Sprungübung für Kiki und Coco

von Redaktion

Rosenheimerin (16) hat sich das Trainieren von Hühnern zum Hobby gemacht

Rosenheim – Immer wenn es aufs Wochenende zugeht, steigt bei Sophie Wembacher die Vorfreude. Allerdings nicht aus Gründen, die man nun vielleicht vermuten würde. Während manch Gleichaltrige den Samstag und Sonntag eher für allerhand Aktivitäten, wie Kino- oder Barbesuche nutzen, hat sich die junge Frau das Züchten und Trainieren von Hühnern zur Aufgabe gemacht.

Wenn Sophie Wembacher am Freitag nach der Arbeit auf dem Bauernhof ihrer Großtante in Aying bei München ankommt, wird sie bereits sehnsüchtig erwartet. Sobald die angehende Einzelhandelskauffrau nach Kiki, Coco, Catchy und Co. ruft, ist sie umgeben von einer gefiederten Traube.

„Hund und Katz
kann ja jeder“

„Wenn ich zum Hof komme, dann rufe ich erst einmal alle zusammen“, sagt Sophie Wembacher, die schon von klein auf einen besonderen Draht zu den Hühnern hat. Bereits als Kind war sie von den Tieren, mit denen sie immer viel Zeit auf dem familiären Bauernhof verbrachte, fasziniert. „Eine Katze oder einen Hund haben ja alle gehabt und das fand ich schon bisschen langweilig“, erzählt Wembacher aus ihrer Kindheit.

Ihre ersten eigenen Hühner hat die junge Frau dann vor zwei Jahren von einem Züchter gekauft. Zwei Stück waren es damals. Danach stellte sich nur noch die Frage, was man mit den Hühnern, außer füttern, alles so anstellen kann. Da kam Sophie Wembacher eine Idee.

„Angefangen hat alles mit Gassi gehen“, sagt die 16-Jährige über die Trainingsanfänge. Im Internet hat sie Geschirre extra für Hühner gefunden und es dann einfach mal ausprobiert. Inzwischen haben alle Hennen ein maßgeschneidertes Geschirr. Mit zwei bis drei Tieren geht sie kleine Runden um den Hof spazieren. „Die vorbeifahrenden Autos bleiben ganz oft stehen und schauen, was da los ist“, erzählt Sophie Wembacher und muss selber ein bisschen über den ungewöhnlichen Anblick lachen. Nach den viertelstündigen Spaziergängen steht dann das eigentliche Training an. Unter dem Einsatz von kleinen Leckereien – meist Mehlwürmer – bringt Sophie Wembacher den Hühnern bei, über kleine Hindernisse zu springen oder über eine Wippe zu laufen.

Auch Männchen können einige der Hennen schon. Selbst das Reiten auf einem Pony ist für die Hühner inzwischen kein Problem mehr. „Eigentlich läuft es wie in einer Hundeschule ab“, sagt die junge Frau, die ihre Hühner nach erfolgreichen Übungen stets belohnt. Der Spaß soll auch für die Tiere nicht zu kurz kommen.

Im Anschluss an die getane Arbeit stehen erst mal ausgiebige Streicheleinheiten auf dem Programm. Schon nach wenigen Minuten schlafen die erschöpften Hennen schnarchenderweise in den Armen der jungen Frau ein.

Wohngemeinschaft
mit acht Küken

Mittlerweile ist die Hühnerfamilie auf sieben Mitglieder angewachsen. Alle Hühner leben auf dem Hof ihrer Großtante, denn dort fehlt es den Tieren an nichts. Hier können sie sich fast uneingeschränkt auf der gesamten Fläche des Hofs – inklusive Misthaufen – frei bewegen. Nur nachts müssen die Hühner in den Stall, sagt Sophie Wembacher, ansonsten droht Gefahr durch den Fuchs.

Gezüchtet hat Sophie Wembacher die Königsberger Hühner – die Rasse gilt als besonders lernwillig – auch schon. Vergangenes Jahr sind acht Küken geschlüpft. Diese hat die junge Frau in den ersten Wochen liebevoll im eigenen Zimmer aufgezogen. In der Zwischenzeit sind alle Neuankömmlinge an sorgsam ausgewählte Halter weitervermittelt.

Sophie Wembacher will trotz der ersten Erfolge beruflich aber weniger mit Tieren zu tun haben. Das Training soll weiterhin nur ein ganz normales, wenn auch außergewöhnliches, Hobby bleiben. Damit die junge Frau auch in Zukunft die Wochenenden kaum erwarten kann.

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