Rosenheim – Zum zweiten Mal hat die Corona-Pandemie auch das Weihnachtsgeschäft beeinflusst. War es im Jahr 2020 noch der zweite bundesweite Lockdown, traf die Händler im vergangenen Jahr die 2G-Regel. Dennoch ziehen die Kaufleute mit Blick auf ihre Umsätze zu Weihnachten eine verhalten positive Bilanz.
Hoffnung nach
dem „Desaster“
Grundsätzlich bewerteten Rosenheims Einzelhändler das Weihnachtsgeschäft 2021 besser als das Jahr zuvor, berichtet Rainer Pastätter, Vorsitzender des Rosenheimer City-Managements. Der Lockdown 2020 sei mangels Kundenverkehr für alle ein „Desaster“ gewesen. Im vergangenen Jahr hätten unter anderem Juweliere teilweise einen „ordentlichen Umsatz“ gemacht. Anbieter von Alltagswaren hingegen seien ob der wenigen Kunden frustriert, mitunter hätten sie weniger Kunden begrüßen dürfen als 2019. „Das Weihnachtsgeschäft macht für viele ein Fünftel ihres Jahresumsatzes aus, das haben einige nicht erreicht.“
Rund ein Drittel weniger Kunden wie in den Jahren zuvor habe es in das Schuhgeschäft von Karl-Georg Reindl gezogen, wie der Geschäftsführer berichtet. Eine „durchschnittliche Kundenfrequenz“, wie er findet. „Obwohl die 2G-Regel bei uns nicht gilt, hat man trotzdem die Auswirkungen gemerkt“, klagt der Geschäftsinhaber. Er gibt aber zu bedenken, dass Schuhe keine typischen Weihnachtsartikel seien.
„Der Schuhverkauf ist abhängig vom Wetter, nicht von Weihnachten“, sagt Reindl. Dieses Jahr habe die Witterung im Dezember mit Schnee gepasst, weshalb Reindl jene Umsätze generieren konnte, auf die er 2020 auch lockdownbedingt verzichten musste. Und er hofft, dass ihm und seiner Belegschaft ein solcher in diesem Jahr erspart bleibt. Auch auf einen Christkindlmarkt 2022 setzt der Kaufmann. „Dann kommen mehr Leute vorbei, und es wird mehr verkauft.“
Weg vom
Online-Shopping
Auf der anderen Seite merke er, dass der Trend inzwischen weg vom Online-Shopping gehe. „Immer mehr Menschen haben es satt“, will er bemerkt haben. Deswegen ist Georg Reindl für dieses Jahr guter Dinge, wenn die Menschen wieder durch die Innenstadt bummeln, Kaffee trinken und gemeinsam einkaufen gehen. Ein Erlebnis, das online nicht möglich sei.
Für den Inhaber des Rosenheimer Sportgeschäfts Intersport Siebzehnrübl, Udo Siebzehnrübl, lag das Problem in Sachen Weihnachtsgeschäft eher bei den Lieferschwierigkeiten, weniger bei der Nachfrage bei seinen Kunden. Knappheit herrsche durch coronabedingte Liefer- und Produktionsengpässe vorwiegend bei Langlaufskiern, Schnee- und Multifunktionsschuhen. „Unser Glücksfall ist, dass wir Produkte haben, die momentan im Fokus der Leute stehen. Sie wollen rausgehen und sich bewegen, dafür braucht man eine vernünftige Ausrüstung. Deshalb sind wir, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Pandemie, zufrieden mit unserem Umsatz.“ Wenngleich dieser mit dem Vorjahr nur schwer vergleichbar sei, als der Handel noch wegen des Lockdowns geschlossen war. Im Verhältnis zu anderen Geschäften gehe es seiner Branche aber ob der großen Nachfrage besser.
Hinzu kam für Siebzehnrübl die 2G-Regel in jenen Geschäften, die keine Artikel des täglichen Bedarfs anbieten. Die Regelung habe zwar Kunden ausgeschlossen, seine geimpfte und genesene Kundschaft habe sich beim Einkauf aber sicher gefühlt und diesen genossen. Für das kommende Weihnachtsgeschäft gibt sich Siebzehnrübl optimistisch: „Da glaube ich, dass wir zuverlässig aufsperren können. Wenn notwendig, mit den ganzen Vorsichtsmaßnahmen.“
Für den Vollsortimenter Kaufland mit seiner Filiale im Rosenheimer Aicherpark sei das diesjährige Weihnachtsgeschäft entsprechend den Erwartungen verlaufen. Dabei beschränkt sich das Unternehmen auf Anfrage auf seine Umsätze im Lebensmittelbereich, obgleich die Filialen auch einen erklecklichen Anteil sogenannter Non-Food-Artikel im Sortiment hat: „Traditionell wurden für die Feiertage hochwertige Lebensmittel wie beispielsweise Großgeflügel, Fisch oder Feinkostartikel nachgefragt“, heißt es auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.
Die Media-Saturn-Gruppe, zu der auch die Rosenheimer Filiale des Media Marktes gehört, wollte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen keine Stellungnahme zu ihrem Weihnachtsgeschäft abgeben. Eine Antwort des Konzerns Galeria Kaufhof stand bis Redaktionsschluss noch aus.