„Es gibt noch Luft nach oben“

Die Fugen auf dem Max-Josefs-Platz haben in der Vergangenheit immer wieder für lange Diskussionen gesorgt. Zwar haben sich die Stadträte jetzt für eine Sanierung ausgesprochen – allerdings frühestens ab 2025 (siehe Kasten). Foto  Aerzbäck

Die Fugen auf dem Max-Josefs-Platz haben in der Vergangenheit immer wieder für lange Diskussionen gesorgt. Zwar haben sich die Stadträte jetzt für eine Sanierung ausgesprochen – allerdings frühestens ab 2025 (siehe Kasten). Foto Aerzbäck

Interview BSK-Vorsitzende über Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Rosenheim – Der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) mit Sitz in Rosenheim unterstützt Menschen mit Behinderung und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Ein Gespräch mit der neuen Vorstandsvorsitzenden Sandra Gläser über die Situation in Rosenheim, die Aufgaben des Vereins und warum es immer noch viel zu tun gibt.

Wirklich bekannt ist Ihr Verein nicht.

Das stimmt. Und das, obwohl es den Verein schon seit vielen Jahren gibt. Aber wir haben im Moment auch gerade einmal zehn Mitglieder. Mein Ziel als Vorstandsvorsitzende ist es jetzt, mehr Werbung zu machen. Es ist wichtig, dass mehr Leute davon erfahren, dass es uns gibt.

Warum?

In Rosenheim leben viele Menschen mit Behinderung, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie beispielsweise Fragen zu den Themen behindertengerechte Wohnungen, Reisen mit oder ohne Assistenten oder Busverbindungen geht. Wir sind auch Ansprechpartner in Sachen Sterbehilfe, Testament, Vorsorge sowie Erbrecht und begleiten Interessierte durch den Dschungel von Behörden. Und wir wollen Missstände aufklären.

Missstände in Rosenheim?

Unter anderem. Wir sind ja Ansprechpartner für den kompletten Landkreis. Aber in Rosenheim gibt einiges, was verbessert werden könnte. So sind beispielsweise viele Gehwege zu schmal. Auch die Sanierung des Max-Josefs-Platzes ist ein Dauerthema.

Die Sanierungsarbeiten hierfür sollen frühestens 2025 beginnen.

Diese Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach hätte all das schon viel früher passieren müssen. Meine Bandscheiben schreien jedes Mal, wenn ich mit meinem Rollstuhl über das Kopfsteinpflaster fahre.

Wo gibt es sonst noch Verbesserungspotenzial?

Beim Busverkehr. Es ist mir schon des Öfteren passiert, dass ich nicht mitgenommen wurde, weil ich im Rollstuhl sitze. Zudem gibt es nach wie vor einige Geschäfte in der Stadt, die keine Rampe haben. Ich möchte nicht jedes Mal um Hilfe bitten, sondern in der Lage sein, mir selber helfen zu können. Aber es gibt auch positive Momente. So gibt es bereits viele Läden, in denen ich ohne Probleme einkaufen kann. Luft nach oben gibt es dennoch.

Seit wann sitzen Sie im Rollstuhl?

Seit 2013. Ich leite an Morbus Sudek und bekomme immer wieder schubweise Krämpfe in Armen und Beinen. Ich hatte zuvor noch nie etwas von der Krankheit gehört und musste dann von heute auf morgen mein komplettes Leben umstellen. Ich war früher jemand, der alles selbst gemacht hat und war plötzlich ein Pflegefall. Die Situation war nicht immer leicht. Aber meine Familie hat mich großartig unterstützt.

Gibt es eine Heilung?

Nein. Irgendwann werde ich auch nicht mehr in der Lage sein, meine Arme zu bewegen. Aber wir werden sehen. Ich sage immer, dass ich mich nicht nach der Krankheit richte, sondern die Krankheit sich nach mir.

Zurück zum Verein. Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir treffen uns einmal im Monat in der Schießstattstraße 7. Wir plaudern, tauschen Informationen aus und reden über Unsicherheiten. Unsere größte Sorge ist jetzt, dass wir den Verein aufgeben müssen, weil wir nicht genügend Mitglieder haben. Und das könnte durchaus passieren. Vor mir liegen also anstrengende Monate, denn genau das gilt es, zu verhindern.

Interview: Anna Heise

Wer Hilfe braucht oder Mitglied werden will, meldet sich bei Sandra Gläser unter Telefon 0174/7351196.

<p>Sandra Gläser</p>

Sandra Gläser

Mehr Infos

Die Sanierungsarbeiten am Max-Josefs-Platz beginnen frühestens 2025, zum einem wegen des angespannten Haushalts, zum anderen weil die Einzelhändler nach der Corona-Pandemie nicht unnötig belastet werden sollen. Zusätzlich stehen noch Planungsschritte und Festlegungen zur Art der Ausführung aus.

Samstag, 11. Juli 2026
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