Der Antiquitäten-Schorsch sagt Servus

von Redaktion

Das Rosenheimer Original Georg Kohl ist im Alter von 76 Jahren gestorben

Rosenheim – Wer von Rosenheim auf der Aisinger Straße stadtauswärts fährt und im Ortsteil Heilig Blut einen Blick nach rechts werfen kann, dem fällt ein Gebäude auf, das hauptsächlich auf Antiquitäten schließen lässt. Hier war der „Antiquitäten- Schorsch“ zu Hause. Jetzt ist Georg Kohl im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Der Kohl Schorsch, wie er am liebsten von seinen Freunden und Bekannten genannt werden wollte, war ein leidenschaftlicher Antiquitätenhändler und auf diversen Flohmärkten in Stadt und Landkreis Rosenheim eine Institution. Es gab kaum etwas, was der Schorsch in diesem Bereich nicht hatte oder zumindest wusste, wo man es bekommen und besorgen könnte. Nicht weniger „zu Hause“ war er am Stammtisch beim „Stockhammer“ am Max-Josefs-Platz und an seinem geliebten „Stammtisch im Flötzinger Festzelt“ während des Rosenheimer Herbstfestes. Dieser ursprüngliche „Ganseistammtisch“ – benannt nach dem unvergesslichen Rosenheimer Fensterputzer Peter Kerp (Spitzname Gansei) – hatte auf der Wiesn 50 Jahre lang täglich Bestand. „Do hock i scho‘ seit 50 Jahr und des jedn Tag“, hat er gebetsmühlenartig allen Bekannten immer wieder voller Stolz erzählt.

Den Platz im dichten Bierzelt hat er mit Akribie verteidigt und konnte schon mal grob auf ungebetene Gäste reagieren. Seine fortschreitende Krankheit und die Corona-Pandemie, in der schon zwei Herbstfeste ausfallen mussten, haben Kohl keinen weiteren Besuch mehr erlaubt.

Die Geschichten aus seiner Jugendzeit ließ er am liebsten im Kreise seiner Freunde im Bierzelt aufleben. Dabei waren manch haarsträubende Anekdoten dabei, war er doch früher auch Türsteher in verschiedenen Rosenheimer Nachtlokalen.

Von seinen Freunden wird er wohl treffend als ein Mensch mit Ecken und Kanten beschrieben, der aber auch sehr gastfreundlich und charmant zur Damenwelt sein konnte. Sein großes Hobby war das Fischen und oft war er dafür mit seinem Roller zu den Gewässern im Umkreis unterwegs.

Der Kohl Schorsch schätzte, was Leib und Seele zusammenhält, und wusste im ganzen Landkreis, wo es „gut und günstig zum Essen“ sei. Am liebsten kehrte er dort mit seiner Schwester Christa ein.

Georg Kohl wurde 1946 in Schloßberg geboren, kam mit vier Jahren nach Heilig Blut, wo er aufgewachsen ist. Mit 14 Jahren begann er im Hotel Crombach eine Ausbildung als Koch, die er mit gutem Erfolg abschloss, ehe ihn seine berufliche Laufbahn nach München, Wildbad Kreuth und in die Ramsau verschlug. Seine Leidenschaft für gutes Essen war bekannt. Aus einer später geschiedenen Ehe ging sein geliebter Sohn Peter hervor.

Antiquitäten, Flohmärkte, Fischen, Feste, Herbstfest, das war sein Leben. Er kannte alle und jeden und und ebenso viele ihn. Der Kohl Schorsch war ein echtes Original, das laut und recht deutlich sein konnte. Umso leiser hat er sich nun verabschiedet. Er ruht im Gedenkwald Au bei Bad Feilnbach. Franz Ruprecht

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