Die Erinnerung an das Leid wachhalten
Mahnen, die Schrecken des Krieges nicht zu vergessen: (von links) der frühere Zweiter Bürgermeister Rosenheims, Anton Heindl, Rosenheims Oberbürgermeisterin a.D. Gabriele Bauer und der Vorsitzende der Rosenheimer Krieger- und Soldatenkameradschaft, Rudolf Hötzel. Fotos Schlecker
Ehrenmitgliedertreffen der Rosenheimer Krieger- und Soldatengemeinschaft
Rosenheim – Es ist angerichtet. Im Happinger Hof kommt an diesem Nachmittag die Krieger- und Soldatenkameradschaft Rosenheim zusammen. Um die Ehrenmitglieder des Vereins zu würdigen, darunter auch die frühere Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, langjährige Unterstützerin des Vereins, und Rosenheims früherer Zweiter Bürgermeister Anton Heindl.
Eigentlich ein
Heimatverein
Einige haben den Zweiten Weltkrieg noch selbst miterlebt. Heinz Scheffler ist einer davon. Der 82-Jährige lebte als Kind in Schlesien, von wo er vertrieben wurde. „Die Front war ganz nah, ab und an ging ein Schuss nur knapp an uns vorbei“, erinnert er sich und bleibt pragmatisch: „Was soll man da machen?“, sagt er im Blick auf seine Erlebnisse. Er selbst war später über die Bundeswehr bei einer Arbeitskompanie der Amerikaner tätig und in Frankreich stationiert.
Seine Frau Ingeborg wiederum kam über ihre Mutter zur Soldatenkameradschaft. Bei ihr ist der Verein mehr oder minder Familiensache. Schon der Großvater, noch als Feldwebel im Krieg gewesen, war Mitglied und engagierte sich später musikalisch für die Gemeinschaft. Auch die Mutter der 78-Jährigen mischte mit, war in den 80er-Jahren als Pressereferentin aktiv. 2004 übergab sie diese Aufgabe an ihre Tochter Ingeborg.
Franz Polland war vier Jahre als Stabsunteroffizier bei der Bundeswehr in Brannenburg. Nach seinem Ausscheiden kam der Vorstand der Kameradschaft auf ihn zu und fragte, ob er sich im Verein engagieren will. Wer den Vorsitzenden der Rosenheimer Verkehrswacht kennt, ahnt, dass sich der Rosenheimer nicht lange bitten ließ, wenngleich er lange Jahre nur als passives Mitglied der Gemeinschaft angehörte. 2015 schließlich rückte der 73-Jährige in die Vorstandschaft des Vereins und hält als Fähnrich bei feierlichen Anlässen des Vereins die Fahne hoch. Polland hat die Schrecken des Krieges nicht mehr erleben müssen. Dafür aber die Entbehrungen in den ersten Jahren danach. Wenngleich er lacht, als er berichtet, wie er die alten Sachen seiner drei älteren Brüder auftragen musste. Selbst das Spielzeug reichten die Eltern von einer an die nächste Generation weiter.
Das kann sein Sitznachbar Richard Neumeier nur bestätigen. Der 83-Jährige hat noch hautnah mitbekommen, wie die Amerikaner in Deutschland einmarschierten und sich der so genannte Volkssturm gegen die potenziellen Besatzer zur Wehr setzte. „Wir hockten unten im Kartoffelkeller“, berichtet er von dem Moment, als die für ihn Fremden auf den Bauernhof der Eltern kamen. Gemeinsam mit der Familie versteckten sich auch deutsche Soldaten dort, die sich von der Wehrmacht losgesagt hatten.
„Kommt hoch,
wir schießen nicht!“
Es herrschte Angst, wohl auch, weil außer der deutschen Propaganda niemand etwas über die Soldaten aus den USA wusste. Vielleicht auch, weil die Soldaten mit Panzern bis zum Hof der Eltern vorgefahren waren. „Kommt hoch, wir schießen nicht!“, waren die erlösenden Worte eines US-Soldaten, der die Familie und die desertierten deutschen Kämpfer dazu bewog, ihren Unterschlupf im Keller zu verlassen.
Polland und Neumeier schätzen an der Krieger- und Soldatenkameradschaft vor allem den Zusammenhalt und dass sie die Tradition aufrecht erhält. Letzteres bedeutet für Polland aber vor allem, den Blick auf das Kriegsgeschehen nicht heroisch zu verklären: „Man muss sich immer wieder daran erinnern, in welch guter Zeit wir leben und welches Leid der Zweite Weltkrieg angerichtet hat“, mahnt er.
Das findet auch Rosenheims frühere Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: „Ich bin ausgesprochen dankbar, dass ich den Krieg nicht mehr erleben musste“, sagt die 1952 geborene Bauer. „Wir sind nicht da, um den Krieg zu verherrlichen, sondern wir sind da, um ihn ins richtige Licht zu stellen.“
Heinz Scheffler
Franz Polland
Richard Neumeier
Ingeborg Scheffler