Nur mit Test zum Tanzen

von Redaktion

2G-plus-Regeln gelten in Clubs und Bars – Neues Angebot für Abstrich bis 23 Uhr

Rosenheim – Wegen der hohen Infektionszahlen gilt in vielen Clubs und Diskotheken in der Stadt die 2G-plus-Regel. Tanzen dürfen nur noch Geimpfte und Genesene mit negativem Schnelltest. Die Betreiber fürchten deshalb einen Einbruch der Besucherzahlen – wissen sich aber zu helfen.

Markus Wunderlich ist einer, der die Dinge anpackt. Der Mann, der sich um das Tatis, die One Bar und den Eiskeller kümmert, hat – nachdem er von der 2G-plus-Regel erfahren hat – überlegt, wie er seinen Gästen einen niederschwelligen Test ermöglichen kann. Wie berichtet, können sich Betreiber von Diskotheken und Clubs seit Dienstag freiwillig für ein 2G-plus-Modell entscheiden. Wobei das Wort freiwillig eher relativ ist. Denn nur wer zusätzlich zu seiner Impfung oder Genesenennachweis einen negativen Schnelltest vorlegen kann, darf ohne FFP2-Maske tanzen.

Tanzen mit Maske
keine Option

Weil Tanzen mit Maske weder für Markus Wunderlich, noch für seine Kollegen infrage kommt, habe er erst das Gespräch mit der Stadt gesucht und einigte sich anschließend mit Andrija Horvat auf eine Zusammenarbeit. Der Geschäftsführer des Dienstleistungsunternehmens Mediprime betreibt in der Region vier Schnellteststationen, unter anderem den Container neben dem Ballhaus. Nach mehreren Gesprächen hat Horvat beschlossen, dass der Container am Freitag und Samstag bis 23 Uhr geöffnet hat. „Wir sind gerade dabei, eine zusätzliche Kraft einzustellen und schauen mal, wie es am Wochenende läuft“, sagt Horvat.

Darauf gespannt ist auch Franz Fischer, Betreiber des „Nerdz Club“ in der Samer-straße. Zusätzlich zu dem Angebot am Ballhaus bieten er und seine Kollegen Selbsttests vor Ort an, die für einen kleinen Unkostenbeitrag unter Aufsicht genutzt werden können. „Wir wollen, dass die Leute nicht überlegen müssen, wie sie furtgehen können, sondern einfach furtgehen können“, sagt Fischer.

Wie die verschärfte Regelung angenommen wird, bleibt abzuwarten. „Ich glaube, dass wir bald wieder zusperren werden“, sagt Fischer. Und das, obwohl es in seinem Club, wie er sagt, noch keinen einzigen Corona-Fall gegeben hat. „Die Corona-Warn-App hat bei uns noch nie angeschlagen“, sagt der „Nerdz Club“-Betreiber.

Gleiches berichtet Sascha Khayat vom P2 Club in der Ruedorfferstraße. „Aber wir haben unser Hygienekonzept auch konsequent durchgezogen“, sagt er. Zusätzlich zu der Testmöglichkeit am Ballhaus bieten auch er und seine Kollegen einige Schnelltests vor Ort an. „Wenn man es nicht ausprobiert, weiß man auch nicht, ob es funktioniert“, sagt er.

Etwas weniger optimistisch äußert sich Stephan Rech, Betreiber der Lausa Bar in der Kaiserstraße. „Viel Positives hat es in letzter Zeit nicht gegeben“, sagt er. Seit er nur noch Geimpfte und Genesene in seine Bar lassen darf, seien die Umsätze eingebrochen. „Durch die 2G-plus-Regel wird das sicherlich nicht besser“, sagt er. Eine Chance will er der Regel dennoch geben – allerdings mit einem zusätzlichen Glühweinstand vor seiner Bar, der bis 22 Uhr geöffnet hat. „Ich probiere dadurch wenigstens einen Teil der Kosten reinzubekommen“, sagt Rech. Denn die Fixkosten würden auch weiterhin bleiben und müssten bezahlt werden. „Ich arbeite ja nicht zum Spaß, sondern um Geld zu verdienen.“ Und genau das sei eben im Moment nicht der Fall.

Schuld an den hohen
Infektionszahlen?

Ob Bars und Clubs tatsächlich wieder schließen müssen, scheint zumindest im Moment noch offen. Für kurze Aufregung hatte eine anonymisierte Auswertung der Luca-App für den Oktober gesorgt, die feststellte, dass vor allem in diesen Einrichtungen ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten sei. „Diese Daten spiegeln kein realistisches Bild wider“, kritisierte daraufhin Dr. Thomas Geppert aus Bad Aibling, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, in einer Pressemitteilung. „Da die Kontaktdatenerfassung im Gastgewerbe fast ausschließlich für Clubs und Diskotheken verpflichtend ist, werden hier logischerweise auch die meisten Warnmeldungen eingehen“, so Geppert weiter. Clubs und Bars seien in seinen Augen sichere Orte, die auch durch die Kontaktdatenerfassung geschützte Räume darstellen.

„Zur Nachtgastronomie sind uns keine konkreten Fälle bekannt“, bestätigt auch das Rosenheimer Gesundheitsamt. Das wiederum würde aber nicht heißen, dass es sie nicht gebe. „Bei dem vorherrschenden diffusen Ausbreitungsgeschehen ist es zunehmend schwierig, Fälle einem bestimmten Infektionsumfeld zuzuordnen“, sagt Pressesprecher Michael Fischer. Hinzu komme, dass die beschränkten personellen Kapazitäten aufgrund der exorbitant hohen täglich gemeldeten Fallzahlen derzeit eine zeitnahe und vertiefte Ermittlung nicht zuließen.

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