Rosenheim – Zuerst war ich skeptisch. Lachen und Yoga, was hat das schon miteinander zu tun? Erzählen wir uns gegenseitig Witze oder geht nur darum, Yoga-Übungen mit einem Lächeln zu bewältigen? All diese Fragen schwirren mir im Kopf, als Inge Fechter auf meinem Bildschirm erscheint.
Coronabedingt treffen wir uns nur online via Zoom zum Lachyogakurs. Sofort begrüßt mich Inge Fechter mit einem breiten Grinsen. Und nach einer kurzen Frage- und Erklärrunde geht es auch direkt los mit den Übungen. Zum Warmwerden begrüßen wir uns noch einmal, machen Atemübungen und fühlen in uns hinein. Wie entspannt bin ich auf einer Skala von eins bis zehn? Irgendwo zwischen sechs und sieben, denke ich. Mal sehen, ob sich die Zahl im Laufe des Kurses ändert. Nach dieser kurzen Einstimmung geht es aber ans Eingemachte, und die Lachgeschütze werden ausgefahren.
Um genauer zu sein: eine Lachcreme. Wir stellen uns beide besagte Creme vor und tragen sie auf unser Gesicht auf. Dabei lachen wir mit jedem Tupfer, einfach so. Zu Beginn fällt es mir schwer, auf Kommando zu lachen, ohne Witz oder lustige Situation, sondern einfach nur, weil sich spätestens danach ein gutes Gefühl im Bauch breitmacht.
Ich habe aber nicht lange Zeit, darüber nachzudenken. Schlag auf Schlag geht es weiter mit den nächsten Übungen. In einen Luftballon pusten wir all unseren Stress und lassen ihn dann mit einem Lachen los. Mit dem Herzöffnungslachen, wie es der Name schon sagt, öffnen wir mit einem Lachen unser Herz und lassen unsere Sorgen fallen. Aber auch unsere Wünsche für die kommende Woche verarbeiten wir mit einem Lachen. In einen imaginären Lach-Cocktail mixen wir deshalb alle Zutaten, die wir für eine gute Woche brauchen. Sobald die Mischung stimmt, spülen wir das Getränk mit einem Lachen hinunter. Mit der Zeit gewöhne ich mich auch an das zunächst ungewohnte Lachen. Es macht sich ein wohliges Gefühl breit, mein Zwerchfell ist angespannt und meine Lachmuskeln haben keine Zeit, sich zu entspannen.
Zum großen Finale stellt mich Inge Fechter vor die Aufgabe, einen ganzen Meter durch zu lachen. Dabei presse ich meine Hände vor der Brust zusammen und beginne dann langsam, meine Arme zu voller Spannweite auszufahren. Natürlich geht das alles nicht ohne Lachen vonstatten. Je weiter ich meine Arme ausfahre, umso herzhafter soll ich lachen. Nachdem wir uns in allen Übungen „ausgelacht“ haben, ist es Zeit, wieder einen Blick auf die innere Skala zu werfen. Und tatsächlich: Ich bin entspannter als zuvor. Obwohl ich mir oft blöd dabei vorgekommen bin – zum Beispiel ohne Grund einem imaginären Luftballon hinterher zu lachen – kann man die positive Wirkung der Übungen nicht abstreiten. Es mag zwar anfangs Überwindung kosten, aber im Nachhinein bleiben ein gutes Gefühl und eine positivere Grundhaltung zurück.Kilian Schmöller