Rosenheim – Die Planungen für den Rosenheimer Norden schreiten voran. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses haben sich die Stadträte jetzt für die Grundzüge der Planung ausgesprochen. Die Grünen aber würden die Vorschläge am liebsten komplett über den Haufen werfen.
Letzter Beschluss
im Jahr 2016
Seit 18 Jahren sitzt Beate Burkl für die Freien Wähler/UP im Stadtrat. Mindestens genauso lange beschäftigt sich das Gremium mit der Entwicklung des Rosenheimer Nordens. Pläne dafür gab es einige. So hatte der Baubewerber vorgeschlagen, auf der Fläche an der Westerndorfer Straße – die im Moment noch landwirtschaftlich genutzt wird – ein Versorgungszentrum mit Discounter, Vollsortimenter und Drogeriemarkt zu errichten. Damals hatte der Stadtrat betont, dass das Versorgungszentrum nur dann realisiert werden könne, wenn der Kreuzungsknoten den zusätzlichen Verkehr, den das Einkaufszentrum mit sich bringen würde, bewältigen kann. Weil hierfür keine Lösung gefunden werden konnte, stockte das Vorhaben und nach dem Stadtrats-Beschluss im Jahr 2016 passierte vorerst nichts mehr.
Wohnen und
Nahversorgung
Im vergangenen Jahr setzten sich dann CSU und SPD dafür ein, die Planungen wieder voranzutreiben. Allerdings mit einigen Änderungen. So sollen neben der Nahversorgung auch Einzelhandel, Bildungseinrichtungen und Wohnungen angesiedelt werden. Nachdem die Stadt – auf Wunsch der Politiker – ein externes Stadtplanungsbüro mit der Bearbeitung des Bebauungsplans beauftragt hatte, wurden die Grundzüge jetzt in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellt.
So soll im Norden der circa elf Hektar großen Fläche auf dem Baufeld 1 eine vierzügige Grundschule inklusive Turnhalle und eine Kindertageseinrichtung gebaut werden. Sowohl die Grundschule, als auch die Kita sollen laut Verwaltung dreigeschossig werden. Südlich der Kindertagestagestätte soll ein fünfgeschossiges Alten- und Pflegeheim errichtet werden.
Ein Vorschlag, der zumindest bei einigen Stadträten für Irritationen sorgte. „Das Altenheim wäre sehr weit von der Stadt entfernt“, sagte Stadträtin Beate Burkl und erhielt Zustimmung von Judith Kley-Stephan (Grüne). Sie hinterfragte in diesem Zusammenhang auch, ob eine Schule an diesem Standort überhaupt sinnvoll sei.
Für Diskussionen sorgten auch die Pläne für das Baufeld 2, dessen zentraler Bereich zukünftig die Versorgung des Rosenheimer Nordens abdecken und gleichzeitig vielfältige Nutzungen wie Parken, Dienstleistungen und Gewerbe ermöglichen soll.
Geplant ist ein großflächiger Einzelhandel, der zugleich einen baulichen Stadteingang schaffen soll. „Zudem ist auf dem Einzelhandel eine Aufstockung von mehreren Geschossen möglich, um flächensparendes Bauen zu beherzigen“, heißt es aus dem Rathaus. Vorstellbar wären hier laut Verwaltung vier bis fünf Geschosse. Im südlichen Teil des Baufelds soll hochschulnahes Gewerbe auf sieben Geschossen untergebracht werden.
Große Pläne, die vor allem bei den Grünen auf wenig Gegenliebe stießen. „Die Planung geht an der Realität vorbei“, sagte Stadtrat Franz Lukas (Grüne). Die Fläche im Rosenheimer Norden sei so groß, dass die gesamte Altstadt darin Platz hätte. Für Lukas Anlass genug, „mehr daraus zu machen“. In seinen Augen müsse man sich überlegen, was man für die Stadt tun könne und dürfe sich nicht „von einem einzelnen Investor treiben lassen“. In seinen Augen führe deshalb nichts an einem Neustart vorbei.
Hochschulnahes
Gewerbe ansiedeln
Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, erinnert seinen Kollegen an den Stadtratsbeschluss vor sechs Jahren, in dem das Konzept für den Rosenheimer Norden bereits mehrheitlich beschlossen worden ist. Diesen jetzt in eine „verstaubte Ecke“ stellen zu wollen, sei nicht in Ordnung. Stattdessen unterstrich Borrmann, dass man dringend eine weitere Grundschule brauche, und begrüßte die Möglichkeit, dass sich Gewerbe in der Nähe der Hochschule ansiedeln könnte. Ähnlich äußerte sich auch Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Kleinteilige Einzelhandelsstrukturen sind nicht die Zukunft“, zeigte er sich überzeugt. Zudem begrüßte er die Tatsache, dass die Fläche eben nicht nur als reiner Einzelhandelsstandort genutzt werden soll.
Entscheidung
am Mittwoch
Es sind Argumente, die weder die Grünen noch CSU-Stadtrat Georg Soyer oder Hans Raß (AfD) überzeugen konnten. So störte sich beispielsweise Anna Rutz (Grüne) daran, dass es nur eine Planung gebe. Stadtrat Georg Soyer kritisierte unter anderem den hohen Flächenverbrauch.
Mit 6:5 Stimmen sprachen sich die Mitglieder des Bauausschusses für die Grundzüge der Planung aus. Eine endgültige Entscheidung fällt am Mittwoch im Stadtrat. Sollte der Vorschlag auch dann eine Mehrheit finden, werden die erforderlichen Gutachten und weitere Verfahrensschritte geprüft.