Kastenauer Schützen vor dem Aus?

von Redaktion

Verein plant eine Unterschriftenaktion – Noch keine geeigneten Grundstücke in Sicht

Rosenheim – Die Kastenau wird gerne als Dorf in der Stadt beschrieben. Doch mit dem „Dorf-Gefühl“ könnte es bald vorbei sein: Ende des Jahres muss der „Kastenauer Hof“ voraussichtlich schließen – die Gaststätte soll einem neuen Wohngebiet weichen. Mit diesem Schritt könnte auch das Ende der Schützengesellschaft Waldfrieden 1963 Rosenheim-Kastenau besiegelt sein, die seit vielen Jahrzehnten für Geselligkeit in dem Rosenheimer Ortsteil sorgt. Einige Kastenauer wollen diese Entscheidung so nicht hinnehmen und planen eine Unterschriftenaktion.

Aus Gerücht
wird Ernst

Endlich ist der Schießbetrieb nach langem Corona-Lockdown bei den Kastenauer Schützen wieder möglich. Eigentlich ein Grund zur Freude. Aber die Stimmung bei der Schützengesellschaft Waldfrieden 1963 Rosenheim-Kastenau ist aktuell alles andere als gut. Eigentlich wollte der Verein im kommenden Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern. Ob es dazu noch kommen kann, weiß aktuell niemand. „Die Planungen dafür würden eigentlich jetzt beginnen. Aber wer weiß, ob das noch Sinn macht“, erzählt Helmut Klinger, der fast von Beginn an mit dabei ist beim Schützenverein, traurig.

Das Vereinsheim der Kastenauer Schützen steht auf dem Grund des Kastenauer Hofs. Eigentümer des rund 5000 Quadratmeter großen Areals ist die Rosenheimer Flötzinger Brauerei. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder mal gemunkelt, dass die Brauerei den Grund verkaufen will. Nun wurde aus dem Gerücht Ernst. Neuer Besitzer ist der Rosenheimer Immobilienentwickler Werndl und Partner. Dieser plant dort eine Wohnbebauung. Damit scheint das Ende des Gasthauses inklusive Hotel besiegelt. Voraussichtlich Ende dieses Jahres wird die traditionsreiche Gaststätte ihre Pforten für immer schließen müssen. Die Brauerei Flötzinger begründet ihre Entscheidung zum Verkauf mit wirtschaftlichen Gründen. Die Erlöse sollen in das operative Geschäft der Brauerei fließen, wie Flötzinger-Geschäftsführer Lorenz Stiglauer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen schilderte (wie berichteten). Hinzu komme, dass der Pachtzins für die Immobilie im Vergleich zu den geltenden Marktpreisen vergleichsweise günstig ausfalle. Dennoch habe man der Pächterfamilie Glas angeboten, das weitläufige Grundstück zu teilen, damit Hof und Vereinsheim bestehen bleiben könne. Dies hätten die Pächter abgelehnt.

Die bestreiten wiederum, dass die Brauerei Flötzinger ihnen ein solches Angebot jemals unterbreitet habe. Die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge in den OVB-Heimatzeitungen darzustellen, ließ die Pächterfamilie Glas jedoch kurzfristig fallen, obwohl sich Teile der Familie zunächst zu einem Gespräch bereit erklärt hatten.

Am Weihnachtstag
davon erfahren

Christian Stallhofer, Erster Schützenmeister der Kastenauer Schützen, hat von den Plänen der Flötzinger Brauerei genau am Weihnachtstag erfahren. „Da kam bei mir ein Schreiben an, in dem ich informiert wurde, dass wir unser Vereinsheim wohl in absehbarer Zeit verlieren werden“, erzählt er.

Die diesjährige Saison könne man zwar noch mit allen wichtigen Terminen durchziehen. Danach sei aber wohl Schluss.

In einem Gespräch mit der Flötzinger Brauerei sei den Schützen zwar signalisiert worden, dass man sich für den Fortbestand des Vereins bei den neuen Besitzern einsetzen werde. Von diesen habe man aber bisher noch nichts gehört. „Ich schätze, es wird schwierig“, befürchtet Christian Stallhofer.

Aufgeben kommt für den Kastenauer Verein aber dennoch nicht infrage, wie auch Helmut Klinger betont. Er erinnert an die traditionsreiche Geschichte des Vereins, dessen Engagement nicht nur in der Kastenau, sondern in ganz Rosenheim und sogar über die Grenzen der Stadt hinaus gewirkt habe. Wichtigste Veranstaltung ist seit 1985 der Luftpistolen-Wanderpokal um den Kastenauer Stier, bei dem jährlich mehr als 100 Schützen – von jung bis alt – aus der Region teilnehmen und dafür innerhalb von zweieinhalb Stunden 100 Schuss mit der Luftpistole abgeben.

Gegründet wurde die Schützengesellschaft Waldfrieden im Jahr 1963. Im Jahr 1965 wurde das Vereinsheim – der ehemalige Kastenauer Kindergarten – in Eigenleistung angebaut. Auch in den Folgejahren haben sich die rund 100 Mitglieder des Vereins immer wieder ehrenamtlich in vielen Stunden ihrer Freizeit engagiert, um das Vereinsheim weiter gemütlich auszubauen und den Anforderungen der jeweiligen Zeit zu entsprechen.

Egal ob Maibaumaufstellen, Fasching oder Fischessen – der Verein hat auch immer schon viel zum geselligen Miteinander in dem Rosenheimer Ortsteil beigetragen, eng verbunden mit den anderen Kastenauer Vereinen. Das Vereinsheim wurde auch immer wieder mal von den anderen Vereinen und Anwohnern des Stadtteils für Versammlungen und Feiern genutzt.

Hilfsangebote
auch von anderen

Aktuell weiß nun niemand mehr, wie es mit dem Kastenauer Schützenverein weitergehen kann. Der Patenverein „Schützengesellschaft Almenrausch Rosenheim“ hat bereits in einem Schreiben Hilfe angeboten. „Wenn wir unser Vereinsheim und den Schießstand verlieren, können wir uns dann dort ab und zu treffen und vielleicht auch bei einigen anderen Vereinen“, hoffen Klinger und Stallhofer. Ebenso kam ein Angebot vom Schützenverein „Seerose Baierbach“, dessen Patenschaft die Kastenauer übernommen hatten. Auch die „Feuerschützen Rosenheim“ wollen den Kastenauer Schützen ihren Schießstand zur Verfügung stellen. Eine endgültige Lösung sei das aber nicht: „Zum Fortbestand brauchen wir ein eigenes Vereinsheim und einen eigenen Schießstand und das in unserem Wohnort, der Kastenau“. Geeignete Grundstücke oder Immobilien sind dort aber nicht in Sicht.

Einige Rosenheimer planen aktuell bereits eine Unterschriftenaktion für den Fortbestand einer Gaststätte und des Schützenvereins in der Kastenau. Große Unterstützung ist ihnen gewiss, wie man in Gesprächen mit den Anwohnern hört.

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