Kolbermoor – Ob in den sozialen Netzwerken, in den Nachrichten oder am Frühstückstisch: der Krieg in der Ukraine ist präsent – auch für Kinder. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auch in den Schulen und Kindertagesstätten Kolbermoors landet. Die entscheidende Frage: Wie erklärt man Kindern den Krieg, wie können die Pädagogen mit der Situation umgehen? Laut dem Kriseninterventions- und Bewältigungsteam Bayerischer Schulpsychologen könne die mediale Berichterstattung rund um die Uhr den Krieg „in unmittelbare Nähe rücken“. Vor allem Bilder von Gewalt könnten starke psychische Auswirkungen haben.
Betroffenheit
ist groß
Dass der Krieg die Schüler beschäftigt, bestätigt Markus Rinner, Schulleiter der Pauline-Thoma-Mittelschule. „Das wird in den Klassen natürlich besprochen“, sagt Rinner auf Nachfrage des Mangfall-Boten. Mit den 6. Klassen etwa sehe man sich täglich die Kindernachrichten „Logo“ an. Auch der Geschichtsunterricht werde für das Thema genutzt. „Man merkt allerdings noch nicht, dass sich die Situation grundsätzlich auf die Stimmung der Schüler auswirkt“, sagt der Rektor.
Wenngleich sie ihre Betroffenheit durchaus ausdrückten und etwa die Frage stellten, wie es sein kann, dass Krankenhäuser bombardiert werden. Dagegen bemerkt Rinner, dass sich der Krieg in der Ukraine durchaus auf die Stimmung im Kollegium auswirkt. „Vielleicht ist es auch gut so, dass das Thema Erwachsene noch mehr beschäftigt als Kinder.“ In den kommenden Tagen wolle man sich zusammen mit den Schülern an einer Paketaktion beteiligen, wofür die Schulgemeinschaft Sachspenden, etwa Kinderspielzeug oder Lebensmittel, sammelt.
Ein weiterer Fall, der beim Umgang mit dem Kriegs-Thema helfen kann, wird laut Rinner dann eintreten, wenn tatsächlich ukrainische Flüchtlinge am Schulunterricht teilnehmen werden. „Wenn Schüler aus der Ukraine zu uns kommen, hat das natürlich noch mal ein ganz anderes Potenzial“, so Rinner. Zwar seien die Ukrainer nach ihrer Ankunft zunächst von der Schulpflicht befreit, allerdings rechnet der Rektor fest damit, dass demnächst auch Schüler aus dem Kriegsgebiet in die Klassenzimmer kommen werden.
„Das Thema macht uns alle betroffen“, sagt auch Christa Wagner, Schulleiterin der Mangfallschule. Auch an den Grundschülern gehe der Ukraine-Krieg nicht spurlos vorüber. Dies hänge zu einem Großteil davon ab, inwiefern die Familien das Thema zu Hause behandeln – oder nicht.
„Unser Ziel ist es, trotz allem eine gewisse Normalität vorzuleben“, sagt Wagner. Man gehe bewusst nicht im Detail auf das Thema Krieg ein, sondern setze einen Fokus auf Frieden. Hierfür eigne sich beispielsweise der Ethik- oder Religionsunterricht. „Wir wollen niemandem Angst machen“, begründet die Rektorin die Herangehensweise. Darüber hinaus müsse man auch unter verschiedenen Altersstufen unterscheiden. „Die Viertklässler kriegen natürlich schon mehr mit als die Erstklässler.“
Unter den Eltern
omnipräsent
Insgesamt spürten die Kinder derzeit aber deutlich, dass das Thema gerade unter den Eltern omnipräsent sei. Am kommenden Freitag veranstalte man deshalb eine Friedensaktion der Mangfallschule, bei der Friedenslieder gesunden und Friedenswünsche ausgesprochen werden sollen. Doch wie präsent ist der Krieg in der Ukraine eigentlich unter Kindergartenkindern? Laut Frank Deininger, Leiter des „Haus für Kinder“ in Kolbermoor, spiele das Thema für Kindergartenkinder „fast überhaupt keine Rolle“. Hier vermeide man es auch, die Situation bewusst zu thematisieren. Unter den Schulkindern sehe es schon anders aus. Sie beschäftigten sich intensiv damit. „Gerade beim Mittagessen wird sehr viel darüber gesprochen“, so Deininger.