach müssten sowohl die Wein- als auch die Adlzreiterstraße nach der Ausweisung als Fußgängerzone für die Radfahrer weiterhin offenbleiben. Laut Rechtsdezernent Herbert Hoch sei aber genau das nur möglich, wenn in den Straßen ein „Durchgangsverbot für Kraftfahrzeuge“ gelten würde. „Diese Alternative sehe ich skeptisch. Es gibt bereits viele Durchfahrtsverbote in der Stadt, die gänzlich missachtet werden“, sagt Robert Metzger (SPD).
Stimmungsbild
eingefangen
Was letztendlich umgesetzt werden soll, ist im Moment noch offen. Die Stadträte haben sich einstimmig darauf geeinigt, dass eine Bürgerbeteiligung durchgeführt wird, um ein „ungefähres Stimmungsbild“ einzufangen. Über dieses will man dann in einer der kommenden Sitzungen diskutieren. Die Anlieger können sich jetzt überlegen, ob sie eher zu einer Fußgängerzone im Gesamtbereich der Adlzreiter- und Weinstraße tendieren, den Verkehr lediglich aus der Weinstraße raushaben wollen oder doch die von der CSU vorgeschlagene Poller-Lösung favorisieren.
Der Rosenheimer Franz Kroiss könnte sich mehrere Varianten vorstellen. Nur eins ist für ihn ganz sicher: Es braucht eine Fußgängerzone.