Rosenheim – Ein 200 Jahre altes Stück Geschichte befindet sich nun vor dem Gebäude des Hauptzollamtes Rosenheim: eine weiß-blaue, aus Gusseisen gefertigte Grenzstange.
Solche Grenzpfähle standen einst überall in Bayern. Sie waren aufgrund einer Grenzvermessung unter der Herrschaft von König Max I. Joseph ab 1822 an Bayerns Grenzen aufgestellt worden. Das Rosenheimer Exemplar ist 3,85 Meter hoch und hat an seiner dicksten Stelle einen Durchmesser von 20 Zentimetern. Nicht originalgetreu ist der angebrachte Schriftzug: Auf dem Schild stand ursprünglich „Königreich Bayern“.
Die Grenzstange hat auf ihrem Weg nach Rosenheim eine kleine Odyssee zurückgelegt. Ursprünglich stand sie einst an der Naidernachbrücke bei der Grenzkontrollstelle Griesen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der zum Hauptzollamtsbezirk Rosenheim gehört. Wohl um das Jahr 1919 wurde das Schild ausgetauscht: Aus „Königreich Bayern“ wurde „Freistaat Bayern“. Über das damals zuständige Straßenbauamt Weilheim mit einem Standort in Garmisch wurde die Stange dann an das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen weitergereicht. Dessen Kämmerer bot die Grenzstange schließlich 2008 dem Werdenfels-Museum an.
Seitdem schmückte sie den Vorplatz des Werdenfels-Museums. Als 2019 der Vorplatz umgestaltet werden sollte, kontaktierte das Werdenfelser Museum einen pensionierten Zollkollegen in Garmisch, der diese Information an den Personalrat des Hauptzollamts Rosenheim weiterleitete. Über die Presse- und Öffentlichkeitsstelle wurde dann schlussendlich alles Notwendige organisiert.
„Jetzt ist die Stange wieder zu ihren Zollwurzeln zurückgekehrt“, freut sich die Pressesprecherin Patrizia Kaiser. Das Zollmuseum Hamburg hat inzwischen den historischen Wert und die Seltenheit dieser Grenzstange in ihrem sehr guten Zustand bestätigt. Nach einer professionellen Restaurierung des Schildes, auf dem noch „Landkreis Garmisch-Partenkirchen“ geschrieben war, erhielt es von dem pensionierten Kollegen Hans Scherer aus Berchtesgaden, der routiniert in der Kalligrafie ist, in angepasster Schrift der damaligen Zeit die Aufschrift „Hauptzollamt Rosenheim“.
„Ein Stück Zollgeschichte, das nun den Eingang des Hauptzollamts schmückt“, so stolz der Leiter des Hauptzollamts Rosenheim, Robert Woerner. Demnächst wird direkt neben dem Grenzpfahl noch eine Tafel mit den wichtigsten historischen Daten angebracht.