Verzweiflung und Ratlosigkeit

von Redaktion

Reaktionen der Schausteller auf die Absage des Rosenheimer Christkindlmarktes

Rosenheim – Depression, Ratlosigkeit und Verzweiflung: Die Absage des Rosenheimer Christkindlmarktes trifft die Schausteller in der Region hart. Alternativen gibt es nicht. Dafür etliche Fieranten, die auf ihrer Ware festsitzen und um ihre Existenz bangen.

Empfehlung des
Gesundheitsamtes

Am Dienstag stand Schausteller Alexander Hermann noch auf dem Max-Josefs-Platz, hat nachgemessen, wo welche Hütten aufgestellt werden sollen, und die gelben Markierungen bereits aufs Pflaster gesprüht. Er hat mit Wirten gesprochen, in Erinnerungen geschwelgt und sich auf die kommenden Wochen gefreut, in denen er – wie bereits in der Vergangenheit – seine Mandeln verkaufen kann. Drei Tage später sitzt er zu Hause und weiß nicht so recht, wohin mit sich und seiner Ware. „Ich bin enttäuscht und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.“

Wie berichtet, hatte die Stadt am Mittwochabend in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sie dem Wirtschaftlichen Verband die Ausrichtung des diesjährigen Christkindlmarktes nicht gestattet. „Diese Entscheidung beruht auf einer nachdrücklichen Empfehlung des Rosenheimer Gesundheitsamts auf den Verzicht öffentlicher Veranstaltungen und Zusammenkünfte in dieser Phase eines dynamischen Infektionsgeschehens“, heißt es.

Doch wirklich verstehen können Alexander Hermann und seine Schaustellerkollegen die Entscheidung nicht. So hatten sie unter anderem vorgeschlagen, für den Christkindlmarkt eine Maskenpflicht zu verhängen. Auch eine 2G-Regel sei vorstellbar gewesen. „Wir hätten geimpfte und genesene Besucher mit Armbändern ausgestattet. Die Nachweise hätten wir vor dem Verkauf der Ware kontrollieren können“, sagt Max Fahrenschon, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller.

Wenige Stunden vor der offiziellen Absage hatte er sich in einem Schreiben an Oberbürgermeister Andreas März und Ordnungsamtsleiter Oliver Horner dafür eingesetzt, dass der Christkindlmarkt stattfinden kann, „Eine komplette Absage wäre für uns existenzbedrohend und nicht verhältnismäßig“, schreibt er und weiter: „Handel und Gastronomie in den Innenräumen dürfen offen bleiben, während die Ansteckungsgefahr im Freien eigentlich sehr viel geringer ist.“ Gebracht hat sein Brief nichts. Und auch einen „Winter in Rosenheim“ oder das „Kultürchen“ wird es in diesem Jahr nicht geben. Damit schwindet auch die letzte Hoffnung der Schausteller, wenigstens einen kleinen Umsatz machen zu können. „Wir sind am Boden zerstört“, sagt Lothar Horländer, der gemeinsam mit seiner Frau seit 29 Jahren auf dem Christkindlmarkt vertreten ist.

Für ihn sei die Situation eine Katastrophe. Er habe bereits Waren bestellt, Hotelzimmer für seine Mitarbeiter gebucht. „Einen Teil der Bestellungen konnten wir zum Glück stornieren“, sagt er.

Weniger Erfolg mit der Rückgabe hatte Alexander Hermann. Er habe Waren im Wert eines hohen vierstelligen Betrags bestellt. Weil es sich dabei um verderbliche Lebensmittel handelt, bleibe er auf seinen Einkäufen sitzen. „Ich habe eine große Kühlung, mal schauen, wieviel ich da unterkriege“, sagt er. Für ihn bedeute die Absage nicht nur einen hohen finanziellen Verlust, sondern auch eine eher trostlose Vorweihnachtszeit, wie er sagt.

Etwas optimistischer äußert sich Heinz Krimplstötter. Der Schausteller verkauft bereits seit über 20 Jahren seine Mandeln auf dem Max-Josefs-Platz. „Ich kann die Entscheidung nachvollziehen“, sagt er. Traurig sei er trotzdem. Auch er werde auf einem Teil seiner Ware sitzen bleiben, zudem habe er bereits Plexiglasscheiben und Aufkleber für den Boden gekauft. Für beides habe er nun keine Verwendung mehr. Die Hoffnung bleibt, dass es zumindest Corona-Hilfen gibt, um einen Teil des Verlusts auszugleichen.

Hertreiter zeigt
sich enttäuscht

Enttäuscht zeigt sich auch der Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbands, Klaus Hertreiter. Der Veranstalter des Rosenheimer Christkindlmarktes klagt darüber, dass die Absage recht kurzfristig erfolgt sei. Am Ende aber müssten die politischen Verantwortlichen der Stadt entscheiden. Ihm tun vor allem die Schausteller und Einzelhändler leid, die unter der Absage leiden müssten. „Die Absage hat Folgen, bei allem Verständnis für die medizinische Lage.“

Das können Alexander Hermann, Lothar Horländer und der Rest ihrer Schaustellerkollegen nur unterstreichen.

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