Rosenheim – Es wird derzeit viel über Kinder und Jugendliche geredet und geschrieben. Über ihre Belastungen während der Pandemie, über ihre Lernrückstände und über das, was man jetzt für sie tun muss. Aber was sagen die Kinder und Jugendlichen eigentlich selbst?
Am Ignaz-Günther-Gymnasium kommen die Schüler persönlich zu Wort: An zwei Nachmittagen standen alle Lehrkräfte der Schule ihren Schülern für Gespräche unter vier Augen zur Verfügung. Und zwar in aller Ruhe, ohne die ganze Klasse und auch einmal ohne Eltern.
Wie ihre Eltern beim Elternsprechtag konnten die Schulkinder für den Schülersprechtag vorher online persönliche Termine bei ihren Lehrern buchen. Der Schülersprechtag passt durchaus zur Philosophie des Gymnasiums. „Wir gehen nicht so sehr davon aus, was wir von den Kindern wollen, sondern eher davon, was jedes einzelne Kind braucht“, sagt Dieter Friedel, der Schulleiter.
Seine Bürotür steht den ganzen Tag offen: Jeder Schüler kann sich, genauso wie jede Lehrkraft, immer ohne Termin an den Schulleiter wenden. Die Schüler, die auf den Gängen auf ihre nächste Sprechstunde warten, sind sich einig: So ein Sprechtag ist schon eine gute Sache. Dabei hat Maximilian aus der neunten Klasse eigentlich gar keine großen Probleme, die er mit seinen Lehrern besprechen will: „Es ist hier an der Schule eigentlich alles gut, so wie es ist.“ Trotzdem ist er zum Sprechtag gekommen. „Mal schauen, vielleicht haben die Lehrer ja Verbesserungsvorschläge für mich.“
Sophia aus der neunten Klasse ist froh, dass sie mit ihrer Lehrerin auch über ganz persönliche Probleme reden konnte.
Auch Franziska aus der sechsten Klasse kommt erleichtert aus einem Gespräch: Im Unterricht fällt es ihr schwer, etwas zu sagen. Der Lehrer hat ihr erklärt, dass das nicht schlimm sei und ihr Tipps gegeben, wie sie es doch versuchen kann. Ihre Mitschülerin Sophia erzählt, sie habe im Distanzunterricht nicht so gut lernen können. Jetzt habe sie Hilfestellung bekommen, wie sie das Versäumte wieder aufholen kann.
Sofie aus der sechsten Klasse nimmt aus ihrem Gespräch vor allem Tipps mit, wie sie bei Schulaufgaben mit der Aufregung besser zurechtkommt.
Ob die Lehrer auch was von dem Sprechtag haben? Sofie muss da nicht überlegen: „Ja, freilich! Wir sagen den Lehrern beim Sprechtag ja auch, was sie selber besser machen können!“