Ein Mitarbeiter der Stadtgärtnerei schneidet mit der Kettensäge ein Stück der Rinde ab.
Rosenheim – Die Stadt Rosenheim schmückt sich fürs Fest: Auf dem Max-Josefs-Platz haben die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei gestern Vormittag den Christbaum aufgestellt. Geschmückt wird in der kommenden Woche – nach der Absage des Christkindlmarktes immerhin ein kleiner Trost.
Abschied ist
nicht leicht gefallen
Leicht gefallen ist Heike Eisele der Abschied nicht. Die Rosenheimerin steht vor ihrem Haus in der Kampenwandstraße und blickt auf die knapp zwölf Meter große Weißtanne, an der sie in den vergangenen 15 Jahre immer vorbeigegangen ist, wenn sie das Haus verlassen hat. Ab morgen wird das Bild ein anderes sein. Denn Heike Eisele und ihr Mann Jürgen haben sich bereit erklärt, den Baum zu stiften. „Am Anfang wollten wir erst nicht“, erinnert sich Jürgen Eisele. Er sei gerade aus Amerika zurückgekehrt, als ihm eine Nachbarin mitteilte, dass ein „Mann von der Stadtgärtnerei“ an seinem Baum interessiert sei.
Seit 30 Jahren
auf der Suche
Besagter Mann ist Peter Gabler, der sich bereits seit 30 Jahren um den Christbaum auf dem Max-Josefs-Platz kümmert. Jedes Jahr sei er in Rosenheim und der Umgebung unterwegs und schaue sich nach einem geeigneten Baum um. „Es ist wichtig, dass die Tanne gleichmäßig mit Ästen garniert ist und nicht nur einseitig“, sagt Gabler. Die zwölf Meter hohe und anderthalb Tonnen schwere Tanne an der Kampenwandstraße habe dieses Kriterium erfüllt.
Gestern rückte Gabler dann, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern aus, um den Baum zu fällen. Treffpunkt war um 7 Uhr. Es ist kalt, ein leichter Nebel liegt über der Stadt. Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei tragen dicke, orange-grüne Jacken, Helme und Ohrenschützer. Noch einmal wird der Baum betrachtet, dann beginnen die Vorbereitungen. Ein Mitarbeiter der Stadtgärtnerei wickelt Seile und Gurte um die Tanne und befestigt diese an den Karabinerhaken des Krans. „Da kommt jetzt ganz leicht Spannung drauf“, erklärt Peter Gabler. Dadurch soll verhindert werden, dass der Baum nach der Fällung in eine Richtung kippt.
Anschließend markieren die Männer die Stelle, an der gefällt werden soll und messen den Durchmesser des Stamms. Denn dieser muss später in das 1,20 Meter tiefe Loch am Max-Josefs-Platz passen. Weil er an einigen Stellen noch zu dick ist, sägt einer von Gablers Kollegen mit einer Kettensäge Teile des Stamms ab.
Nachdem der untere Teil der Tanne die gewünschte Breite hat, beginnt die Fällung. „Es tut schon weh. Die Tanne hat halt dazugehört“, sagt Heike Eisele, die den gesamten Vorgang gemeinsam mit ihrem Mann und einigen Nachbarn beobachtet hat. Doch ihre Meinung ändern kann sie nicht mehr, denn im Hintergrund haben die städtischen Mitarbeiter bereits mit der Fällung begonnen. Wenige Minuten später hängt der Baum in der Luft und Peter Gabler nickt zufrieden. Kurz bevor die Tanne verladen wird, wird noch eine Eisenplatte am Ende des Stamms befestigt, „damit er satt aufliegt“, wie Gabler sagt.
Polizei als
Geleitschutz
Eine halbe Stunde später liegt die zwölf Meter lange Tanne auf dem Anhänger des Traktors. Flankiert von Einsatzkräften der Polizei wird der Baum von der Kampenwandstraße über den Brückenweg in die Innenstadt gebracht. „So ein schöner Baum“, sagt ein Passant, als die Tanne an ihm vorbeifährt. Noch schnell zückt er seine Kamera und hält den Moment fest. Dann setzt er seinen Weg in die entgegengesetzte Richtung fort.
Aufbau in
neuer Rekordzeit
Am Max-Josefs-Platz angekommen, sperren die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei einen Teil des Platzes ab und stellen ihre Warnschilder auf. Dann wird die Tanne mithilfe des Krans vom Anhänger gehoben und in die richtige Position gebracht. 20 Minuten später steht der Baum an der für ihn vorgesehenen Stelle. „Das hat richtig gut geklappt“, sagt Gabler.
Kommende Woche wird aus der Weißtanne ein echter Rosenheimer Christbaum: Dann nämlich werden die Lichterketten aufgesteckt. „Jetzt bereitet unsere Tanne den Rosenheimern eine Freude. Einen schöneren Abschied für einen Baum gibt es nicht“, sagt Jürgen Eisele. Ein bisschen wehmütig klingt er trotzdem.