In der Kurve lauert die Gefahr

von Redaktion

Kontrolle Lkw-Fahrer müssen ab sofort mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen

Rosenheim – Bei Regelverstößen im Straßenverkehr gilt seit vergangener Woche ein neuer Bußgeldkatalog. In der Chiemseestraße hat die Rosenheimer Polizei jetzt kontrolliert, ob sich Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen an die Schrittgeschwindigkeit halten. Doch können Unfälle dadurch tatsächlich verhindert werden?

Zehn Kollegen
im Einsatz

Es rauscht und knackt, dann ertönt eine Männerstimme aus dem Funkgerät, das an Robert Maurers Jacke befestigt ist. Der Polizeihauptkommissar hört aufmerksam zu, nickt und gibt seinem Kollegen eine Anweisung. Wenige Minuten später winkt dieser mit der Polizeikelle einen Lkw aus dem Verkehr. „Er scheint zu schnell rechts abgebogen zu sein“, sagt Maurer, der an diesem Morgen gemeinsam mit zehn weiteren Polizisten im Einsatz ist. Ein Teil der Gruppe hat sich an der Kreuzung Innsbrucker-/ Chiemseestraße aufgestellt, der Rest steht einige Meter weiter und wartet auf die Anweisungen. Fällt den Polizisten an der Kreuzung ein Verstoß auf, geben sie diesen über Funk an ihre Kollegen weiter, die sich um die weitere Abwicklung kümmern. Wie eben bei dem Lkw mit Rosenheimer Kennzeichen.

Der Fahrer kurbelt das Fenster runter, reicht den beiden Polizisten Führerschein, Fahrerkarte, Zulassungs- und Ausweispapiere. Zurück im Polizeiauto schiebt Ludwig Epp die Fahrerkarte ins Kontrollgerät. Sofort ploppen auf seinem Bildschirm mehrere Fenster auf. In einem kann er sehen, ob sich der Fahrer an seine Lenk- und Ruhezeiten hält. In einem anderen, ob er gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung verstoßen hat. Konzentriert schaut Epp auf die Grafik. Mit dem Finger zeigt er auf den Abschnitt, der genau zeigt, wie schnell er gefahren ist, als er vor wenigen Minuten von der Innsbrucker Straße rechts in die Chiemseestraße abgebogen ist.

Laut dem neuen Bußgeldkatalog dürfen Lkw-Fahrer innerorts beim Rechtsabbiegen nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren. „Das heißt zwischen vier und sieben km/h, maximal aber elf km/h“, erklärt Maurer. Wer schneller fährt, muss nicht nur ein Bußgeld von 70 Euro bezahlen, sondern bekommt zudem auch noch einen Punkt in Flensburg.

Eine Strafe, welche der Lkw-Fahrer, den die Polizisten vor wenigen Minuten aus dem Verkehr gezogen haben, knapp entgangen ist. „Er ist mit neun km/h rechts abgebogen“, sagt Ludwig Epp, während er dem Lkw-Fahrer seine Unterlagen zurückgibt und ihm die Erlaubnis zum Weiterfahren erteilt. Dann richten die Polizisten ihren Blick wieder auf die Straße und warten auf den nächsten Verstoß.

„Bei den Kontrollen geht es uns nicht darum, Bußgelder einzukassieren, sondern die Lkw-Fahrer für die besonderen Gefahren an den Kreuzungen zu sensibilisieren“, sagt Maurer.

Dass dies notwendig ist, zeigt ein Blick auf die Unfallstatistik des vergangenen Jahres. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat es in der Stadt, wie berichtet, 44 Unfälle mit Schwerlastverkehr gegeben – drei davon mit tödlichem Ausgang. Erst Anfang November wurde außerdem eine zehnjährige Radfahrerin an der Kreuzung Innsbrucker-/ Chiemseestraße schwer verletzt, nachdem sie ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen übersehen hatte. Die Hoffnung ist jetzt, dass die neue Regelung dabei hilft, Unfälle wie diese zu verhindern.

Entschärfung
durch Entkopplung

Und noch eine Lösung scheint vorstellbar. Zumindest wenn es nach einigen OVB-Lesern und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) geht. Sie alle schlagen eine getrennte Ampelschaltung vor. So gibt es viele Kreuzungen in der Stadt, an denen Rechtsabbieger, gleichzeitig mit den Fußgängern, die geradeaus gehen, Grün bekommen. Hier brauche es eine Entkopplung, um die Situation zu entschärfen.

„Man sollte sich den Vorschlag genauer anschauen, die Schaltung vor Ort ausprobieren und schauen, welche Auswirkungen die Veränderungen auf die einzelnen Verkehrsteilnehmer hat“, sagt Polizeihauptkommissar Robert Maurer. Erst dann könne man sagen, ob eine entkoppelte Ampelschaltung tatsächlich dazu beitragen würde, Unfälle zu verhindern. „Sollte das tatsächlich der Fall sein, sollte man natürlich über eine konkretere Umsetzung nachdenken“, sagt Maurer, während er bereits den nächsten Lkw aus dem Verkehr winkt.

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