Rosenheim – Im Juni 2024 soll der sogenannte Alpenbus starten – eine schnelle Verbindung von Murnau bis nach Rosenheim quer übers Land. Während die Landkreise Miesbach und Garmisch-Partenkirchen sowie die Kreisausschüsse von Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen bereits zugestimmt haben, hat sich die Stadt Rosenheim gegen eine Beteiligung ausgesprochen – aus Kostengründen, aber auch, weil das Augenmerk woanders liegt.
Reisezeit
von 52 Minuten
Die Entscheidung fiel innerhalb weniger Minuten: In Rosenheim soll es keinen Alpenbus geben. „Die Idee ist bei uns nicht auf Gegenliebe gestoßen“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) während der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses. Das liege unter anderem an der nach wie vor schwierigen finanziellen Lage, aber auch an der Tatsache, dass sich die Reisezeit zwischen Rosenheim und Miesbach durch den Alpenbus ihm zufolge nur minimal verbessern würde. So dauert eine Zugfahrt von Rosenheim nach Miesbach – mit Umstieg in Holzkirchen – im Moment je nach Verbindung eine Stunde. „Mit dem derzeitigen Fahrplanentwurf des Alpenbusses Ost würde sich die Reisezeit auf 52 Minuten verkürzen“, heißt es aus dem Rathaus. Statt also in den Alpenbus zu investieren, sollte der Schwerpunkt laut Verwaltung in der Aufrechterhaltung und Verbesserung des innerstädtischen Verkehrs sowie der Verflechtung zwischen Stadt und Landkreis liegen.
„Wir müssen uns darauf konzentrieren, unseren ÖPNV voranzubringen und die Taktung zu verdichten“, sagte Daniel Artmann (CSU). Die Kosten von 75000 Euro, die die Stadt in den Alpenbus investieren müsste, seien in seinen Augen besser angelegt, um den Nahverkehrsplan vor Ort umzusetzen. Zum Vergleich: Bad Tölz-Wolfratshausen zahlt bis zu 640000 Euro pro Jahr, Weilheim-Schongau 450000 Euro und Miesbach 350000 Euro. Dass es in Sachen Nahverkehrsplan noch einiges zu tun gibt, hat ein Gutachter aufgezeigt, der das Konzept für Stadt und Landkreis überarbeitet hat. So wies er unter anderem auf die fehlende beziehungsweise unzureichende Verbindung zwischen den Landkreisen Rosenheim und Miesbach hin.
In Miesbach will man diese Lücke mit dem Alpenbus schließen. Dessen Route führt entlang des Alpenkamms und soll die Landkreise Weilheim Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz, Miesbach und Rosenheim über zwei Express-Linien miteinander verbindet. Der West-Ast des Alpenbusses reicht von Murnau über Penzberg nach Bad Tölz. Der Ost-Ast führt von Bad Tölz über Waakirchen, Gmund, die Oedberglifte und Agatharied nach Miesbach und weiter nach Rosenheim. Dort hätte der Alpenbus sowohl den Bahnhof als auch den Aicherpark anfahren sollen. So jedenfalls der ursprüngliche Plan.
Doch nach der einstimmigen Entscheidung im Verkehrsausschuss, sich nicht an der Alpenbuslinie zu beteiligen, muss das Konzept wohl oder übel an der ein oder anderen Stelle überarbeitet werden. Wie genau steht allerdings noch nicht fest. „Bislang liegt uns keine offizielle Mitteilung der Stadt Rosenheim vor“, sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen, das für das Projekt federführend zuständig sind. Rosenheim sei bisher die einzige Stadt, die sich nicht an dem Projekt beteiligen wolle. „Die Gremiumsläufe sind jedoch noch nicht bei allen involvierten Partnern abgeschlossen“, ergänzt Marlis Peischer.
Wie es mit dem Landkreis Rosenheim weitergeht, scheint zumindest im Moment noch offen. Geplant sei, dass der Alpenbus sowohl das Gasthaus Pfeiffenthaler in Bad Feilnbach als auch die Kirche in Au bei Bad Feilnbach anfährt. „Aufgrund der Entscheidung des Stadtrats muss die weitere Vorgehensweise besprochen werden“, sagt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes. Wegen der Ferienzeit werde es Gespräche zwischen den Verantwortlichen vor Ort und den Planern vermutlich nicht vor Mitte Januar geben.
Projekt
der Zukunft?
In Rosenheim will man den Fokus stattdessen auf die Umsetzung des Nahverkehrsplans legen. „Wir haben genügend ÖPNV-Baustellen“, sagte März. Zustimmung erhielt er von Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU. Er sehe es nicht als zielführend, „sich mit 1000 Projekten zu verzetteln“. Lediglich Sandrine Liersch (Grüne) hinterfragte, ob es sich beim Alpenbus nicht um ein Projekt der Zukunft handeln könnte. „In der Zukunft ist vieles vorstellbar“, erwiderte März. Ein Alpenbus für Rosenheim vorerst allerdings nicht.