Den Müll auf den Straßen der Stadt in Szene gesetzt

von Redaktion

Regine Stauch (70) aus Rosenheim hält den Unrat im Bild fest und fordert von den Bürgern „Achtsamkeit statt Achtlosigkeit“

Rosenheim – Regine Stauch steht eigentlich ungern in der Öffentlichkeit. Doch ein Thema liegt ihr derzeit sehr am Herzen: die ihrer Ansicht nach unendliche Vermüllung der Stadt. „Rosenheim ist unattraktiv geworden“, meint sie – und spricht damit nach eigenen Angaben besonders vielen älteren Menschen aus der Seele.

Überall liegen Corona-Masken

Hat sie die Kamera in der Hand, sprechen viele Leute die leidenschaftliche Fotografin oft im Park an, damit sie die Ansammlungen an Unrat in Rosenheim dokumentiert. Normalerweise fotografiert die 70-Jährige die Architektur Rosenheims, steht dafür sogar früh morgens auf.

Doch seit Beginn der Corona-Pandemie springen ihr beim Fotografieren die überall herumliegenden Corona-Masken ins Auge. Sie nahm sogar selbst Schaufel und Besen in die Hand, um ihre Bildmotive frei vom störenden Abfall zu halten.

Die Idee, den Müll in Rosenheim zu fotografieren, komme aber von anderen Leuten, sagt sie bescheiden. Üblicherweise sei sie nicht der Typ, der so etwas an die Zeitung weitergebe.

Aber die große Begeisterung der Menschen, die von dem Projekt erfahren und sich selbst nicht mehr wohlfühlen mit all dem Abfall in ihrer Umgebung, habe sie darin bestärkt. Sie und ihr Umfeld sind beunruhigt und wünschen sich, dass die Vermüllung endlich aufhört.

Besonders während der Pandemie stolpert Regine Stauch an jeder Ecke über Masken, wie auch auf vielen ihrer Fotos zu sehen ist. Vor allem diese Entdeckungen haben sie auf das Müllproblem gebracht.

Die Stadt Rosenheim bestätigt, dass „die Vermüllung der öffentlichen Flächen im gesamten Stadtgebiet zunimmt“. Doch für die städtischen Mitarbeiter sei der Wettlauf gegen den achtlos auf den Boden geworfenen Müll trotz regelmäßiger Reinigung „am Ende nicht zu gewinnen“.

Die Stadt setze deshalb auf Aufklärung durch eine frühkindliche Bildung in Sachen Umwelt in den städtischen Kitas. Bürger-Müllsammelaktionen, in Rosenheim gibt es beispielsweise das „Ramadama“ in Zusammenarbeit mit der Stadt, hält Stauch für eine gute Möglichkeit, damit Rosenheim lebenswert bleibt.

Während ihrer Foto-Touren hält sie jede Art von Abfall, der ihr vor die Linse kommt, fest. Darunter: To-go-Behälter, Plastiktüten – und eben unzählige Corona-Schutzmasken.

Ihr Augenmerk verlagerte sich zusehends weg davon, den Müll einfach nur fotografisch festzuhalten. Stattdessen arrangiert sie den Unrat sogar. Gerne setzt sie den Müll mit der Umgebung „in Szene“.

Das Mittertor gehört genauso zu den Motiven, die sie in der Unschärfe im Hintergrund einfängt, wie das Rosenheimer Rathaus. Regine Stauch fotografiert die Objekte inzwischen nicht mehr nur von oben oder von der Seite, sondern geht in die Knie, damit das Umfeld des Mülls zu sehen ist.

Wichtig ist ihr ein Appell an jene Menschen, die ihren Müll auf dem Boden liegen lassen. Stauch fordert von diesen mehr Rücksicht. Sie käme nie auf die Idee, ihren Müll einfach auf den Boden zu werfen. Schließlich gebe es überall Möglichkeiten, den Müll zu entsorgen.

Aufruf zu
mehr Solidarität

Auf den Punkt gebracht: Sie wünscht sich „mehr Achtsamkeit statt Achtlosigkeit“. Insgesamt, sagt sie, soll ihr Schritt in die Öffentlichkeit keine Anklage sein. Dies zu betonen, ist ihr wichtig. Stattdessen will sie ihre Botschaft als Aufruf nach mehr Solidarität mit dem eigenen Umfeld verstanden wissen und wünscht sich schlichtweg eine saubere Stadt.

Katja Schelle

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