Rosenheim – Vor drei Jahren hat der Waldkindergarten im Keferwald eröffnet. Jetzt gibt die AWO die Trägerschaft ab. Um eine Schließung zu verhindern, braucht es einen neuen Träger. Doch der ist bisher noch nicht gefunden. Für die 18 Kinder, deren Eltern und die fünf Mitarbeiter eine ungewisse Situation.
Aushängeschild
von Rosenheim?
Aufgeben kommt für Bastian Krumpschmied nicht infrage. Er ist im Elternbeirat des Waldkindergartens, hat selbst Kinder, die die Einrichtung seit 2019 besuchen. Dass die AWO die Trägerschaft jetzt abgegeben hat, sei für ihn „mehr als überraschend“ gewesen. „Wir wissen jetzt erstmal nicht, wie es weitergeht“, sagt er. So müssten sich die Eltern eigentlich nach einem neuen Kindergartenplatz umschauen. Denn falls es der Stadt nicht gelingen sollte, einen neuen Träger zu finden, müsste der Waldkindergarten schließen – und die 18 Kinder würden ohne Betreuungsplatz dastehen. „Der Waldkindergarten ist so wertvoll und ein Aushängeschild der Stadt“, sagt Ilona Schlieder. Auch sie sitzt im Elternbeirat, freut sich jeden Tag aufs Neue, wenn sie ihr Kind „dreckverschmiert und freudestrahlend“ aus dem Keferwald abholen kann.
Doch genau das könnte bald der Vergangenheit angehören. So hatte die AWO vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass man die Einrichtung nicht mehr weiterführen könne. Gründe hierfür sind laut AWO-Geschäftsführer Anton Reiserer neben der Situation im Keferwald mit den umfangreichen Baumpflegearbeiten auch die bestehenden Auflagen, die schwierige Finanzierungsaktion sowie die Personalprobleme.
Während die Errichtung eines Waldkindergartens im Vergleich zu festen Bauten für Kommunen relativ günstig ist, brauche es für dessen Betrieb mehr Personal. „Da aufgrund der Gefährdungssituation immer mindestens drei beziehungsweise vier Personen vor Ort sein müssen, sind bei Personalausfall umgehend Springer im Waldkindergarten einzusetzen“, sagt Reiserer. Heißt: Neben dem bestehenden Personal fallen immer wieder zusätzliche Personalkosten an. Die gesetzliche kindbezogene Förderung decke die Kosten der Einrichtung nicht und auch die städtischen Erstattungen seien nicht ausreichend, zumal die der vergangenen zwei Jahre laut Reiserer noch ausstehen würden. Wegfallen würden auch die freiwilligen Zuschüsse der Stadt, da die entsprechenden Richtlinien keinen Waldkindergarten vorsehen. „Freiwillige Zuschüsse an freie Träger werden in der Stadt bereits seit 2015 ausgereicht. Damals gab es noch keinen Waldkindergarten“, erklärt der Pressesprecher der Stadt, Christian Schwalm. Zusätzliche Finanzmittel an freie Träger seien grundsätzlich möglich, aber eben nur dann, wenn die zuständigen Stadträte ihre Zustimmung gäben. „Dies ist auch für den Antrag der AWO für das Jahr 2020 vorgesehen, wenn alle hierfür erforderlichen Prüfungsunterlagen abgegeben wurden“, ergänzt Pressesprecher Schwalm. Gleiches gelte für das Jahr 2021.
Neu ist all das für die AWO nicht. Denn an den Auflagen hat sich seit der Eröffnung nichts geändert. Und doch hat der Träger jetzt einen Schlussstrich gezogen. „Und das obwohl wir den Waldkindergarten gerade am Anfang nur mit Mühe und Not aufgezogen haben“, erinnert sich Bastian Krumpschmied. Jetzt sei man an einem Punkt angelangt, an dem „das Zusammenspiel passt“ und sich vor allem die Kinder wohlfühlen. „Es wäre wirklich schade, wenn das zu Ende geht“, sagt Krumpschmied. Zumal die Stadt dringend Kitaplätze brauche. Damit diese erhalten bleiben, ist die Stadt auf der Suche nach einem neuen Träger. „Erste Gespräche haben bereits stattgefunden“, sagt Stadt-Sprecher Schwalm.
Betreuungsplätze
sind gesichtert
Angst, dass ihre Kinder im kommenden Jahr keinen Platz mehr bekommen, müssen die Eltern allerdings nicht haben. So habe man vonseiten der Stadt mit dem Elternbeirat des AWO-Waldkindergartens vereinbart, dass die Eltern im Rahmen der Anmeldewoche ihre Kinder zusätzlich bei anderen Einrichtungen anmelden. Auch neue Eltern hätten die Möglichkeit einer doppelten Anmeldung. „Wir machen uns Sorgen, dass durch die erschwerte Situation Anmeldungen ausbleiben und die Stadt den Kampf um den Waldkindergarten aufgrund dessen aufgibt“, sagt Ilona Schlieder.
Auch für die fünf Mitarbeiter des Waldkindergartens ist die Zukunft im Moment ungewiss. „Sollte der Waldkindergarten weitergeführt werden, kann das Personal auch bei einem neuen Träger weiterarbeiten“, sagt AWO-Geschäftsführer Anton Reiserer. Dass die Erzieher bei einer Schließung in einem Regelkindergarten anfangen würden, halten zumindest die Mitglieder des Elternbeirats für unwahrscheinlich.