„Ich habe am Telefon gekreischt“
Die neue Pathologin Ela Atay (Sevda Polat) lebt sich schnell an ihrem neuen Arbeitsplatz im Rosenheimer Kommissariat ein. Foto ZDF/Linda Gschwentner
Interview Sevda Polat spielt bei den „Rosenheim-Cops“ die Pathologin Ela Atay
Rosenheim – Nach fünf Jahren hat Sina Wilke die „Rosenheim-Cops“ verlassen. Ihre Nachfolgerin, Schauspielerin Sevda Polat, ist heute Abend um 19.25 Uhr zum ersten Mal in der Rolle der Pathologin Ela Atay zu sehen. Ein Gespräch über ihr Online-Casting, Bogenschießen und warum man die Folge heute Abend auf keinen Fall verpassen sollte.
Mit zwölf Jahren habe ich einen Monolog aus dem Buch „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind geschrieben und diesen auf einer kleinen Bühne vor meinen ganzen Klassenkameraden aufgeführt. Und das, obwohl ich als Kind relativ introvertiert und sehr unsicher war. Ich habe damals nicht viele Möglichkeiten gefunden, um mich auszudrücken. Aber als ich auf dieser kleinen Bühne mein Stück vorgetragen und die Gesichtsausdrücke meiner Klassenkameraden gesehen habe, wusste ich, dass ich meine Berufung gefunden habe.
Mit Bühne und Kamera habe ich tatsächlich noch nie ein Problem gehabt. Beides habe ich immer ausgeblendet und bin direkt in der Rolle gewesen. Alles andere habe ich gar nicht so richtig wahrgenommen. Ich glaube, da hat auch jeder eine ganz andere Herangehensweise und eine andere Art, damit umzugehen.
Mein Vater wollte, dass ich etwas Gescheites lerne. Ich habe mich von ihm beeinflussen lassen und habe auch Angst bekommen, dass es mit der Schauspielerei vielleicht nicht funktionieren könnte. Ich habe dann BWL auf Bachelor studiert. Ich habe den Abschluss gemacht, aber nie in diesem Bereich gearbeitet. Es hat bestimmt nicht geschadet, aber im Endeffekt bin ich dann ja wieder zur Schauspielerei gekommen.
Ich spiele eine Nebenrolle in dem Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ von Andreas Dresen, einem der wohl bekanntesten und großartigsten Regisseure Deutschlands. Diesen Film haben wir 2020 gedreht. Durch Corona hat sich das alles ein wenig gezogen. Im kommenden Jahr soll dann die Premiere auf der Berlinale stattfinden, anschließend wird er in allen Kinos zu sehen sein.
Ich habe bei den Rosenheim-Cops in den vergangenen Jahren immer mal wieder kleinere Rollen gehabt. Das waren alles Tagesrollen. Mal war ich eine Kellnerin, mal eine Yoga-Lehrerin. Dadurch kannte ich auch schon Masken- und Kostümcrew. Und schließlich habe ich davon erfahren, dass die Stelle der Pathologin neu besetzt werden soll. Gesucht wurde eine junge Frau mit Migrationshintergrund, die sehr korrekt in ihrer Arbeit ist und sich manchmal zu viel rausnimmt. Es hat dann ein Online-Casting gegeben und eine Weile danach habe ich die Nachricht bekommen, dass ich die Rolle habe.
Ich habe ins Telefon gekreischt und mich gefreut, als ob ich im Lotto gewonnen habe.
Ich habe schon hin und wieder die Rosenheim-Cops geschaut. Aber bestimmt nicht jede Folge, das wäre gelogen, wenn ich das jetzt behaupten würde. Aber die Serie ist einfach ein Urgestein des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Die Rosenheim-Cops kennt wirklich jeder. Es ist eine unglaublich angenehme Serie, bei der man mal ein bisschen abschalten kann. Ich habe mir sehr gerne die Rollen und die Charaktere angesehen, auch weil bei den Rosenheim-Cops unglaublich großartige Schauspieler dabei sind. Dass ich jetzt selber dabei sein darf, ist für mich eine große Ehre.
Sehr herzlich. Die Atmosphäre am Set ist sehr familiär. Ich bin am Anfang mit viel Ehrfurcht an die Sache rangegangen, weil dort sehr viele bekannte Schauspieler dabei sind, die ich sehr schätze. Am ersten Tag war ich natürlich sehr aufgeregt. Ich habe mich in den ersten Wochen aber selbst auch wahnsinnig unter Druck gesetzt, dass ich da mithalten kann mit solchen Größen. Aber sie haben es ganz selbstverständlich hingenommen, wenn ich mal einen Texthänger hatte.
Ela Atay ist sehr überkorrekt. Da muss immer alles passen. Sie nimmt sich schon ein bisschen wichtig und mischt sich hin und wieder in die Angelegenheiten von Kollegen ein. Überkorrekt bin ich privat zum Beispiel gar nicht. Ich mag es natürlich auch gerne, Dinge richtig zu machen, gestehe mir aber auch Fehler ein. Da habe ich überhaupt kein Problem damit. Im Gegenteil. Und das ist wohl der größte Unterschied zwischen Ela und mir. Aber es gibt auch Dinge, in denen wir uns sehr ähneln. Beispielsweise wie sie lächelt, eine Augenbraue hebt oder Witze reißt.
Ja, es war total schön, zu beobachten, wie viele Menschen bei den Dreharbeiten stehengeblieben sind, weil sie uns erkannt haben. Ich war vor zwölf Jahren schon einmal für ein Bewerbungsgespräch in Rosenheim. Ich war damals total überrascht, wie unglaublich hübsch und malerisch Rosenheim ist. Ein richtig schöner touristischer Bilderbuchort.
Mein Einstieg in das Team ist meines Erachtens sehr interessant geschrieben. Das habe ich so bei den Rosenheim-Cops selten gesehen. Da haben sich die Autoren ein bisschen was getraut, was ich großartig finde, auch wenn es vielleicht nicht so richtig typisch Rosenheim-Cops ist. Aber wie sich die Geschichte entwickelt, da will ich gar nicht zu viel vorausgreifen.
Ich werde mir die Folge mit meinen Freunden zu Hause auf der Couch anschauen.
Mein absolutes Lieblingshobby ist das Bogenschießen. 2017 habe ich damit angefangen. Das war damals ein totaler Zufall. Bei der Hochzeit einer Freundin hatten wir ein wenig Zeit. Viele meiner Freunde wollten diese zum Golfspielen nutzen. Ich wollte aber etwas anderes machen und habe eine Bogenparcours-Anlage gefunden. Ich bin da hin, habe den besten Trainer der Welt kennengelernt und habe die Technik in drei Stunden gelernt. Und seitdem hat mich der Sport nie wieder losgelassen.