Kein Zwang und dennoch mit Maske

von Redaktion

An den Rosenheimer Schulen hat das Ende der Maskenpflicht nicht zum Verschwinden der Pandemiebegleiter geführt. Weniger überraschend als das Ende selbst ist der Zeitpunkt.

Rosenheim – Es ist nur noch eine Woche hin bis Kinder und Lehrer erst mal wieder durchatmen können, denn die Osterferien stehen vor der Tür. Jetzt schon möglich wäre ein anderes Durchatmen: Die Maskenpflicht in den Schulen ist seit gestern passe, aber nur weil die Pflicht entfällt, heißt das nicht, dass keine Masken in Klassenzimmer mehr zu sehen wären. „Die meisten Kinder und Kollegen haben die Maske noch oben“, berichtet Dieter Friedel, Schulleiter des Ignaz-Günther-Gymnasiums in Rosenheim.

Gerade mal
drei positive Tests

Und das hat seinen Grund. 1969 betrug die Inzidenz gestern in der Stadt – deutlich weniger als vor einer Woche, aber immer noch sehr hoch. Im Romed-Klinikum müssen wir Operationen immer noch weiterhin „in hohem Maße“ verschieben, erklärte dessen Chefarzt Deerberg-Wittram jüngst. Aber immerhin sei das gerade nicht das Problem am Ignaz-Günther-Gymnasium: „Wir hatten heute drei positive Selbsttests“, sagt Friedel. Und auch sonst sind die Infiziertenzahlen unter Schülern und Kollegium gering.

Aber der Zeitpunkt ist dennoch schwierig. „Wir Lehrer hätten die letzte Woche vor den Osterferien die Maskenpflicht bevorzugt“, erklärt er. Er könne die Entscheidung der bayerischen Landesregierung aber durchaus nachvollziehen. Denn um die Maskenpflicht auf Recht zu erhalten, hätte die bayerische Landesregierung ganz Bayern zu einem Hotspot erklären müssen. Die Konsequenzen wären weit über die Maskenpflicht hinausgegangen: Abstandsregeln und Testpflicht bei Restaurantbesuchen wären die Folgen. Für Friedel eine Situation in der man quasi nur alles „falsch machen kann.“

Die eine Woche macht nämlich durch die Osterferien gleich drei Wochen aus. Hätte die Maskenpflicht noch bis zum Freitag bestand gehabt, dann wären zumindest bis zum 25. April keine Kinder und Lehrer ohne Masken unterwegs. Und dann, steigen wieder die Temperaturen und drängen das Virus wie in den beiden vergangenen Sommern zurück. „Der große Flächenbrand ist bei uns ausgeblieben und da hat sicher die Maske viel geholfen, erklärt Friedel und fügt dann hinzu: „Mir tut das leid, wenn die Kinder sich jetzt noch was einfangen und die ganzen Ferienpläne ins Wasser fallen.“

Auch in der Grund- und Mittelschule Fürstätt träge ein Großteil der Kinder Masken, erzählt Schulleiter Kai Hunklinger. „Die Kinder sind super und gut diszipliniert“, sagt er und meint damit nicht nur die augenblickliche Situation, sondern auch die gesamte Zeit der Pandemie. Auch bei seinen Schützlingen sind die aktuellen Infektionszahlen niedrig. Nicht mal eine Handvoll ist nach dem Wochenende mit positivem Test zu Hause geblieben.

Aus pädagogischer Sicht, erklärt er, sei die Maske eine Katastrophe gewesen. Gerade beim Spracherwerb habe das kleine Stück Stoff das Lernen deutlich erschwert. Insofern sei es Zeit für eine sinnvolle Beendigung der Maskenpflicht. Die Betonung legt Hunklinger klar auf „sinnvoll“. Wie sinnvoll der Zeitpunkt ist oder eben wie nicht, lässt er offen.

Die Schüler
sind gigantisch

Weder er noch Friedel berichten von aufgeregten Eltern, die anrufen und sich sorgen. Die kennt Martin Löwe, Vorsitzender des bayerischen Elternverbands schon eher. „Beide Extreme“ sagt er vorsichtig. Der Verband will sich nicht grundsätzlich zu dem Thema äußern, aber Löwe verweist auf das Schulforum. Das Schulforum ist ein Gremium, das an den jeweiligen Schulen, Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen abbildet. Und dieses Gremium könne durch die Hausordnung eine Maskenpflicht beschließen.

Ganz und gar einig sind sich alle drei bei einem Thema: Dem Umgang der Schüler mit der Maskenpflicht. Friedel schwärmt und Hunklinger erklärt einfach: „Die sind und waren gigantisch“.

Artikel 8 von 11