„Das wird die Zukunft sein“

von Redaktion

CSU und SPD wollen durch soziale Auflagen beim Bau günstigen Wohnraum schaffen

Rosenheim – Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Rosenheim bleibt angespannt. SPD und CSU wollen deshalb versuchen, durch soziale Auflagen beim Bau günstigen Wohnraum zu schaffen. Wie das aussehen könnte, zeigt ein Blick nach München. Und auch in Rosenheim gibt es einen ersten Investor, der mit gutem Beispiel vorangehen will.

Neues
Hochhaus

Die Hochhäuser an der Wittelsbacher Straße, direkt zwischen Finanz- und Landratsamt, sind in die Jahre gekommen – energetisch, aber auch baulich. Um die Situation für die Bewohner zu verbessern und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, haben sich das Architektenbüro „Leupold Brown Goldbach“, Werndl & Partner sowie die Familie Steegmüller von der Flötzinger Brauerei – wie berichtet – zusammengetan. Neben der Aufwertung der bestehenden Gebäude soll ein neues Hochhaus mit 75 Wohnungen entstehen.

Und genau hier kommen die Pläne der CSU und SPD ins Spiel. Bereits im November hatte die SPD in einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gefordert, das „Rosenheimer Modell“ fortzuschreiben. Bei Baugebieten mit mehr als 10000 Quadratmetern Fläche wird nur dann Baurecht geschaffen, wenn die Stadt einen Anteil von bis zu 35 Prozent der Flächen erwerben kann, um dort selbst zu bauen. Diese Regelung will die SPD nun um das Instrument der sozialen Bodennutzung, kurz Sobon, erweitern. Wie Letzteres funktioniert, zeigt ein Blick in die kreisfreie Stadt München. „Die sozialgerechte Bodennutzung ist ein wichtiges Instrument im Münchner Wohnungsbau“, teilt die Stadt auf ihrer Internetseite mit. Sie werde bei allen Bebauungsplänen angewendet, die Kosten und Lasten auslösten und zu einer deutlichen Bodenwertsteigerung für die Eigentümer führten.

Mit anderen Worten ausgedrückt, versteht man unter sozialer Bodennutzung ein Tauschgeschäft zwischen Stadt und Investor. Heißt: Will ein Investor von der Stadt Baurecht, muss er Gegenleistungen erbringen, die der Allgemeinheit dienen. So müssen Investoren, die in München bauen wollen, beispielsweise Flächen für Erschließungsstraßen abtreten oder sich an den Kosten für Kindertagesstätten und Grundschulen beteiligen. In München kam die Soziale Bodennutzung bisher bei 176 Bebauungsplänen zum Einsatz, wodurch unter anderem 9275 Kindergartenplätze und 113 Grundschulklassen finanziert wurden.

Geht es nach der Rosenheimer CSU und SPD, soll dieses Konzept jetzt auch in der Stadt zum Einsatz kommen. „Die Lage auf dem Rosenheimer Wohnungsmarkt hat sich nicht entspannt. Im Gegenteil: Quadratmeterpreise von 13 Euro und mehr sind selbst bei Bestandsimmobilien keine Seltenheit mehr“, sagt Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. In seinen Augen sei es deshalb unabdingbar, dass die Stadt die Instrumente der sozialen Bodennutzung erweitert. Ziel sei es, jenen Anteil am Wertzuwachs des Grundstücks, der durch Schaffung und Erhöhung des Baurechts entstanden ist, abzuschöpfen, um die Folgekosten, die durch das geschaffene Baurecht entstehen, nicht allein der Allgemeinheit aufzulasten. Zudem müsse gelingen, für jene Menschen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage seien, an Wohnungen zu gelangen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Wohnraum für die Mittelschicht und Einheimische will auch Herbert Borrmann schaffen. „Jeder redet immer nur von preiswertem Wohnraum, aber keiner sagt, wie das funktionieren soll“, kritisiert der Fraktionsvorsitzende der CSU.

Auch er ist davon überzeugt, dass die Sobon ein Modell der Zukunft ist. Umso erfreuter sei man gewesen, dass sich ein Rosenheimer Investor bereit erklärt habe, diesen Versuch zu wagen. Und das, obwohl es noch keine verbindlichen Regeln in der Stadt gibt, wie das Konzept funktionieren könnte. „So etwas hat es bis jetzt noch nicht gegeben“, sagt Abuzar Erdogan.

Und doch haben Florian Eisner, Geschäftsführer bei Werndl & Partner und Lorenz Stiglauer, Geschäftsführer der Flötzinger Brauerei, zugestimmt. „Wir können nicht das gesamte Wohnungsnot-Problem lösen. Aber wir können unseren Teil dazu beitragen. Das ist schon mehr als jeder vor uns getan hat“, sagt Stiglauer.

Vierwöchiges Vorkaufsrecht

Viel muss in den kommenden Monaten noch geklärt werden. Schon jetzt scheint festzustehen, dass es für die entstehenden Wohnungen an der Wittelsbacher Straße ein vierwöchiges Vorkaufsrecht für Rosenheimer geben soll. Was dann noch nicht vermarktet ist, soll Rosenheimer Firmen angeboten werden. „Für uns ist das eine Win-win-Situation. Das wird die Zukunft in Rosenheim sein“, sagt Erdogan.

Bis es soweit ist, muss der Antrag allerdings erst einmal in einem der kommenden Ausschüsse besprochen werden. Schon jetzt freut sich Florian Eisner über die „gemeinsame und sehr zustimmende Aussage der beiden Parteivertreter zum Projekt“. Vor allem die in der Vergangenheit immer wieder kritisierte Nähe des Hochhauses zur Christkönig-Kirche sei von beiden Politikern nicht negativ bewertet worden.

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