Wohnungen statt Lokal und Schießbetrieb

von Redaktion

Rosenheimer Immobilienentwickler Werndl und Partner kauft den Kastenauer Hof

Rosenheim – Zum Ende des Jahres schließt der Kastenauer Hof. Der Eigentümer des rund 5000 Quadratmeter großen Geländes rund um das Gasthaus, die Flötzinger-Brauerei, hat die Immobilie verkauft und zuvor die laufenden Pachtverträge gekündigt. Damit verlieren auch die Kastenauer Schützen ihren Stammsitz.

Vereinsheim in
Eigenleistung

Verkauft hat die Brauerei ihr Anwesen an den Rosenheimer Immobilienentwickler Werndl und Partner, mit dem Flötzinger auch schon bei anderen Projekten zusammenarbeitet (wir berichteten). Werndl und Partner wiederum plant dort eine Wohnbebauung. Geschäftsführer Maximilian Werndl spricht von einer „Aufwertung des Geländes“, die man gemeinsam mit Flötzinger umsetzen wolle.

In Konsequenz müssen jedoch sowohl das Gasthaus mit 20 Fremdenzimmern wie auch das Vereinsheim der Kastenauer Schützen weichen, welches der Verein 1965 in Eigenleistung gebaut hatte. Flötzinger beglich seinerzeit jedoch den Aufwand für das Baumaterial.

Es sind wirtschaftliche Gründe, welche die Brauerei dazu bewogen hätten, diesen Schritt zu gehen, schildert Geschäftsführer Lorenz Stiglauer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das Unternehmen investiere derzeit in den Betrieb der Brauerei, und dies wolle man nicht ausschließlich durch Fremdkapital finanzieren.

Bereits vor sieben Jahren habe im Raum gestanden, den Vertrag mit der Pächterfamilie Glass nicht weiter zu verlängern. Vor etwa drei Jahren habe man sich jedoch entschlossen, die Vereinbarung abermals zu verlängern, zu den gleichen vergleichsweise günstigen Konditionen, zu denen sie einst geschlossen wurde. Günstig vor allem mit Blick auf die Preise, die derzeit für derartige Grundstücke am Markt aufgerufen werden können. Zuvor habe es aber bereits Gespräche mit der Pächterfamilie gegeben, in denen Flötzinger erste Signale gegeben habe, dass sich die Brauerei langfristig vom Pachtvertrag für den Kastenauer Hof lösen will.

Angedachter
Teilverkauf der Fläche

Dies sei auch geschehen, um den Pächtern ausreichend Zeit zu verschaffen, sich nach einer Alternative umzusehen. Während der Gespräche mit den Pächtern habe Flötzinger auch den Vorschlag unterbreitet, das Grundstück zu teilen, um den Weiterbetrieb des Gasthauses zu sichern, und nur einen Teil der Fläche zu verkaufen. Dies habe die Familie Glass aber abgelehnt.

Die Pächterfamilie bestreitet auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass man sich diesem Plan verweigert habe. Im Gegenteil: Man habe sogar eigene Ideen in diese Verhandlungen miteingebracht, um den Betrieb des Gasthauses auf diese Weise sicherzustellen.

Bis die Gebäude tatsächlich neuen Bauten weichen müssen, geht wohl noch einige Zeit ins Land. Doch für den Schützenverein Kastenau ist die Situation einigermaßen ernüchternd, wie deren Ehrenvorsitzender Helmut Klinger im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen berichtet. Er fürchtet, dass mit dem Abriss des Vereinsheims und des dortigen Schießstands auch die Kastenauer Schützen selbst Geschichte werden könnten.

Dabei gebe es Gedankenspiele, den Schießbetrieb zu verlagern und bei anderen Schützenbrüdern Unterschlupf zu finden. „Ich glaube aber, dass diesen Weg nicht viele Mitglieder mitgehen“, prognostiziert Ehrenvorsitzender Klinger, der bei den Gesprächen mit Flötzinger selbst zugegen war. Denn wenn alle in die Stadt fahren müssten, um ihrem Schießsport nachzugehen, falle auch die Geselligkeit weg. Dabei habe die Gemeinschaft schon vor geraumer Zeit einen Mitgliederschwund verzeichnen müssen, nachdem im Jahr 2013 eine Vereinbarung getroffen worden sei, dass die Schützen ihre Mitglieder nicht mehr selbst bewirten. Etwa zehn Prozent an Mitgliedern habe man seinerzeit verloren, berichtet Klinger. Er macht sich wenig Hoffnung, dass mit der Aufgabe des Vereinsheims die Gemeinschaft selbst weiter bestehen könne. Zumindest dann nicht, wenn man nicht mit dem neuen Eigentümer eine Lösung findet, um das Vereinsheim auf dem Gelände doch noch bestehen zu lassen. In dieser Hinsicht sei man mit Werndl und Partner jedoch noch nicht ins Gespräch gekommen. Und auch Werndl und Partner wollten sich noch nicht zu einer solchen Option äußern. Hierzu sei es noch zu früh, sagt Geschäftsführer Maximilian Werndl.

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